Österreicher erfindet Bezahlen im Internet neu

Der Internet-Pionier Daniel Mattes startet das neue Online-Bezahlsystem „Netswipe“: Dabei wird die Webcam zum Kreditkartenscanner. Mit an Bord sind Schwergewichte wie Facebook-Gründer Eduardo Savarin.

Kreditkarte
Kreditkarte
Symbolbild – (c) (Clemens Fabry)

[Wien] Im Prinzip ist es ganz simpel: Wer künftig Bücher, Flüge oder Musik im Internet kaufen will, wird nur noch seine Kreditkarte vor die Webcam halten müssen. Über ein patentiertes System wird das Plastikgeld gescannt, statt der Unterschrift tippt der Kunde noch den CCV-Code (Card Validation Code) von der Rückseite der Karte ein und schon ist bezahlt.

„Wir wollten online bezahlen einfach machen wie einen Handschlag“, sagt der Jumio-Gründer Daniel Mattes, im Gespräch mit der „Presse“. In diesem Bereich sei das Internet noch „in der Steinzeit“. Denn üblicherweise reichen Kreditkartennummer, Ablaufdatum und CCV-Code aus, um im Internet einkaufen zu können. Solche Daten fallen aber oft Internet-Betrügern in die Hände. Der geschätzte Schaden durch Kreditkartenbetrug summiert sich im Jahr auf auf ein geschätzter Schaden von über 190 Mrd. Dollar (131 Mrd. Euro). Mit Netswipe, dem neuen Bezahlsystem von Jumio soll Bezahlen im Internet „so sicher werden wie an der Kasse“, sagt Mattes. Denn nun muss der Kunde die Karte in Händen halten.

Ab Herbst am Handy verfügbar

Als Kartenlesegerät kann jede Webcam (ab VGA-Auflösung) eingesetzt werden. Die Kamera macht dabei kein Foto, sondern analysiert das Livebild der Karte und prüft so deren Echtheit. Die patentierte 3D-Technik erkennt sowohl das Material der Karte und prüft, ob ein Hologramm angebracht ist. Die CCV-Nummer muss der Kunde aus Sicherheitsgründen per Maus eingeben.

Im Herbst will Mattes Netswipe auch für Smartphones auf den Markt bringen. Eigentlich hätte der österreichische Internetpionier ja gar nicht mehr arbeiten müssen. Ende 2009 verkaufte der gebürtige Linzer seinen 2005 gegründeten Web-Telefoniedienst Jajah für 207 Mio. Dollar an die spanische Telefonica. „Ich hatte dann drei Möglichkeiten“, sagt Mattes. „Entweder ich kaufe mir eine Hängematte, aber das wird auch irgendwann langweilig, ich finanziere andere Start-Ups, bin dort aber immer vom Management abhängig, oder ich baue selbst wieder etwas“.

Die Entscheidung dürfte dem Unternehmer nicht schwer gefallen sein. Diesmal handelt es sich aber offenbar um eine andere Dimension. „Jajah war ein Nischenprodukt. Netswipe ist für den Massenmarkt“, sagt er. Im Visier sind Branchenriesen wie Amazon.

Was die Handelsfirmen von Netswipe haben, erschließt sich erst, wenn man weiß, wie die Abrechnung bei Kreditkartenfirmen funktioniert. Für Transaktionen im Internet zahlt der Händler üblicherweise 3,5 Prozent Gebühr, ist die Karte bei der Transaktion aber physisch vorhanden, ist es nur noch halb so viel. Zudem geht der Bezahlvorgang via Netswipe deutlich schneller über die Bühne und verringert so die Gefahr, dass sich die Kunden gegen den Kauf entscheiden.

Standort der Firma ist Österreich. Zumindest die Entwicklung soll auch in Linz bleiben, sagt der Wahl-Kalifornier Mattes. Für die Finanzierung und Marketing ist er jedoch im Silicon Valley geblieben. Schon in der ersten Finanzierungsrunde, die 6,5 Mio. Dollar eingebracht hat, waren einige große Namen dabei: Darunter Facebook-Mitgründer Eduardo Saverin. Der sparte schon damals nicht mit Lob: „Das letzte Mal, als ich so eine bahnbrechende Idee gesehen habe, war es Facebook“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.07.2011)

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