Lugner: „Ich bin ja nicht der Silvio Berlusconi“

Der legendäre Bauunternehmer Richard Lugner spricht über sein Geld, seine Schulden, die Pleite seiner Baufirma und seinen gut bezahlten Nebenjob als (Selbst-)Darsteller im Fernsehen.

Richard Lugner
Richard Lugner
Richard Lugner – Clemens Fabry

Die Presse: Wir würden mit Ihnen gern über Geld reden. Sie haben ja jüngst Ihr Vermögen offengelegt, um unter die Top 100 der reichsten Österreicher zu kommen.

Richard Lugner: Ich gehöre nicht zu den hundert reichsten Österreichern. Es gibt viele, die auf der Liste fehlen, aber hineingehören würden. Seit das durch die Medien ging, werde ich dauernd darum gebeten, anderen Leuten zu helfen.

Bereuen Sie, dass Sie so offen waren?

Es stimmt ja vieles gar nicht. Ich habe zum Beispiel keine Villa um 14,5 Millionen Euro. Ich bin ja nicht der Silvio Berlusconi.

Aber die kolportierten 135 Millionen Euro Vermögen stimmen schon, oder?

Ich will mich nicht zu sehr im Detail auslassen. Es gibt Vermögen und Schulden, und es ist die Frage, was bei der Differenz rauskommt.

Wie viele Schulden haben Sie?

Viele.

Sie persönlich oder die Firma?

Die Lugner-Stiftung hat 65 Mio. Euro Schulden.

Ist das eine Belastung für Sie?

Man kann kein Unternehmen aufbauen, ohne Schulden zu machen.

Sie haben auch persönlich nicht immer nur gute Zeiten durchlebt. Ihnen wurde einmal die Privatinsolvenz angetragen.

Es wird immer viel versucht, aber ich bin nie insolvent geworden. Ich habe ein erfolgreiches Unternehmerleben hinter mir. Mir geht es nicht schlecht.

Welche Rolle hat denn Geld in Ihrer Kindheit gespielt?

Mein Vater war Rechtsanwalt, ist aber im Krieg gefallen. Nachher haben wir wenig bis nichts gehabt. Meine Mutter hat eine Kriegswitwenrente bekommen, und das war's. Dass wir nicht im Überfluss gelebt haben, hat mich schon geprägt. Meine Mutter hat mir damals einmal in der Woche Bücher von erfolgreichen Unternehmern – Werner von Siemens, Krupp, Edison, Rockefeller – ausgeborgt. Die habe ich gelesen. Da ist vielleicht auch etwas hängen geblieben.

War Geld ein Antrieb für Sie?

Schauen Sie, mir hat der Vater gefehlt. Ich habe ihn das letzte Mal gesehen, als ich zehn Jahre alt war. Dann habe ich in meinen Vorgesetzten immer eine Vaterfigur gesehen und mich an ihnen orientiert. Häufig haben mir auch Chefs anderer Firmen imponiert. Mit meiner Baufirma habe ich später für ein Drittel der hundert reichsten und bekanntesten Österreicher gearbeitet. Geld hat mich in meinem ganzen Leben nie interessiert. Es hat immer nur der Erfolg gezählt. Denn wenn man Erfolg hat, dann kommt das Geld von selbst.

Woran messen Sie Erfolg dann?

Daran, ob ich einen Auftrag bekommen habe.

Bevor Sie Ihre Baufirma gegründet haben, haben Sie beim Ölkonzern Mobil gearbeitet. Warum haben Sie entschieden, selbstständig zu werden?

Einer meiner Schulkollegen war selbstständig. Bei ihm bin ich als Junior Partner eingetreten. Doch er konnte nicht mit Geld umgehen, er hatte mehr Schulden, als er vertragen konnte. Dann habe ich mich von ihm getrennt.

Und mit welchem Geld haben Sie die Baufirma gegründet?

Im Unterschied zu meinen Schulkollegen habe ich keine Wohnung gekauft, sondern bei meiner Mutter zu Hause gewohnt. Meine Frau war im gleichen Haus und hat am Anfang weiter bei ihren Eltern gewohnt. Dann haben wir in einem Kabinett ein Sofa gehabt und daneben haben wir zwei Stockerl hingestellt mit Matratzen drauf. Nebenbei habe ich in Aktien investiert. Die 300.000 Schilling vom Aktiensparen habe ich dann in die Baufirma gesteckt. Das hat gut funktioniert.

Was war Ihr erster Auftrag?

Meinen ersten Auftrag hatte ich von einem Stundenhotel. Da habe ich aus drei Zimmern zwei Zimmer mit Bädern gemacht.

Was haben Sie mit dem Geld gemacht, als das Unternehmen später florierte?

Ich habe immer wieder investiert und bin einmal im Jahr zu Weihnachten auf Urlaub gefahren. Ich habe das Geld nicht verjuxt.

1998 war Ihre Baufirma mit 700 Mitarbeitern auf dem Höhepunkt. Warum ist es danach bergab gegangen?

Ich habe seit 2003 keine neuen Aufträge mehr angenommen. Und Ende 2008 die Baufirma dann endgültig zugesperrt, weil meine Söhne eine andere Art hatten, die Firma zu führen. Mein Wunsch wäre gewesen, dass meine Söhne die Firma weiterführen, als ich mich mehr auf die Lugner City konzentriert habe. Das wollten sie aber nicht in der Weise. Dann habe ich das Unternehmen eben zugesperrt.

Was haben Ihre Söhne denn anders gemacht als Sie?

Wir hatten damals gute Leute, die vielleicht nicht sehr schnell waren, aber sie haben Qualität geliefert. 50 Prozent der Aufträge im ersten Bezirk waren Lugner-Baustellen. Damit hätten meine Söhne sicher auch genug Geld verdient. Aber sie wollten größere Baustellen, größere Projekte. Dort ist der Preisdruck aber auch größer. Dafür waren wir nicht aufgestellt.

Waren Sie enttäuscht, dass die Firma ohne Sie nicht funktioniert hat?

Kinder wollen es eben besser und anders machen. Ich habe meine Söhne immer machen lassen, wie sie geglaubt haben. Es war vielleicht mein Fehler, dass sie nur Techniker waren und ich der einzige Kaufmann im Unternehmen.

Was sehen Sie mit über 80 als Ihren größten geschäftlichen Erfolg an?

Der größte Erfolg war sicher, die Nische zu suchen. Mit der Baufirma haben wir kleine Arbeiten gemacht, die sonst nur Pfuscher übernommen hätten. Wir wurden damit zu einer der 25 größten Baufirmen in Österreich. Und bei der Lugner City waren die Öffnungszeiten meine Nische.

Wie viel von der Lugner City gehört heute eigentlich den Banken?

Die Schulden der Lugner City liegen bei 65 Millionen Euro.

Wird das je zurückgezahlt werden können?

Freilich. Aber jetzt müssen wir vor allem umschulden, weil die ÖVAG es sich nicht mehr leisten kann, uns diesen Kredit zu geben. Jetzt gehen wir eben zur Erste Bank. Aber es ist mühsam, weil die Banken immer Angst haben, dass sie Geld verlieren.

Sie sind ja mittlerweile 80 Jahre alt. Werden Sie eigentlich jemals in Pension gehen?

Ich bin eh in Pension.

Aber so, dass Sie dann auch nicht mehr arbeiten?

Mir macht meine Arbeit ja Spaß. Soll ich mich jetzt darauf dressieren, Tauben zu füttern?

Aber dass Sie sich zurücknehmen?

Nein, das habe ich nicht vor. Es geht ja darum, die Firma weiterzuführen.

Wie viel verdienen Sie eigentlich mit Ihren Fernsehauftritten?

Da verdiene ich schon eine ganze Menge.

Gibt es einen Unterschied zwischen ORF und Privatfernsehen?

Schauen Sie, egal, ob beim Kaiser („Wir sind Kaiser“ im ORF, Anm.) oder bei ATV. Ich verdiene mit allen möglichen Dingen Geld. Es ist sicher so viel, wie einer, der wenig verdient, in einem Jahr bekommt.

Damit wir nicht als einzige Zeitung keine Society-Frage stellen: Welche Ihrer Frauen war denn die teuerste?

So kann man das nicht beantworten. In einer Partnerschaft geht es nicht um Geld, sondern um Zuneigung.

Zur Person

Richard Lugner (geboren 1932) arbeitete beim Mineralölunternehmen Mobil, bevor er sich mit seiner Baufirma selbstständig machte. 1998 kandidierte er für das Präsidentenamt. Der 80-Jährige ist heute Betreiber des Einkaufszentrums Lugner City und kämpft für liberalere Öffnungszeiten. Vielen ist er durch diverse Society-Auftritte und das Spektakel rund um seinen Opernball-Gast bekannt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2013)

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