Lkw-Streik: Fiat muss 3900 Arbeiter heimschicken

Die Frächter legen Italien den vierten Tag in Folge lahm. Auch österreichische Lkw-Fahrer sind vom Streik betroffen. Knappheit droht in der Versorgung, Produktionen müssen gestoppt werden.

LkwStreik Fiat muss 3900
LkwStreik Fiat muss 3900
(c) REUTERS (� STRINGER Italy / Reuters)

Straßenblockaden, Demonstrationen und Verkehrsbehinderungen: Italiens Lastwagenfahrer setzten am Donnerstag den vierten Tag in Folge ihren Protest fort, der im Land für erhebliche Probleme bei der Lieferung von Lebensmitteln und Treibstoff sorgt. Von Mailand bis Kalabrien blockierten Frächter wichtige Knotenpunkte auf dem Autobahnnetz mit ihren Fahrzeugen. Die Fernfahrer protestieren gegen hohe Benzinpreise, steigende Mautgebühren und Versicherungsprämien. Sie verlangen hierzu Maßnahmen zur Unterstützung des Transportwesens. Die Demonstranten wollen ihren Protest bis Freitag fortsetzen. Der Lkw-Streik in Italien trifft auch österreichische Firmen hart.

Zwei Lkw-Fahrer eines Obst- und Gemüseimporteurs aus Laxenburg wurden in der süditalienischen Stadt Salerno von Lkw-Fahrern angegriffen und verletzt, weil sie sich nicht der Sperre angeschlossen hatten. "Die Situation ist für unsere Leute teilweise lebensgefährlich", berichtete der Obstimporteur, der anonym bleiben wollte, im Gespräch. Laut seinem Bericht hätten weitere österreichische Lebensmittelunternehmen Probleme mit den Lieferungen aus Italien.

Billa Italien: Versorgung sichergestellt

Aufgrund der Blockade italienischer Autobahnen sah sich auch die Supermarktkette Billa Italien zum Teil mit Lieferverspätungen konfrontiert. "Die regelmäßige Versorgung unserer Filialen können wir aber dennoch, mit Hilfe diverser Maßnahmen rund um den Transport der Waren, sicherstellen", sagte Unternehmenssprecherin Corinna Tinkler.

Italiens Premier Mario Monti macht Druck auf die streikenden Fernfahrer für eine Räumung der Straßenblockaden. Der Premier traf am Mittwoch eine Delegation sizilianischer Fernfahrer, die ihm die Gründe ihres Protests darlegten. "Wir haben von Monti Maßnahmen zur Unterstützung des Straßentransports verlangt, unter anderem Steuerentlastungen für Treibstoff", sagte der Präsident der Region Sizilien, Raffaele Lombardo, der die Fernfahrer-Delegation beim Treffen begleitete.

Fiat musste Arbeit einstellen

Bei Fiat musste die Arbeit eingestellt werden, weil der Nachschub an Lieferungen ausgefallen war. Das Fiat-Werk in Cassino kam den zweiten Tag in Folge wegen Problemen bei der Komponentenlieferung zum Erliegen. 3900 Arbeitnehmer mussten zu Hause bleiben. Der Betrieb an den Fährhäfen wurde lahmgelegt. Die demonstrierenden Frächter blockierten den Zugang zum Hafen Genua. "Der Protest ist inakzeptabel. Der Schaden für den Hafen und die Wirtschaft ist enorm. Die Auswirkungen werden noch tagelang spürbar sein", protestierte der Präsident der Hafenbehörde Genuas, Luigi Merlo.

Der Landwirtschaftsverband Coldiretti klagte über Schäden in Millionenhöhe. Wegen Engpässen bei der Zustellung von Lebensmitteln standen die Regale vieler Supermärkte in Italien leer. Auf über 100 Millionen Euro bezifferte Coldiretti die Schäden mit verderblichen Lebensmitteln, die nicht geliefert werden konnten. In Rom wurde ein Rückgang von 80 Prozent bei den Lieferungen von Obst und Gemüse in Geschäften und Supermärkten gemeldet. Einige Tankstellen mussten sperren, weil ihnen der Treibstoff nicht zugestellt werden konnte.

(APA)

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