CONTRA: Warum der Ölpreis bei 100 Dollar bleibt

CONTRADie Iran-Krise schürt Ängste vor einem explodierenden Ölpreis. Vier Argumente dafür, dass die Preise stabil bleiben.

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(c) EPA (Joshua Gates Weissberg)

Die Weltwirtschaft sorgt sich, dass der Ölpreis auf neue Rekordwerte vorstößt. Vor allem die Irankrise mit dem Öl-Exportstopp lässt bei Politik und Wirtschaft die Alarmglocken läuten. Dabei sind Panik und Spekulation neben der lockeren Geldpolitik der Zentralbanken verantwortlich für die aktuell gestiegenen  Preise. Es gibt die Erwartung, dass vielleicht eine Verknappung bevorstehen könnte, die jedoch nicht auf das tatsächliche Verhältnis von Angebot und Nachfrage eingeht.

Vier Argumente sprechen dafür, dass mittel- und langfristig die Ölpreise stabil bei rund 100 Dollar je Barrel (159 Liter) bleiben werden:

  • Produktionsausweitung der Saudis

Der saudi-arabische Ölminister hat angekündigt, dass sein Land mit einer Ausweitung seiner Fördermenge den Höhenflug der Ölpreise nicht nur stoppen will, sondern eine Trendwende einleiten möchte. Die Exporte in die USA sollen ausgeweitet werden, dazu sollen auch zuletzt stillgelegte Ölfelder für Förderung reaktiviert werden. Ziel sei demnach, die Preise wieder auf „ein faires Niveau“ zurückzuführen. Derzeit fördert der weltgrößte Lieferant täglich 9,9 Millionen Barrel Rohöl. Und Minister Al-Naimi stellte eine weitere Anhebung auf 12,5 Millionen Barrel in Aussicht, sollte an den Ölmärkten ein Engpass auftreten. Als Zielmarke gaben die Saudis einen Ölpreis bei etwa 100 US-Dollar an. Denn es liegt nicht in ihrem Interesse, die Weltwirtschaft mit hohen Ölpreisen abzuwürgen. Ein Ölpreis von mehr als 124 US-Dollar pro Fass könnte zu "negativen Effekten für die Weltwirtschaft" führen, heißt es in Riad. Dazu gehört auch die saudische Wirtschaft: Denn wenn das Rohöl zu teuer ist, sinkt zum Leidwesen der Ölexporteure die Nachfrage.

  • Spekulanten nützen Irankrise

Genau so schnell wie der Preis für das schwarze Gold derzeit wegen der Unsicherheiten im Iran-Umfeld steigt, wird der Ölpreis bald wieder nach unten gehen. Soll heißen, die Spekulanten sind am Werk. Der Iran hat mit viel Getöse angekündigt, dass er künftig kein Öl mehr nach Frankreich und Großbritannien exportieren werde. Wahr ist vielmehr, dass der Iran bereits 2011 kein Öl mehr an die Briten geliefert hat und auch den Franzosen weniger als zwei Prozent seiner Tagesproduktion verkauft. Auch die Folgen einer iranischen Blockade der Straße von Hormus sollten realistischer betrachtet werden.  Unabhängig davon, ob die Iranis überhaupt über die militärische Kapazität verfügen die Meerenge zu blockieren, würde sich der Iran mit einer Blockade selbst im Wege stehen. Denn Irans eigener Energiebedarf wäre aufgrund fehlender Raffineriekapazitäten stark betroffen.

  • Technologische Innovationen

Katastrophenszenarien wie "Peak Oil" und ein unmittelbar bevorstehendes Ende der Ölvorräte werden eher noch nicht eintreten, so steht es  im Ölreport der Erste Group. Der Ölexperte der Bank, Ronald Stöferle, argumentiert, dass das drohende Ende "billiger" Ölvorkommen zu technologischen Innovationen führt und unkonventionelle Quellen wie Ölsande angezapft werden. "So hat sich in den USA eine dramatische Umkehr vollzogen: Die seit 1970 rückläufige Ölproduktion konnte seit ihrem Tiefpunkt 2008 wieder deutlich gesteigert werden. Der Grund dafür: Ölsande."  Dadurch konnten sich die USA in den vergangenen Jahren durch große Schieferölfunde zunehmend von Ölimporten abkoppeln. Stöferle rechnet wegen des technischen Fortschritts und alternativer Energien langfristig mit einem schwächeren Ölpreis.

  • Präsidenten-Wahlen in den USA  

US-Präsident Barack Obama befindet sich bereits mitten im Wahlkampf für die nächste Präsidentschaft. Der Kandidat der Demokraten wird alles daransetzen, gegen die gestiegenen Treibstoffpreise anzukämpfen. Denn billiger Treibstoff genießt in den USA fast den Status eines Menschenrechtes. Ein Spritpreis von umgerechnet mehr als 80 Eurocent treibt vielen Amerikanern bei jedem Tankstopp die Schweißperlen auf die Stirn und schafft für einen Präsidenten im Vorwahlkampf ein ernstes Problem.  Die im Raum stehende Förderausweitung der Saudis ist Teil einer Reihe an konzertierten Versuchen, den Ölpreis zu dämpfen. Erst vor wenigen Tagen sollen Obama und sein britischer Kollege David Cameron darüber beraten haben, ob sie die Ölreserven der Länder anzapfen sollen. Eine Freigabe der Reserven könne den Ölpreis um "10 bis 15 Prozent drücken.", sagt Erste-Rohstoffexperte Ronald Stöferle.

>>PRO: Warum der Ölpreis auf über 150 Dollar steigt

"PRO und CONTRA"

Die Serie "PRO und CONTRA" ist eine Sammlung von Für- und Wider-Argumenten zu einem aktuellen Thema, die nicht die Meinung der Autoren widerspiegelt.

(herbas)

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