Finanzgeschäfte: Aktionäre von UniCredit zittern

Keine andere europäische Großbank arbeitete zuletzt so eng mit dem Gaddafi-Regime zusammen wie die Bank-Austria-Mutter. Wegen der dramatischen Lage sieht man sich nun gezwungen, Expansionspläne einzufrieren.

(c) AP (Antonio Calanni)

Wien/Mailand. Am Dienstag war die Mailänder Börse wegen „technischer Probleme“ stundenlang geschlossen. Als am späten Nachmittag der Handel wieder aufgenommen wurde, gab es wegen der Unruhen in Libyen massive Kursverluste. Bereits am Montag waren die Aktienkurse von italienischen Firmen, die in Libyen engagiert sind, gefallen. Mit einem Minus von 5,75 Prozent hat es die Bank-Austria-Mutter UniCredit besonders stark erwischt. Auch gestern gab der Kurs von UniCredit nach.

Kein europäischer Finanzkonzern arbeitete zuletzt so eng mit dem Gadhafi-Regime zusammen wie die Bank-Austria-Mutter. Wegen der dramatischen Lage sieht sich die Mailänder Großbank nun gezwungen, ihre Expansionspläne für Libyen vorübergehend einzufrieren. UniCredit wollte mit der Gadhafi-Regierung heuer eine Bank gründen. Der libysche Staat sollte mit 51 Prozent die Kontrolle übernehmen. Obwohl die Italiener das Know-how zur Verfügung stellen sollten, gaben sie sich mit einem Minderheitsanteil von 49 Prozent zur Verfügung.

UniCredit sah in Libyen große Wachstumschancen. Neben der Betreuung von Firmenkunden war auch der Einstieg ins Privatkundengeschäft geplant. Wie es nun weitergeht, ist unklar. „Kein Kommentar“, heißt es dazu in Mailand. Wegen der Unruhen haben die UniCredit-Mitarbeiter den Wüstenstaat verlassen. Als die italienische Bank im Zuge der Finanzkrise Geld brauchte, sprangen die Libyer ein. Vergangenen Sommer stiegen der Staatsfonds von Gadhafi und die Nationalbank in Tripolis zusammen mit 7,6 Prozent zum größten Anteilseigner von UniCredit auf. Der Gouverneur der libyschen Nationalbank und Gadhafi-Vertraute, Farhat Omar Bengdara, sitzt im Aufsichtsrat der Bank.

Der Einstieg der Gadhafi-Firmen sorgte in Italien für Proteste. Denn die Libyer hatten angekündigt, ihre Beteiligung auf zehn Prozent aufstocken zu wollen. Ein weiterer Großaktionär ist mit fünf Prozent der Fonds Aaber aus Abu Dhabi. Stimmt sich dieser mit den Libyern ab, könnten beide bei Aktionärstreffen von UniCredit den Ton angeben. Denn die italienische Großbank verfügt über einen großen Streubesitz. Auf Hauptversammlungen reicht ein relativ kleiner Anteil aus, um wichtige Beschlüsse durchzusetzen.

 

Einfluss der Lega Nord

Der wachsende Einfluss der Libyer löste bei UniCredit eine Führungskrise aus. Vergangenen Sommer flog Gadhafi mit einer Wirtschaftsdelegation nach Rom, um Geschäfte anzubahnen. Wenig später nahm der langjährige UniCredit-Chef Alessandro Profumo den Hut. Sein Nachfolger wurde Federico Ghizzoni, der in der Bank Austria für das Osteuropa-Geschäft verantwortlich war.

Profumo wurde vorgeworfen, dass er die Libyer geholt habe, um damit den Einfluss der italienischen Politik zurückzudrängen. UniCredit ist aus dem Zusammenschluss mehrerer italienischer Sparkassen hervorgegangen. Über die Sparkassen-Stiftungen versuchen Politiker, sich in die Geschäfte der Bank einzumischen. Vor allem Vertreter der Lega Nord, die in einigen norditalienischen Städten den Ton angeben, forderten lautstark den Abzug der Libyer.

Andrea Comba, Präsident der Turiner Stiftung CRT, die zu den führenden italienischen UniCredit-Aktionären gehört, sagte gestern: „Wir sind wegen der Situation in Libyen ziemlich besorgt. Bevor wir aber Beschlüsse treffen, müssen wir Klarheit über die Situation haben.“ UniCredit-Chef Ghizzoni rief dagegen zur Beruhigung auf: „Wir beobachten die Lage in Libyen, für die Gruppe gibt es jedoch keinen Grund zur Sorge.“

Solange der Machtkampf in Libyen nicht entschieden ist, dürfte der Druck auf die UniCredit-Aktie anhalten, vermuten Analysten. Denn es ist unklar, ob Gadhafis potenzielle Nachfolger am Engagement bei der Mailänder Großbank festhalten. Nach dem Börsenkurs ist das Aktienpaket der Libyer 2,7 Mrd. Euro wert. Finanzkreise halten es für unwahrscheinlich, dass die italienischen Sparkassen-Stiftungen den Anteil im Notfall übernehmen. Denn das würde die finanziellen Möglichkeiten der Stiftungen übersteigen.

Auf einen Blick

Wegen der Unruhen friert UniCredit die Pläne für die Gründung einer Bank in Libyen ein. Als die Bank-Austria-Mutter im Zuge der Finanzkrise Geld brauchte, sprangen Gadhafi-Firmen ein. Der libysche Staatsfonds und die Notenbank in Tripolis stiegen vergangenen Sommer zum größten Aktionär von UniCredit auf. Im Aufsichtsrat der Mailänder Großbank sitzt ein Gadhafi-Vertrauter.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2011)

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