JPMorgan: Das große Zittern beginnt erst

Nach Bekanntwerden der milliardenschweren Fehlspekulationen laufen die Finanzwetten weiter. Die bange Frage lautet: Wie schlimm wird es noch?

JPMorgan schlimm wird noch
JPMorgan schlimm wird noch
(c) AP (Mark Lennihan)

Die US-Bank JPMorgan hat sich kräftig verspekuliert und zwei Milliarden Dollar in den Sand gesetzt. Die Fragen, die nun Experten und Anleger beschäftigen, lauten: War das alles? Wie schlimm wird es noch? Glaubt man dem renommierten Finanzblog "Zerohedge" könnte sich der Verlust um weitere drei Milliarden Dollar ausweiten. Und Walter Todd, Chief Investment Officer von Greenwood Capital, fragt laut "Financial Times Deutschland": "Wenn JP Morgan solche Probleme hat - wer hat sie noch?"

"Es kann noch schlimmer werden", hat bereits JPMorgan-Bankchef Jamie Dimon nach Bekanntwerden der Fehl-Spekulationen eingeräumt. Denn die Finanzwetten laufen weiter, da die Bank nicht überhastet aus den Geschäften aussteigen und damit noch größere Verluste riskieren will.

JPMorgan hat große Probleme

Das "Chief Investment Office" (CIO) der Bank hat offenbar große Mengen an Kreditversicherungen (CDS) gekauft und sie dann auf Indexbasis gebündelt weiterverkauft. JPMorgan hat dabei konkret auf die Wertentwicklung von Unternehmensanleihen gewettet und sich zur Zahlung einer Versicherungsleistung im Ausfallsfall der Anleihen verpflichtet. "Zerohedge" zufolge wurde wesentlich mehr Geld zum Absichern in den Markt gepumpt als notwendig gewesen wäre - wie die Differenz zwischen Marktwert und Nennwert zeigt: Der Kredit-Index IG9 etwa liegt rund 20 Basispunkte über seinem eigentlichen Referenzwert S&P 500. Das allein würde einen Verlust von mindestens drei Millliarden Dollar - bewertet zum Marktwert - ausmachen.

Damit aber nicht genug. Die Situation sei viel schlimmer. Denn erstens würde jeder Versuch, solch große Positionen abzubauen zu einer klaffenden Lücke im Markt und zu einem illiquiden Angebot-Nachfrage-Verhältnis führen. Zweitens würde nun die ganze Finanzwelt die Positionen der Bank kennen. JP Morgan ist demnach gezwungen, diese über-abgesicherten und zu lang gehaltenen Positionen abzusichern. Kreditinstrumente, die die Bank nun einsetzen muss, würden sich folglich bei den Händlern anderer Banken ab sofort großer Beliebtheit erfreuen, weil sie ganz klar auf einen absehbaren Trend in diesem Index setzen können. Das könnte wiederum zu einer anderen Blase führen, deren Auswirkung nicht absehbar seien.

Und auch "Spiegel Online" berichtet davon, dass einige Positionen so groß sind, dass sie sich nicht auflösen lassen, ohne dass neue Verluste und Verwerfungen an den Finanzmärkten drohen.

Wie sieht es bei den anderen Banken aus?

Der aktuelle Fall JPMorgan könnte aber auch einen Systemfehler offenbaren: "Der ernorme Verlust von JP Morgan ist nur der letzte Beweis, dass das, was Banken als Absicherung bezeichnen, nur riskante Wetten sind", sagt etwa US-Senator Carl Levin.

Und auch der US-Börsenexperte Dennis Gartman, Inhaber des renommierten Börsenbriefs "The Gartman Letter", meint in einem Interview des US-Fernsehsenders CNBC: "Das ist ganz klar nicht die Tat eines einzelnen Schurken wie bei der SocGen." Er rechnet mit weiteren dunklen Wolken über der Geldindustrie. "Auf schlechte Nachrichten folgen gewöhnlich noch mehr schlechte Nachrichten", sagt Gartman.

(phu)

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