PRO: Warum der Ölpreis auf über 150 Dollar steigt

PROSaudiarabien öffnet den Ölhahn, um den Ölpreis wieder unter 100 Dollar zu drücken. Vier Gründe, warum das nicht gelingen könnte.

Warum oelpreis ueber Dollar
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Warum oelpreis ueber Dollar
(c) AP (Julie Jacobson)

Anfang der Woche ist Saudiarabien auf die Notbremse gestiegen und hat den Ölhahn geöffnet. Der Ölpreis soll damit unter hundert Dollar gedrückt werden. Daran ist auch US-Präsident Obama interessiert, der alles in seiner Macht stehende tun wird, um steigende Ölpreise zu verhindern. Denn der Frust der Amerikaner an der Tankstelle ist angesichts von Benzinpreisen von 4,07 Dollar pro Gallone (3,8 Liter) - das entspricht 0,81 Euro je Liter - im Wahljahr groß.

Dennoch gibt es vier gute Gründe, warum es nicht so einfach sein wird, den Ölpreis zu stabilisieren. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der Ölpreis noch heuer sogar die psychologisch wichtige 150-Dollar-Marke (je Barrel = 159 Liter) überschreiten wird.

  • Embargo gegen Iran

IWF-Chefin Christine Lagarde hat erst am Dienstag davor gewarnt, dass eine Unterbrechung der iranischen Öllieferungen zu einem Anstieg des Rohölpreises um 20 bis 30 Prozen führen könnte. Die IWF-Warnung kommt nicht unbegründet: Hat doch die EU im Jänner beschlossen, dass ein Ölembargo schrittweise bis 1. Juli in Kraft treten soll. Komme es zu einem größeren Engpass bei den iranischen Ölexporten, werde dies die Preise "sicherlich für eine Weile in die Höhe treiben", bis andere Länder die Versorgungslücke geschlossen hätten. Doch damit nicht genug. Der Iran hat - sollte es zu einem Präventivkrieg der USA und Israels kommen - ein weiteres Druckmittel in der Hand: Die Blockade der Straße von Hormus. Durch diese "Aorta des Ölgeschäfts" geht rund ein Fünftel des weltweiten Ölexports. Im Schnitt befahren 14 Öltanker pro Tag die Wasserstraße. Im Fall einer Sperre könnte der Ölpreis auf 150 bis 200 Dollar steigen, sind Experten überzeugt.

  • Geldmengenausweitung treibt Ölpreis

Aus Sicht der Österreichischen Schule der Nationalökonomie ist nicht nur die steigende Nachfrage nach Öl und anderen Rohstoffen ein ausschlaggebender Faktor für steigende Preise. Sie sehen, wie auch Erste-Bank-Ölexperte Ronald Stöferle in seinem "Ölreport 2012" schreibt, die laufende Geldmengenausweitung als wesentlichen Faktor für steigende Preise. Klaus Bergmann, Geschäftsführer des auf Heizöl spezialisierten Internetportals esyoil, schreibt dazu in einem Kommentar: "Ein auf eine Nachfrage bezogenes zu geringes Angebot oder eine auf ein Angebot bezogene zu hohe Nachfrage führen zu Preissteigerung. Gleiches geschieht, wenn die Geldmenge stärker ausgeweitet wird, als die Wirtschaft wächst. Beides zusammen verursacht die zu beobachtende Ölpreissteigerung." Die Geldmengenausweitung finde real statt. "Es gab sie vor dem Ausbruch der Finanzkrise bedingt durch übertriebenen Liberalismus im Umgang mit der monetären Geldtheorie. Es gibt sie seit dem Ausbruch der Finanzkrise durch die exzessive politische Praxis monetärer Staatshilfen", argumentiert Bergmann.

  • Spekulanten tragen ihren Teil bei

Der Einfluss von Spekulanten auf den Ölpreis ist umstritten. Das veranlasste etwa den Blog des deutschen "Liberalen Instituts" zu der polemischen Frage: "Ist das Thermometer schuld am schlechten Wetter?". Doch die meisten Ökonomen sind sich darüber einig, dass Spekulanten die Ausschläge des Preises verstärken. In einem Umfeld also, indem mit einem steigenden Ölpreis gerechnet wird, können Spekulanten ihren Teil dazu beitragen, diese Annahme Realität werden zu lassen. Der erste COT-Report (Commitments of Traders) des Jahres  zeigte, dass Spekulanten bei Rohöl der US-Sorte WTI bereits auf steigende Preise wetten. Und auch das "Handelsblatt" berichtete im Februar davon, dass Hedge-Fonds die aktuellen geopolitischen Spannungen zum Anlass nehmen, um auf steigende Ölpreise zu wetten. Diese hätten die Ölpreis-Rally zwar nicht ausgelöst, sie seien aber schnell auf den Trend aufgesprungen.

  • Der Öldurst hält an

Die Zeit des billigen Öls ist wohl für immer vorbei. Die Schere zwischen Ölverbrauch und verbleibenden Reserven geht immer weiter auf. Der Öldurst vor allem in den asiatischen Volkswirtschaften steigt weiter an. Jedes Prozent Wirtschaftswachstum in Asien steigert die Nachfrage nach Öl. Auch wenn China seine Erwartungen bezüglich des Wirtschaftswachstums auf 7,5 Prozent reduziert hat: China ist mit seinem steigenden Öldurst für den hohen Ölpreis mitverantwortlich. Auch die zuletzt wieder positiven Konjunkturnachrichten aus Europa und den USA - auch der IWF sieht eine Erholung der Weltwirtschaft - weisen auf einen Preistrend nach oben hin.

>>CONTRA: Warum der Ölpreis bei 100 Dollar bleibt

"PRO und CONTRA"

Die Serie "PRO und CONTRA" ist eine Sammlung von Für- und Wider-Argumenten zu einem aktuellen Thema, die nicht die Meinung der Autoren widerspiegelt.

(phu)

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