Zahlungsmoral: Jeder Fünfte zahlt spät

Die öffentliche Hand lässt Rechnungen am längsten liegen, zeigt die neueste KSV-Untersuchung.

Ricardo Vybrial, KSV.
Ricardo Vybrial, KSV.
Ricardo Vybrial, KSV. – (c) Stanislav Jenis

Wien. Die Wirtschaft läuft so gut wie lange nicht, die Firmen haben volle Auftragsbücher, und es herrscht nahezu Vollbeschäftigung. Eigentlich gibt es keinen Grund, eine Rechnung nicht zu bezahlen. Und doch zahlt jeder Fünfte in Österreich (quer durch alle Gruppen) seine Rechnungen zu spät oder gar nicht, wie aus dem neuen Austrian Business Check des Kreditschutzverbandes von 1870 (KSV) hervorgeht. Die Zahlungsmoral hat sich trotz guter Konjunktur nicht verbessert.

Jährlich werden 1,9 Millionen Rechnungen über 1,35 Mrd. Euro selbst nach Mahnungen nicht bezahlt. 60 Prozent der Unternehmen müssen bei rund fünf Prozent ihrer Forderungen Inkassoinstitute einschalten. Wobei Mahnspesen und Verzugszinsen nicht mehr ihre Wirkung zeigen. Die meisten Firmen sind schon froh, wenn sie einen Teil des Geldes bekommen. Wie eine am Montag präsentierte Untersuchung der Wirtschaftsauskunftei CRIF zeigt, klopfte im Vorjahr bei 3,75 Prozent aller Firmen ein Inkassobüro an.

Am längsten lässt sich – so wie in den vergangenen Jahren – die öffentliche Hand Zeit. Bund, Länder und Gemeinden überweisen Geld im Schnitt nach 34 Tagen, wobei Bund und Länder mit 37 Tagen noch säumiger als Gemeinden (30 Tage) sind. „Sie brechen damit sogar ihr selbst gestecktes Zahlungsziel und sind ein schlechtes Vorbild“, sagte KSV-Chef Ricardo-José Vybiral am Mittwoch.

 

Bund nützt Machtposition

Lange interne Wege und eine ineffiziente Verwaltung seien eine Erklärung, aber keine Entschuldigung, meinte der Leiter des KSV-Forderungsmanagements, Walter Koch. Die Hälfte der Befragten glaubt, dass die öffentliche Hand ihre Machtposition ausnütze.

Dagegen nimmt sich die Zahlungsmoral bei Unternehmen (29 Tage) und Privaten (17 Tage) direkt gut aus. 23 Prozent der Firmen halten sich allerdings nicht an vereinbarte Fristen. Am säumigsten ist die Textilwirtschaft. Und große Unternehmen lassen sich mehr Zeit. Koch glaubt, dass wie bei der öffentlichen Hand Ineffizienz eine Rolle spielt. Anders ist das bei den Privaten: In 63 Prozent der Fälle vergessen sie die Rechnung. (eid)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2018)

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