Big Player Österreich 2016

F/List stellt sich nach dem Umsatzrekord international auf

Österreich-Sieger Big Player: Die F/List GmbH hat im Vorjahr ihren Umsatz um mehr als 25 Prozent auf 75,5 Millionen Euro erhöht. Das niederösterreichische Familienunternehmen baut jetzt an seinen internationalen Destinationen.

660 Mitarbeiter fertigen bei F/List in Thomasberg in Niederösterreich exklusive Innenausstattung für Privatjets.
660 Mitarbeiter fertigen bei F/List in Thomasberg in Niederösterreich exklusive Innenausstattung für Privatjets.
660 Mitarbeiter fertigen bei F/List in Thomasberg in Niederösterreich exklusive Innenausstattung für Privatjets. – (c) Guenther Peroutka

Die F/List GmbH aus Thomasberg in Niederösterreich ist zwar schon 66 Jahre alt, ihr erfolgreiches Geschäft ist jedoch noch recht jung. Das 1950 als Tischlerei gegründete Unternehmen baut seit 2004 exklusive und maßgeschneiderte Inneneinrichtung für Flugzeuge. „Wir sind spezialisiert in der Entwicklung, im Projektmanagement und in der Produktion von High-End-Kabinen für Business- und Privatjets“, sagt F/List-CEO Katharina List-Nagl. „Aber auch für LuxujJachten und für Residenzen rund um den Erdball.“

Gearbeitet wird für renommierten Flugzeugbauer wie Bombardier, Embraer, Gulfstream und Pilatus. Und F/List ist dabei äußerst erfolgreich: Im Vorjahr landete das Familienunternehmen mit einer Rekordbilanz: Der Umsatz stieg 26,6 Prozent auf 75,5 Millionen Euro.

F/List beschäftigt derzeit 660 Mitarbeiter. Sie sind laut F/List-CEO Michael Groiss für den Erfolg verantwortlich: „Wir haben in den vergangenen zehn bis 15 Jahren kontinuierlich ein junges, dynamisches Team aufgebaut, das einfach Freude hat, das Unternehmen weiterzuentwickeln.“

Heuer im März hat F/List das 1000. Shipset – sprich die Einrichtung für das 1000. neue Flugzeug ausgeliefert. „Dazu kommt noch eine Vielzahl an Refurbishment-Projekten“, sagt Katharina List-Nagl – also die Überholung, Instandsetzung und Erneuerung von Interieurs bestehender Jets.

Der Markt sei grundsätzlich sehr kompetitiv. „Uns unterschiedet von unseren Mitbewerbern, dass wir vom Fertigungsanteil her einen sehr hohen Automatisierungsgrad haben“, betont List-Nagl. „Das heißt: Für uns ist es möglich, im Vergleich zu unseren Mitbewerbern, dass wir die Qualität, die wir täglich produzieren, auch reproduzieren können.“

Und noch einen Punkt führt die Chefin an, was F/List besser mache als die Konzerne, mit denen man im Wettbewerb steht: „Wir hauen uns in eine Aufgabe ganz anders rein. Wenn wir etwas machen, dann machen wir es zu 100 Prozent“, sagt List-Nagl. „Bei uns hängt die ganze Existenz davon ab. Wir machen das mit voller Leidenschaft.“

 

Stärke als Familienbetrieb

F/List spielt dabei auch den Trumpf aus, ein Familienunternehmen zu sein. „Entscheidungen fallen bei uns sehr schnell, im Idealfall innerhalb weniger Minuten, wenn es notwendig ist“, sagt Michael Groiss. Praktisch das gesamte erwirtschaftete Geld wird wieder ins Unternehmen gesteckt. Um den erarbeiteten Vorsprung zu halten, hat F/List derzeit eine Forschungs- und Entwicklungsquote „von etwa acht Prozent vom Umsatz“, sagt Groiss, der auch für die Finanzen zuständig ist.

Viel Zeit und Geld investiert F/List auch in die Internationalisierung: „Wir rücken näher zum Kunden, um für die Zukunft neue Projekte sicherzustellen“, erklärt List-Nagl den Schritt von Thomasberg im südlichen Niederösterreich in die Welt. „Wir sind derzeit daran, in Montreal ein Werk aufzubauen, das mittelfristig einhundert Mitarbeiter haben soll“, ergänzt Groiss.

Ein Unternehmen hat F/List heuer in Amerika schon gegründet – und zwar in Florida. „Wir werden aber in den kommenden Jahren den einen oder anderen Standort in Nordamerika dazukommen lassen“, sagt Groiss. Ein weiterer Plan ist, sich im Mittleren Osten in den kommenden zwei, drei Jahren zu etablieren. „Und wir sind gerade dabei, uns auch in Deutschland stärker aufzustellen. Das heißt, hier sind auch enorme Investitionen erforderlich.“ Diese Investitionen können getätigt werden, weil das Unternehmen gut verdiene und die Eigentümer das Geld im Unternehmen belassen. „Sogar im Moment weitgehend ohne Fremdfinanzierung“, sagt Groiss.

Seniorchef Franz List wechselt nach 45 Berufsjahren im kommenden Jahr von der Geschäftsführung in den Aufsichtsrat: „Das passt mir sehr gut. Die Aufsichtsrattätigkeit sehe ich nur als Kontrollfunktion. Es geht darum, Visionen zu definieren, neue Wege zu erkennen und einzufordern. Das ist ein toller Job für mich.“

Big Player: Die weiteren Platzierungen

2. Getzner Textil versorgt Afrika mit Damast
Die Getzner Textil AG in Bludenz ist ein Spezialist für Bekleidungsdamaste, Modestoffe und technische Stoffe. Damast wird vor allem in afrikanische Länder exportiert, wo der Stoff zu Traditionsbekleidung für festliche Anlässe verarbeitet wird. Das Familienunternehmen habe sich damit einen schwierigen Auslandsmarkt erobert, betont Vorstandsvorsitzender Josef Lampert. Getzner Textil beschäftigt inklusive Tochterfirmen 1350 Mitarbeiter, exportiert in mehr als 60 Länder und macht nach eigenen Angaben einen Gruppenumsatz von 290 Millionen Euro.

3. Mit Kapsch Traffic Com bleibt der Verkehr der Welt im Fluss
Die Kapsch Traffic Com AG ist weltweit führender Anbieter, wenn es um Transport Intelligent Systems (ITS) wie Mautsysteme, Lösungen für Verkehrsmanagement oder Parkraumüberwachung geht. „Die Verkehrssteuerung der Zukunft wird einen deutlichen Mehrwert für die Endverbraucher bringen müssen“, ist CEO Georg Kapsch sicher. Das bedeutet: „Mobilität als Service begreifen.“ Das Unternehmen beschäftigt mehr als 4600 Mitarbeiter in 33 Ländern und ist für Kunden in 50 Staaten tätig. Das Unternehmen setzte 2015 rund 526 Millionen Euro um.

4. Kröswang liefert frische Lebensmittel in jedes Tal
Der Familienbetrieb Kröswang in Grieskirchen beliefert Gastronomie, Hotellerie und Großküchen mit frischen und tiefgekühlten Lebensmitteln. Frische und Qualität, nicht Preisführerschaft ist für Geschäftsführer Manfred Kröswang oberste Maxime. Das Unternehmen konzentriert sich als einziger österreichweit tätiger Großhändler ausschließlich auf die Zustellung und unterhält keine Abholgroßmärkte. Kröswang beschäftigt 350 Mitarbeiter und bedient mit 120 Lkw rund 12.000 Kunden. Der Umsatz betrug im Vorjahr 164,8 Mio. Euro.

5. Eurofoam ist Spezialist für Weichschaumstoff
Die Eurofoam GmbH mit Sitz in Kremsmünster ist Teil der Eurofoam-Gruppe, eines Joint Venture der Unternehmen Greiner und Recticel. Eurofoam ist europaweit Marktführer in der Produktion und Verarbeitung von Polyurethanweichschaumstoff. Geschäftsführer von Eurofoam-Österreich ist Wolfgang Ender. Das Unternehmen hat hier fünf Standorte und beschäftigt 328 Mitarbeiter. Zur gesamten Gruppe gehören 36 Betriebe in zwölf Ländern Zentral- und Osteuropas. Sie setzte im Vorjahr mit rund 2000 Mitarbeitern 400 Mio. Euro um.

6. Münze Österreich, Wien
Die Münze Österreich gehört als Global Player heute zur internationalen Elite unter den Anbietern von Zahlungsmitteln. Sie produziert rund 450 Millionen Münzen pro Jahr.

7. ams AG, Steiermark
Die ams AG aus Premstätten ist Weltmarktführer für Lichtsensoren und beliefert fast alle führenden Smartphone-Hersteller. Weltweit beschäftigt der Konzern rund 2000 Mitarbeiter, 2015 setzte die ams AG 623,1 Millionen Euro um.

8. paysafecard.com Wertkarten GmbH, Wien
ist ein Online-Prepaid-Zahlungsanbieter. Das Unternehmen ist Europa-Marktführer und verzeichnet jedes Jahr zweistellige Zuwächse. Umsatz: 133,6 Millionen Euro.

9. Mahle Filtersysteme Austria GmbH, Kärnten
Am Österreich-Standort des deutschen Autozulieferers Mahle in St. Michael in Kärnten werden seit dem Jahr 1969 Filter hergestellt. In Österreich beschäftigt Mahle rund 2000 Mitarbeiter und setzte voriges Jahr 566,5 Millionen Euro um.

10. Knorr-Bremse GmbH, Niederösterreich
Knorr-Bremse ist der weltweit führende Hersteller von Bremssystemen für Schienen- und Nutzfahrzeuge mit Hauptsitz in München. 2015 erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von 5,8 Milliarden Euro. In Österreich sorgten 647 Mitarbeiter in Mödling und Kematen für 305,4 Millionen Euro Umsatz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2016)

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