Steirischer Apple-Zulieferer leistet sich den nächsten Zukauf

Auch nach der 855 Millionen Dollar schweren Rekordübernahme ist der steirische Sensor- und Chiphersteller AMS in Kauflaune.

Schließen
PEROUTKA Guenther / WB

Die US-Firma Princeton Optronics mit Sitz in Princeton, NJ, beschäftigt zwar nur 37 Mitarbeiter und setzt heuer etwa zehn Millionen Dollar um. Doch ist sie profitabel und, was am wichtigsten ist, sie ist ein führender Anbieter von so genannten Vertical Cavity Surface-Emitting Lasers (VCSELs), die spezifische Differenzierungsmöglichkeiten in Anwendungen der Bereiche Mobile, Consumer, Automotive und Industrial eröffnen. Zudem verfügt die kleine Firma über eine ausgelagerte, auf hohe Volumina ausgelegte Zulieferkette mit Partnern in Taiwan, den USA und Großbritannien. Da Princeton Optronics bereits strategischer Partner des  steirischen Sensor- und Chipherstellers AMS und der zugekauften Heptagon bei optischen Sensorprodukten ist, wurde die Chance der Übernahme genutzt. Die Steier haben eine Vereinbarung für den Kauf von 100 Prozent der Anteile abgeschlossen. Bezahlt wird in bar, sobald alle Genehmigungen vorliegen. Die Transaktion beinhaltet eine Vorabzahlung von 53,3 Millionen Dollar sowie eine substantielle Besserungsvereinbarung in bar, die auf realisierten Umsätzen 2017 und 2018 basiert und einen potentiellen Höchstumfang von 75 Millionen Dollar hat. 

AMS kann nach der Portfolio-Erweitung komplette optische Lösungen mit höchster Differenzierung entwickeln und fertigen, die zukünftige Wachstumsfelder wie 3D-Sensorik und -Imaging für Mobilanwendungen oder autonomes Fahren im Automobilbereich bedienen. 

Der steirische Konzern beschäftigt global mehr als 3300 Mitarbeiter und ist ein wichtiger Partner für mehr als 8000 Kunden weltweit. AMS ist an der Börse in Zürich gelistet und zählt mit einem Börsewert von 4,6 Milliarden Franken zu den teuersten Unternehmen Österreichs. Die AMS-Aktie hat sich seit Jahresbeginn um 87 verteuert, sie ist damit Topperformer am Finanzplatz Zürich und gefragter als als jede andere Aktie eines österreichischen Unternehmens. Zum Vergleich: Topperformer in Wien ist Flugzeugzulieferer FACC mit einem Zugewinn von 38 Prozent. Unter den Schwergewichten schneidet in Wien heuer der Faserkonzern Lenzing mit einem Plus von 33 Prozent. Lenzing ist an der Börse vier Milliarden Euro wert.

Übernahmekarussell dreht sich

Die Digitalisierung stärkt den Hunger auf Technologieunternehmen. Im Jahr 2016 stieg das weltweite Übernahmevolumen um zwei Prozent auf einen Rekordwert von 467 Milliarden Dollar (442 Milliarden Euro), errechnete der Berater EY. Die größten Übernahmen gab es in der Halbleiterbranche - auch in Österreich.

Der größte Deal hierzulande war laut EY die Übernahme der defizitären Optik-Sensorfirma Heptagon Advanced Micro-Optics mit Sitz in Singapur durch den steirischen Sensor- und Chiphersteller AMS um 855 Millionen Dollar.

Die weltgrößte Übernahme 2016 war der Kauf des niederländischen Halbleiterkonzerns NXP Semiconductors durch den US-Konkurrenten Qualcomm um knapp 40 Milliarden Dollar. Das war der größte Übernahme in der Halbleiterbranche überhaupt. Die zweitgrößte Akquisition ging ebenfalls im Halbleitersektor vonstatten: die SoftBank zahlte für die ARM Holding mehr als 32 Milliarden Dollar. Drittgrößte Technologieübernahme war der Kauf des Karrierenetzwerks LinkedIn durch Microsoft um 26 Milliarden Dollar.

"Vor allem das Internet der Dinge hat die Übernahmen im Technologiebereich 2016 bestimmt. Die Mikrochips der Halbleiterbranche helfen dabei, Produkte und Maschinen zu vernetzen. Ein weiterer Megatrend - das vernetzte Auto - spielt in den Übernahmeplänen ebenfalls eine große Rolle", so EY-Expertin Eva-Maria Berchtold.

2017 erwartet EY allerdings keinen neuen Rekord, sondern eine leichte Delle. Schon im zweiten Halbjahr 2016 habe es einen Rückgang gegeben. Die Investoren hielten sich wegen politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten zurück.

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen
    Meistgekauft
      Kommentar zu Artikel:

      Steirischer Apple-Zulieferer leistet sich den nächsten Zukauf

      Schließen

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.