Casinos Austria: Das Unglück der Tschechen

Kolumne Beim Kauf von Anteilen an den Casinos Austria kommt das tschechische Konsortium nicht zum Zug. Der Versuch einer gütlichen Einigung scheiterte, die Zeichen stehen auf Krieg.

Logo an der Zentrale der Casinos Austria
Logo an der Zentrale der Casinos Austria
Logo an der Zentrale der Casinos Austria – REUTERS

Die Vorgespräche laufen bereits in aller Diskretion. Das Konsortium der tschechischen Milliardäre Jiří ?mejc und Karel Komárek ist schon bei der Bundeswettbewerbsbehörde vorstellig geworden. Es geht darum, einen formellen Antrag vorzubereiten. Einen Antrag für die kartellrechtliche Genehmigung, eine Mehrheit an den Casinos Austria zu erwerben.

Ein Fall von grenzenlosem Optimismus? Scheint irgendwie so. Denn die Tschechen sind in Wahrheit in einer höchst misslichen Lage: Einerseits wollen sie die Mehrheit am österreichischen Glücksspielkonzern. Andererseits haben sie einen umtriebigen Nebenbuhler – den Novomatic-Konzern. Und dieser hat, Teufel auch, die besseren Karten in der Hand.

Dabei haben die Tschechen echt nichts unversucht lassen: Zuerst haben sie ein Angebot für einen Minianteil gelegt, den die Stiftung des mittlerweile verstorbenen Ex-Casinos-Chefs Leo Wallner hält. Dann haben sie im September die Came Holding GmbH gekauft. Eine Tochtergesellschaft der Donau Versicherung, die durchgerechnet 11,35 Prozent an den Casinos Austria hält.
Das ist natürlich noch lang nicht die Welt, aber zumindest ein erster Schritt. Dachten die Tschechen. Ihr Kalkül: Mit dem Erwerb gehören sie zum illustren Kreis der Casinos-Anteilseigner. Mit allen Rechten. Ein Syndikatsvertrag der Anteilseigner besagt nämlich: Will einer verkaufen, dann haben die anderen ein Vorkaufsrecht.

Klingt gut, hat aber so seine Tücken. Die Wahrheit ist die: Die Casinos-Anteile der Wallner-Stiftung haben sie nicht bekommen. Da hat ein anderer Casinos-Aktionär – die MTB-Stiftung – sein Vorkaufsrecht genützt. Macht nichts, dafür haben die Tschechen ja die Came Holding fix in der Tasche. Doch auch da laufen die Dinge nicht wie erwünscht: Der schöne Plan der Tschechen, via Came Holding ein Vorkaufsrecht für weitere Casinos-Anteile zu bekommen, funktioniert nicht so recht.

Die Aktionäre der Casinos Austria haben sich in der außerordentlichen Hauptversammlung am 5. Oktober dagegen ausgesprochen, dass die Tschechen die zum Verkauf stehenden Anteile der MTB-Stiftung übernehmen – 16,8 Prozent wären das. Mehr noch: Die Aktionäre haben festgelegt, dass den Tschechen mit ihrer Came Holding grundsätzlich kein Vorkaufsrecht zusteht.

Schön ärgerlich. Aber die Tschechen bleiben dran: In den vergangenen Wochen haben sie wiederholt mit einer Klage wegen Diskriminierung gedroht. Ob es tatsächlich dazu kommen wird? Die Zeichen stehen jedenfalls auf Krieg: Vor wenigen Tagen haben die Tschechen den anderen Anteilseignern das Angebot unterbreitet, sich einem Schiedsverfahren zu unterziehen. Wohl um einen langwierigen Prozess, der letztlich auch den Casinos Austria schaden könnte, zu vermeiden.

Doch die Anteilseigner sind nicht geneigt, auf das Angebot einzugehen. Leonhard Romig, Vorstand der MTB-Stiftung, lehnt so ein Schiedsverfahren im Gespräch mit der „Presse“ rundweg ab. Für ihn ist „die Geschichte gegessen“. Heißt: Die Anteile der MTB-Stiftung gehen an Novomatic. Dass die Tschechen dagegen rechtlich vorgehen werden, glaubt er nicht: „Ich sehe da juristisch keine Chance. Die Tschechen sollten lieber jenes Unternehmen rechtlich belangen, das ihnen die Came Holding verkauft hat.“ Also die Donau Versicherung. Diese habe nämlich seinerzeit versichert, dass ihr Casinos-Anteil im Konzern bleibe. Mit dem Verkauf der Came Holding sei sie rechtsbrüchig geworden – und damit das Vorkaufsrecht verwirkt.

Man sieht also: Die Sache ist reichlich vertrackt. Die MTB-Stiftung von Maria Theresia Bablik wollte einfach nicht an die Tschechen verkaufen – und machte daraus auch kein Hehl. Man wisse ja nicht, wer tatsächlich hinter den Tschechen stehe, heißt es stets. Diese waren in der Folge auch sehr bemüht, Österreicher ins Boot zu holen. Nachdem der österreichische Investor Peter Goldscheider das Konsortium verließ, weil ihm das ganze Unterfangen zu riskant erschien, wurden Gespräche mit den Familien Dichand und Soravia in Angriff genommen. Doch fix ist da lange noch nichts.

Das scheint aber mittlerweile eh egal zu sein, weil den Tschechen das Vorkaufsrecht für andere Anteile nicht zugestanden wird.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.12.2015)

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