Verletzung im Hotelzimmer: Reiseveranstalter muss zahlen

Die gläserne Duschtüre im Hotel zerbrach und brachte einen Urlaubsgast und seinen Begleiter um ihr Urlaubsvergnügen. Laut Gericht haben beide Anspruch auf Preisminderung und Schadenersatz.

Hotel, Schwimmbad / Hotel, swimming pool
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Der Begleiter hätte die Anlagen zeitweise nützen können, fand das Gericht. – www.BilderBox.com

Es war die Art von Urlaub, wie ihn sich niemand wünscht: Zwei Freunde hatten einen Badeurlaub in Ägypten gebucht, bereits am Tag nach der Ankunft war es mit dem Badespaß aber vorbei. Die gläserne Tür der Dusche im Hotelzimmer eines der beiden Urlauber zerbrach, der Feriengast verletzte sich, musste medizinisch versorgt werden. Und erhielt vom Arzt den Bescheid, dass er Sonne und Wasser in den nächsten Wochen meiden müsse. Das war es dann mit Badevergnügen - sowohl für ihn selbst als auch für seinen Freund, der mit ihm im Hotel ausharrte.

Für beide Personen hatte die Pauschalreise insgesamt rund 2100 Euro gekostet. Einen Teil dieses Geldes forderte der VKI im Rahmen eines Musterprozesses vom Reiseveranstalter TUI Österreich zurück und klagte zudem auf Schadenersatz. Das Bezirksgericht für Handelssachen Wien gab ihm Recht: Zwar trifft den Reiseveranstalter selbst keine Schuld, er muss sich aber das Verschulden seiner Erfüllungsgehilfen, zu denen auch das Hotel zählt, zurechnen lassen. Und, so das Gericht: Eine Ersatzpflicht für entgangene Urlaubsfreuden entsteht schon bei leichter Fahrlässigkeit.

Kein Sicherheitscheck für die Duschtüren

Dass ein Fehlverhalten des Reisenden zum Bruch der Duschtüre und seinen Verletzungen geführt hätte, konnte der Reiseveranstalter nicht beweisen. Und ebensowenig, dass die Duschtüre aus gehärtetem Sicherheitsglas bestanden hätte. Noch dazu seien die  Duschtüren auch nicht Gegenstand der jährlichen Sicherheitsüberprüfungen des Hotels gewesen. Das könne man aber sehr wohl verlangen, heißt es sinngemäß in dem Urteil - damit werde die "Verkehrssicherungspflicht" des Veranstalters bzw. seiner Efüllungsgehilfen nicht überspannt.

Das Gericht sprach deshalb beiden Urlaubsgästen Preisminderung und Schadenersatz für die entgangenen Urlaubsfreuden, dem verletzten Urlauber auch Schmerzengeld zu - insgesamt etwas über 2000 Euro. Dem Begleiter des verletzten Gastes gestand es freilich nur eine geringere Beeinträchtigung seines Urlaubsvergnügens und eine Preisminderung von 30 Prozent zu. Er hätte nicht nur bei seinem verletzten Freund im Hotel sitzen müssen, sondern zumindest zeitweise die Hotelanagen nützen können, fand das Gericht. Das Urteil ist rechtskräftig.

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