Oetker-Fehde: Kein Ende in Sicht

Großfamilie. Rudolf-August Oetkers Wunsch gerecht zu sein, erwies sich als kapitaler Fehler. Seit seinem Tod streiten seine acht Kinder. Ein Schiedsgericht versucht die Konflikte zu schlichten.

(c) EPA

Wien. Der Oetker-Clan kann sich mit Fug und Recht eine Patchwork-Familie nennen. Der Enkel des Unternehmensgründers Rudolf-August Oetker war gleich dreimal verheiratet. Diesen drei Ehen entstammen acht Kinder, und seit dem Tod des Vaters 2007 liegen sie sich gehörig in den Haaren. Eines ist dem Patriarchen nämlich definitiv nicht gelungen: Seine Nachfolge gut zu regeln. Zugegeben - keine leichte Aufgabe. Denn Oetker wird zwar von den meisten vor allem mit Pudding, Backpulver und Müsli assoziiert, tatsächlich umfasst das Konzern-Portfolio weit mehr als nur Lebensmittel. Ein Drittel des Umsatzes kommt aus der Lebensmittelproduktion, weitere 23 Prozent werden mit Getränken (Radeberger, Henkel, Selters) verdient. Die Hälfte des Umsatzes wird im Schiffahrtssektor lukriert. So gehört etwa die Container-Reederei Hamburg Süd zum Besitz der Familie. Insgesamt besteht der Konzern aus 400 Unternehmen und beschäftigt insgesamt 26 000 Mitarbeiter und erzielte Umsatz von elf Milliarden Euro.

Rudolf-August Oetker kann man auch schwerlich den Vorwurf machen, er hätte nicht versucht, sein Erbe gerecht zu verteilen. Jedem Kind übertrug er nämlich noch zu Lebzeiten exakt 12,5 Prozent der Firmenanteile. Gerade sein Bemühen um Ausgeglichenheit erwies sich jedoch als kapitaler Fehler. Statt einem seiner Nachkommen die Mehrheit zu übertragen, der somit den Ton angeben kann, haben nun gleich alle acht Geschwister mitzureden. Die Folge - jede unternehmerische Entscheidung wird zum Zankapfel.

Minderheit blockiert Mehrheit

Zur Eskalation kam es schon kurz nach dem Tod des Vaters, ausgelöst durch das Ansinnen von August Oetker, einem Sohn aus zweiter Ehe, dem Konzern über sein 65. Lebensjahr hinaus vorzustehen. „Sicher nicht!" lautete die dezidierte Antwort der jüngeren Halbgeschwister. Alfred - er entstammt der dritten Ehe - wollte endlich ans Ruder. Dieser Vorschlag widersprach den fünf älteren Oetker-Kindern zutiefst. Sie wählten Richard Oetker zum neuen Konzernchef, der allerdings seit seiner Entführung 1976 gesundheitlich stark angeschlagen ist. Seitdem ist die Familienfehde vollends entbrannt.

Wer wird dem 63-jährigen in zwei Jahren nachfolgen, ist die Frage, um die sich nun alles dreht. Ein Einigung durch eine simple Abstimmung zu erzielen, erwies sich als aussichtsloses Unterfangen. Für alle wichtigen Beschlüsse ist nämlich eine Mehrheit von 75 Prozent erforderlich. Dieses Konsensquorum kann aber aufgrund der herrschenden Animositäten nicht erreicht werden. Denn die fünf älteren Oetker-Kinder, die eine Front bilden, kommen gemeinsam nur auf eine Quote von 62,5 Prozent. Einigen konnten sich die Familienstämme aber wenigstens darauf, ihre Konflikte vor einem Schiedsgericht auszutragen.

Schiedsgericht soll schlichten

Das tagt mittlerweile auch schon seit gut drei Jahren unter größter Geheimhaltung, wie das „Manager Magazin" kürzlich berichtete. Der Dreiersenat ist höchst senior besetzt: Neben den emeritierten Universitätsprofessoren Peter Hommelhoff (71) und Klaus Hopt (73) hat der ehemalige Präsident des Bundesgerichtshofs, Karlmann Geiß (78), den Vorsitz inne. Die Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller vertritt die Interessen der fünf Kinder aus den beiden ersten Ehen. Für die Interessen der drei aus Rudolf-August Oetkers letzter Ehe kämpft die Stuttgarter Kanzlei Haver & Mailänder.

Für die beteiligte Juristen hat sich die Causa wohl schon als mühsames, aber dafür wirtschaftlich einträgliches Unterfangen erwiesen. Auch nach diesen Jahren ist ein Ende der Querelen nicht absehbar. Doch kleine Fortschritte sind zu verbuchen: der Beirat, der von seiner Funktion her etwa einem Aufsichtsrat gleichkommt und neben der Gesellschafterversammlung das wichtigste Gremium ist, wurde neu besetzt. Bestand er früher nur aus fünf Mitgliedern, sind es nun sieben. Jeder Familienlinie entsendet ein Mitglied, die restlichen vier sind Manager, die in keinem Verwandtschaftsverhältnis zu der Sippe stehen.

Die sieben Mitglieder des Beirats sind es auch, die Ende 2015 neben bestimmen müssen, wer Richard beerben wird. Nach wir vor will Alfred Oetker die operative Führung übernehmen. Beiratchef August Oekter plädiert dem Vernehmen nach für einen externen Kandidaten und vertritt damit die Linie der älteren Geschwister. Vor Augen hat er Albert Christmann, der seit Beginn des Jahres das Finanzressort in der Gruppe übernommen hat. Auf Widerstand kann er sich gefasst machen. Die drei Schiedsrichter und die Rechtsanwälte der Familie werden auch 2014 mit den Oetkers gut zu tun haben.

 

(Die Presse. Printausgabe vom 6.2.2014)

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