In Gold gemessen fällt der Ölpreis

Noch hat Öl seine endgültigen Rekorde nicht erreicht, heißt es im neuen Öl-Report der Erste Group. Aber: Vor allem die expansive Geldpolitik treibt den Preis. Die Spannungen mit dem Iran sind nur kurzfristig von Bedeutung.

Expansive Geldpolitik treibt den Ölpreis
Expansive Geldpolitik treibt den Ölpreis
(c) EPA (Wei Leung)

Der Ölpreis wird weiter steigen - zumindest kurz- bis mittelfristig. Zu diesem Schluss kommt der neue Ölreport der Erste Group. "2008 haben wir einen plötzlichen Spike im Ölpreis gesehen - von 80 auf 147 Dollar pro Barrel", sagt Erste-Analyst Ronald Stöferle: "Diesmal schleicht der Ölpreis sich ein bisschen an und steigt nicht so überraschend." Stöferle versucht in seinem Ölreport, die Preisentwicklung des wichtigsten Rohstoffs der Weltwirtschaft aus allen möglichen Blickwinkeln zu betrachten und fördert dabei Erstaunliches zu Tage.

So dürften nicht nur die politischen Spannungen im Nahen Osten, sondern vor allem die lockere Geldpolitik der Zentralbanken am aktuell steigenden Preis schuld sein. Erst kürzlich stieg der Preis für ein Fass Öl der Nordsee-Sorte Brent auf ein Euro-Rekordhoch. "Im Jahresdurchschnitt lag der Ölpreis schon 2011 auf einem Allzeithoch", sagt Stöferle. Allerdings: Langfristig rechnet Stöferle mit einer Entspannung am Ölmarkt.

Dollar verlor 98 Prozent an Kaufkraft

Tatsächlich, so der Report, ist Öl lediglich in den Papierwährungen (Dollar, Euro, Yen, etc.) heute besonders teuer. Vergleicht man Öl zu Gold ergibt sich ein anderes Bild. "Mit einer Unze Gold kann man aktuell 15 Barrel Öl kaufen", so Stöferle. "Das liegt nur geringfügig über dem langfristigen Median von 14. Öl ist in Relation zu Gold also fair bewertet."

Allerdings: Stöferle rechnet damit, dass Gold sich in den nächsten Jahren noch stärker entwickelt als Öl. In Gold gerechnet wird Öl also jetzt schon billiger. Der Preisvergleich zwischen schwarzem und gelbem Gold führt auch den desolaten Zustand der Weltleitwährung Dollar vor Augen. Während der Ölpreis in Gold gemessen seit 1971 stabil blieb, ist er in Dollar gemessen stark angestiegen. Anders gesagt: "Der Dollar verlor gegenüber Öl mehr als 98 Prozent an Kaufkraft."

"Gelddrucken" verantwortlich

Anders als die meisten Analysten führt Stöferle den steigenden Ölpreis in erster Linie auf die beschleunigte Gelderzeugung durch die Zentralbanken zurück - und nicht auf steigende Nachfrage. Alleine die Europäische Zentralbank EZB hat ihre Bilanz inzwischen auf rund drei Billionen Euro aufgebläht in ihrem Versuch, Liquiditätsengpässe bei Staaten und Banken zu vermeiden. Dieses frisch geschaffene Geld sorgt aber für Inflation und steigende Preise.

"Die Geldpolitik ist sicher verantwortlich für das breite Fundament des Ölpreises - mehr noch als die Spannungen zwischen dem Iran und dem Westen", sagt Stöferle. "Wir sehen ein sehr expansives Umfeld. Mehr oder minder Quantitative Easing weltweit." "QE"steht für die Anleihenkaufprogramme der US-Notenbank Fed - also de facto für "Gelddrucken". "Steigt die ausstehende Geldmenge schneller als das Ölmengenangebot an, so wird der Ölpreis vermutlich ansteigen obwohl sich an der Nachfragesituation nichts geändert hat."

Keine Angst vor "Peak Oil"

Katastrophenszenarien wie "Peak Oil" und ein unmittelbar bevorstehendes Ende der Ölvorräte werden eher nicht eintreten, so der Report. Stöferle argumentiert, dass das drohende Ende "billiger" Ölvorkommen zu technologischen Innovationen führt und unkonventionelle Quellen wie Ölsande angezapft werden. "So hat sich in den USA eine dramatische Umkehr vollzogen: Die seit 1970 rückläufige Ölproduktion konnte seit ihrem Tiefpunkt 2008 wieder deutlich gesteigert werden. Der Grund dafür: Ölsande."

Während Stöferle wegen des technischen Fortschritts und alternativer Energien langfristig mit einem schwächeren Ölpreis rechnet, könnte eine Eskalation der Lage im Iran zumindest kurzfristig harsche Konsequenzen haben. "Sollte die Straße von Hormus gesperrt werden, wäre zuerst China betroffen. 40% der chinesischen Ölimporte fließen durch die Meerenge." Ein Preissprung bei Rohöl wäre die Folge. Aber: "Iran ist militärisch gar nicht in der Lage, die Straße von Hormus für einen ausgedehnten Zeitraum zu blockieren." Und viele Länder verfügen über große strategische Ölreserven.

 

 

 

 

(jil)

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