VW setzt in China auf Elektroautos

Volkswagen will künftig mehr Elektroautos in China verkaufen als bisher geplant. Gleichzeitig überrascht der deutsche Autobauer mit einem satten Gewinnsprung.

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(c) REUTERS (FABRIZIO BENSCH)

Shanghai. Der deutsche Volkswagen-Konzern will den Verkauf von Elektroautos in China massiv ausweiten und die staatlichen Vorgaben ohne fremde Hilfe schaffen. „Wir arbeiten mit aller Kraft daran, das Quotensystem bereits im kommenden Jahr zu erfüllen“, sagte China-Chef Jochem Heizmann am Dienstag im Vorfeld der Automesse in Shanghai.

Er machte klar, dass VW dabei selbst dann ohne den Zukauf von Kreditpunkten auskommen wolle, wenn die Pläne der chinesischen Regierung für die Regelung unverändert blieben. Die Hersteller müssen nämlich ab nächstem Jahr auf dem weltgrößten Pkw-Markt bestimmte Quoten bei der Elektroauto-Produktion erfüllen oder Kreditpunkte von anderen Autobauern kaufen. Damit will China die Luftbelastung in den großen Städten endlich in den Griff bekommen.

Die geplante Regelung sieht vor, dass die Hersteller durch den Verkauf von Elektroautos und Hybridmodellen Kreditpunkte sammeln und damit bestimmte Quoten erreichen. Ab 2018 sollen diese Punkte nach den anfänglichen Plänen acht Prozent der in China verkauften Fahrzeuge abdecken. Es gibt aber bereits Vorschläge, die Regelung abzumildern, um den Herstellern den Umstieg zu erleichtern. Im Gespräch ist ein Anteil von sieben Prozent bis 2020 und von 15 Prozent bis 2025. Heizmann sagte, es sei noch nicht klar, wie das System am Ende aussehen werde. Gespräche der Bundesregierung mit den chinesischen Behörden könnten helfen, den Wechsel zu erleichtern.

 

Alle Absatzkanäle nutzen

VW hat sich mit dem chinesischen Autobauer Anhui Jianghuai Automobile (JAC) zusammengetan und will bis 2018 mit der gemeinsamen Produktion von Elektroautos beginnen. Der erste rein batteriebetriebene Wagen unter einer neuen Marke soll demnach bald vom Band rollen. Bis zum Jahr 2020 wollen die Niedersachsen in der Lage sein, in China 400.000 E-Autos im Jahr auszuliefern, fünf Jahre später sollen es bereits 1,5 Millionen sein. Um die Quoten zu erfüllen, will VW Elektroautos auch an den Fahrdienstanbieter Didi verkaufen, mit dem die Wolfsburger zusammenarbeiten.

China ist der größte Absatzmarkt für Volkswagen. Der deutsche Konzern investiert 2017 zusammen mit Partnern vier Milliarden Euro in China, etwa genauso viel war im Vorjahr geflossen. Das Geld geht vor allem in die Elektromobilität und die Steigerung der Effizienz von Verbrennungsmotoren. Im vergangenen Jahr steigerte der Konzern die Auslieferungen auf dem weltgrößten Pkw-Markt um zwölf Prozent auf knapp vier Millionen Fahrzeuge, fast ausschließlich Autos mit Verbrennungsmotoren.

Die Hauptmarke VW allein setzte knapp drei Millionen Fahrzeuge im Reich der Mitte ab, etwa die Hälfte ihrer weltweiten Auslieferungen. 2017 rechnen die Wolfsburger mit einem Wachstum der Pkw-Nachfrage von vier bis fünf Prozent, weil staatliche Subventionen beim Verkauf von kleinen Autos verringert werden.

 

Gewinnsprung überrascht

Während Volkswagen in China also ambitionierte Pläne schmiedet, gelang es dem Wolfsburger Konzern, mit einem Gewinnsprung ins Jahr 2017 zu starten. Der Autobauer kommt bei der Sanierung seiner Hauptmarke offenbar voran. Der Betriebsgewinn des Konzerns legte im ersten Quartal binnen Jahresfrist um fast ein Drittel auf 4,4 Milliarden Euro zu, wie Volkswagen am Dienstag auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Grund für den überraschend hohen Gewinn sei eine Verbesserung des Ergebnisses der Hauptmarke VW, das bei 0,9 Milliarden Euro gelegen habe. Dazu hätten neben der erfolgreichen Markteinführung des neuen SUV Tiguan und guten Ergebnissen auf den westeuropäischen Märkten auch Kostensenkungen bei VW beigetragen. Auch die übrigen Marken des Konzerns schnitten den Angaben zufolge gut ab. (ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.04.2017)

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