Osteuropa macht wieder Freude

Nach der Ersten schreibt auch Raiffeisen Bank International wieder in fast allen Ländern Osteuropas schwarze Zahlen – selbst in der Ukraine. Die Gefahr „politischer Risken“ bleibt aber.

Staffelübergabe: Der bisherige Risikovorstand Johann Strobl (rechts) übernimmt das RBI-Szepter vom bisherigen Chef, Karl Sevelda, der in Pension geht.
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Staffelübergabe: Der bisherige Risikovorstand Johann Strobl (rechts) übernimmt das RBI-Szepter vom bisherigen Chef, Karl Sevelda, der in Pension geht.
Staffelübergabe: Der bisherige Risikovorstand Johann Strobl (rechts) übernimmt das RBI-Szepter vom bisherigen Chef, Karl Sevelda, der in Pension geht. – REUTERS

Wien. Seit einigen Jahren ist Osteuropa das große Aber für Österreich. Nicht nur für die Banken, sondern auch für die gesamte Republik. Die Institute hätten ihre Stabilität seit den heißen Krisenjahren zwar verbessert, aber Osteuropa bleibe ein Risiko, hieß es regelmäßig bei den Aufsehern – etwa der EZB in Frankfurt. Österreichs grundsätzlicher Ausblick sei zwar stabil, aber die wirtschaftliche Entwicklung sei nicht zuletzt durch die Abschwächung in Osteuropa gebremst, so die Ratingagenturen. Die ehemalige Boomregion war zum Mühlstein geworden.

Diese Zeit könnte nun vorbei sein. Denn zwei Wochen nach der Erste Group präsentierte auch die Raiffeisen Bank International (RBI) am Mittwoch ihre Bilanz für das Jahr 2016. Anders als bei der Konkurrenz wurde zwar kein Rekordgewinn ausgewiesen, dennoch eint die beiden Institute ein seit Langem nicht mehr da gewesener Erfolg: Beide konnten auf allen relevanten Märkten Osteuropas wieder Gewinne einfahren.

„Sowohl in Ungarn als auch in der Ukraine haben wir den Turnaround geschafft“, so der scheidende RBI-Chef Karl Sevelda bei seiner Abschieds-Pressekonferenz. Beim ehemaligen Sorgenkind Ukraine gab es nach einem Verlust von 85 Mio. Euro im Jahr 2015 sogar einen Gewinn von 135 Mio. Euro. In Summe konnte die RBI 2016 einen Anstieg des Konzernergebnisses von 379 auf 463 Mio. Euro vermelden. Dies, obwohl aufgrund des niedrigen Zinsniveaus das Betriebsergebnis von zwei auf 1,84 Mrd. Euro gesunken ist.

 

Abschreibungen entscheiden

Das bringt den Betrachter der Bankbilanz auch sofort zum entscheidenden Punkt: Denn die Frage, ob eine Bank einen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe oder einen Gewinn in einem ebensolchen Ausmaß erzielt, hängt vor allem von den Abschreibungen fauler Kredite ab. Und diese sind bei den heimischen Banken nach den Höchstständen der vergangenen Jahre wieder deutlich gesunken. Bei der Ersten gab es eine Reduktion um drei Viertel auf 200 Mio. Euro, bei RBI wurden die „Nettodotierungen zu Kreditrisikovorsorgen“ um 40,3 Prozent auf 754 Mio. Euro gesenkt. Mit diesem Betrag wurden im Vorjahr also faule Kredite (Non Performing Loans, NPL) in den Büchern bereits abgeschrieben. Doch reicht das auch?

Die Deckung der faulen Kredite ist im Vorjahr von 71 auf 76 Prozent gestiegen, sagt dazu der bisherige Risikovorstand und künftige RBI-Chef, Johann Strobl. Und das sei ausreichend, weil die Sicherheiten in dieser NPL-Coverage-Ratio noch nicht eingerechnet wurden. Zudem ist auch die Zahl der notleidenden Kredite von 11,9 Prozent auf 9,2 Prozent gesunken. „2017 soll die NPL-Quote weiter auf acht Prozent sinken. Mittelfristig soll sie sogar darunter liegen“, so Strobl weiter. Möglich machen soll das eine strengere Kreditvergabe, die Verwertung von Sicherheiten und der Verkauf von faulen Krediten.

Ist die Bankenkrise in Osteuropa somit endgültig vorbei? Wirtschaftlich seien viele Länder, vor allem in Zentraleuropa, schon länger auf einem Weg der wirtschaftlichen Besserung. „Und auch die Zeit, in der wir uns vor allem mit uns selbst beschäftigt haben, ist nun definitiv vorbei“, so Strobl. So werde etwa die Fusion zwischen RBI und RZB am 18. März vollzogen.

Man habe sich in den politisch schwierigen Ländern wie Russland, der Ukraine oder Ungarn erfolgreich neu aufgestellt. Und nachdem es in den vergangenen drei Jahren vor allem um den Aufbau zusätzlichen Kapitals gegangen sei – die Kernkapitalquote des fusionierten Instituts wird bei 12,7 Prozent liegen –, müsse nun auch wieder der Ertrag gesteigert werden. Davon sollen auch die Aktionäre wieder etwas haben, die ab 2018 wieder eine Dividende erhalten sollen.

 

Politische Risken bleiben

Ganz könne man neuerliche Rückschläge aber natürlich nicht ausschließen. „Politische Risken sind einfach nicht vorherzusagen.“ Zuletzt habe es jedoch auch einige erfreuliche Nachrichten gegeben. So hat etwa das Höchstgericht in Rumänien erst Anfang Februar ein Gesetz gekippt, das es Bürgern möglich gemacht hätte, ihre Hypotheken im Tausch gegen die einst dafür gekauften Häuser loszuwerden, auch wenn diese Häuser inzwischen viel weniger wert sind. „Man sieht also, dass der Rechtsstaat auch in Osteuropa funktioniert“, so Sevelda. (jaz)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.03.2017)

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