Metaller drohen mit unbefristeten Kampfmaßnahmen

Sollte es bis Montag keine Fortschritte bei den Verhandlungen geben, will die Gewerkschaft "unbefristete Kampfmaßnahmen" setzen.

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Streik – (c) APA/HERBERT PFARRHOFER (Herbert Pfarrhofer)

Nach dem gestrigen Abbruch der Lohnverhandlungen haben die Metaller heute Donnerstag in zahlreichen Betrieben Kampfmaßnahmen ergriffen. In mehr als 150 Unternehmen von Andritz über MAN und Magna bis zur Voestalpine gab es Warnstreiks oder Betriebsversammlungen. Damit unterstützen bereits rund die Hälfte der 165.000 Beschäftigten der Metallindustrie die Forderungen der Gewerkschaft durch konkrete Aktionen. Morgen Freitag sollen die Warnstreiks weitergehen, am Wochenende ist Pause. Sollte es keine Einigung geben, sind laut Gewerkschaft ab Montag "unbefristetete Kampfmaßnahmen" möglich.

5,5 Prozent mehr Lohn

Die Metaller wollen 5,5 Prozent mehr Lohn, das Angebot der Unternehmer lag zuletzt bei 3,65 Prozent plus 200 Euro Einmalzahlung. Nach Rechnung der Gewerkschaft brächte das inflationsbereinigt nur 40 Euro netto.

"Wenn es am Wochenende zu keiner Weiterentwicklung kommt, machen wir am Montag ernst", kündigte der Chef der Industriegewerkschaft Pro-Ge, Rainer Wimmer, Donnerstagnachmittag an. Man sei jederzeit gesprächsbereit und hoffe auf ein Einlenken der Arbeitgeber. Er habe nicht mit so gutem Feedback gerechnet, sagte der Gewerkschafter. "Es gibt mehr Zuspruch als erwartet."

Wiener Opel-Arbeiter streiken

Auch die Opel-Fabrik in Wien-Aspern wurde am Donnerstag Ziel von gewerkschaftlichen Aktionen. In zwei Schichten sind im Motoren- und Getriebewerk Betriebsversammlungen und einstündige Warnstreiks abgehalten worden, am morgigen Freitag soll länger gestreikt werden. Wolfgang Katzian und Karl Proyer von der Privatangestelltengewerkschaft GPA-djp nahmen am Nachmittag an einer solchen Protestaktion teil. Die GPA-djp vertritt die Angestellten, die Industriegewerkschaft (Pro-Ge) die Arbeiter der metallverarbeitenden Betriebe.

Warnstreiks in "ausgewählten Betrieben"

Das Angebot der Arbeitgeber sei nicht akzeptabel, "weil es weit unter den Ergebnissen liegt, die die Unternehmen im vergangenen Jahr gemacht haben", erklärte Katzian vor den Beschäftigten bei Opel Aspern. Die Arbeitnehmer hätten "in Zeiten einer extrem hohen Inflationsrate eine adäquate Abgeltung verdient". Laut Proyer hat an der Opel-Betriebsversammlung zu Beginn der Nachmittagsschicht "praktisch jeder mit Ausnahme der Geschäftsführung teilgenommen". Die Beschlüsse zur Fortsetzung des Streiks am Freitag seien einstimmig gefällt worden, sagte der GPA-Funktionär nach der Versammlung.

Für morgen sind weitere Warnstreiks geplant. In einigen "ausgewählten Betrieben" werden diese aber in befristete Streiks bis Ende der Schicht übergehen, kündigt die Gewerkschaft an. Wo genau gestreikt wird, ist derzeit noch geheim.

Wirtschaftstandort Österreich in Gefahr

Die Arbeitgebervertreter hielten sich am Donnerstag mit Wortmeldungen eher zurück. Einige riefen am Donnerstag zu Mäßigung auf und warnten vor ungewollten Folgen der Aktionen. "Wenn man nach dem zweiten Verhandlungstag bereits zu Mitteln des Arbeitskampfes greift, setzt man den österreichischen Weg der Sozialpartnerschaft bewusst aufs Spiel", erklärte Wirtschaftskammer-Vizepräsident Fritz Amann (RfW). 'Ein Lohnabschluss "ohne Augenmaß" würde die metallverarbeitende Wirtschaft "unter enormen Druck bringen" und "durch die Vorbildfunktion des Metallerabschlusses für alle Branchen die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftstandortes Österreich gefährden", sagte der Kärntner Wirtschaftskammerpräsident Franz Pacher.

 

(APA)

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