Daimler: Ex-Höchstrichterin als erste Frau im Vorstand

Der Konzern führt das Vorstands-Ressort "Recht und Integrität" ein. Besetzt wird es von Christine Hohmann-Dennhardt. Sie ist die erste Frau im Vorstand nach 125 Jahren Unternehmensgeschichte.

GERMANY DAIMLER HOHMANN-DENNHARDT
GERMANY DAIMLER HOHMANN-DENNHARDT
(c) EPA (Uli Deck)

Die ehemalige deutsche Bundesverfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt ist nach 125 Jahren Unternehmensgeschichte die erste Frau im Vorstand des Stuttgarter Autobauers Daimler. Daimler teilte am Dienstagabend mit, die Anfang des Monats beim höchsten deutschen Gericht ausgeschiedene Juristin werde ab Donnerstag das neue Vorstandsressort Recht und Integrität übernehmen.

"Daimler hat den Anspruch, bei Compliance und Integrität die höchsten Standards zu setzen", sagte Aufsichtsratschef Manfred Bischoff zur Berufung der 60-Jährigen. Ihr Mandat läuft bis Ende Februar 2014. Hohmann-Dennhardt war seit 1999 am Verfassungsgericht.

Finanzvorstand Uebber bleibt bis Ende 2014

Zudem verlängerte das Aufsichtsgremium den Vertrag von Finanzvorstand Bodo Uebber um drei Jahre bis Ende 2014. Der Wirtschaftsingenieur war im Dezember 2003 in den Vorstand berufen worden und betreut seit Ende 2004 die Themen Finanzen und Controlling, Financial Services und Übernahmen. Sein Vertrag wäre Ende des Jahres ausgelaufen. Der 1959 geborene Uebber hatte 1985 als Produktions-Controller bei der Daimler-Tochter MBB begonnen, er ist Chairman des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS.

Der Autokonzern ist in den vergangenen Jahren wiederholt wegen Korruption und Unregelmäßigkeiten in die Schlagzeilen geraten und steht deswegen unter Beobachtung der Justizbehörden in den USA. Im September entschied Daimler, den bisher mit sechs Männern besetzten Vorstand um das Ressort Recht und Integrität zu erweitern.

Hohmann-Dennhardt soll die Grundsätze guter Unternehmensführung und Integrität über das gesamte Unternehmen hinweg organisieren und zu einem Teil der Firmenkultur machen. Konzernchef Dieter Zetsche hatte wiederholt gesagt, dass er sich mehr Frauen in Führungspositionen des Unternehmens wünsche.

Schmiergeld-Affäre in den USA

Nach jahrelangen Ermittlungen in den USA hatte Daimler im vergangenen Jahr im Rahmen eines gerichtlichen Vergleichs einer Strafzahlung und Gewinnabschöpfungen von zusammen 185 Millionen Dollar (136,9 Mio. Euro) wegen der Bestechung von Amtsträgern im Ausland zugestimmt. Mit den Schmiergeldern hatte sich Daimler jahrelang Aufträge gesichert. Der frühere Chef der US-Bundespolizei FBI, Louis Freeh, überwacht seit knapp einem Jahr Daimlers Geschäftspraktiken im In- und Ausland, zudem wurde die interne Aufsicht verstärkt und neu organisiert.

Die Korruptions-Ermittlungen gegen Daimler waren in den USA 2004 ins Rollen gekommen, als ein ausgeschiedener Mitarbeiter über geheime Konten und Bestechungen berichtete. 2005 räumte Daimler "unsachgemäße Zahlungen" und Buchungsfehler bei Steuerabgaben ein, der Gewinn wurde damals nachträglich nach unten korrigiert.

(APA)

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