"Niki": Piloten wollen mehr Geld - Flugausfälle drohen

Bei der Tochter der angeschlagenen Air Berlin gärt es, weil die Zukunft völlig ungewiss ist. Indes "verliert" die deutsche Fluglinie massiv Passagiere.

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APA/AFP/AXEL SCHMIDT

Die Krise bei Air Berlin und deren österreichischer Tochter "Niki" macht sich jetzt doppelt bemerkbar: Zum einen spürt die am finanziellen Abgrund stehende zweitgrößte deutsche Fluglinie den Unmut der Kunden, die wiederholt unter Flugausfällen und Verspätungen leiden. Zum anderen drohen just in der Hauptreisezeit am Mittwoch nächster Woche Flugausfälle bei Niki, weil die Piloten ihm Rahmen von Gehaltsverhandlungen die Muskeln spielen lassen. 

Air Berlin hat im traditionell verkehrsstarken Juli einen Abfall der Passagierzahlen um 24 Prozent auf 2,44 Millionen erlitten. Das ist zwar auch durch eine stark verkleinerte Flotte und ein ausgedünntes Streckennetz zu erklären. 38 Flugzeuge wurden zu Jahresbeginn an die Lufthansa verleast, fünf davon gingen an die AUA. Aber letztendlich drückt der Passsagierrückgang die ohnedies schon schlechten Ertragszahlen. Air Berlin macht seit zehn Jahren Verluste, im Vorjahr lag das Minus bei knapp 790 Mio. Euro.  Am 18. August stehen die Halbjahreszahlen an.

Versammlung in Hauptflugzeit

Ungeachtet der prekären Situation machen die Piloten und auch Flugbegleiter von Niki Druck und wollen mehr Geld. Deshalb drohen Betriebsversammlungen. Derzeit laufen Kollektivvertragsverhandlungen, die nächste Runde ist am Mittwoch geplant. Sollte es da keine Einigung geben, werden im Anschluss an den Standorten Wien und Düsseldorf Betriebsversammlungen abgehalten, "wo man über Kampfmaßnahmen abstimmen wird", so Betriebsrats-Obmann Stefan Tankovits. Da der Betriebsrat möglichst vielen Mitarbeitern die Teilnahme ermöglichen wolle, würden die Versammlungen "leider in der Hauptflugzeit stattfinden".

 Bei den Piloten liege die Bezahlung um 30 Prozent unter jener der Air-Berlin-Piloten, sagt Tankovits. Aber auch bei Flugbegleiterinnen mit längeren Dienstzeiten gebe es erhebliche Unterschiede. Für die Piloten lägen von der Geschäftsführung Vorschläge vor, die eine Anhebung der Entlohnung um fünf Prozent bringen würden. Damit bliebe aber zu Air Berlin weiter ein großer Abstand. Auch zur AUA, wo die Pilotengehälter nach Schätzung von Tankovits im Schnitt um etwa 20 Prozent höher liegen als bei Niki, bliebe der Abstand hoch. Tankovits fürchtet eine starke Abwanderung seiner Piloten.

Bei Flugbegleitern gebe es bisher eine Anpassung für die ersten acht Dienstjahre ("da kommen wir langsam in die Nähe"), aber bei längerer Tätigkeit sähen die Kollektivverträge keine entsprechende Anpassung mehr vor.

Auslöser für die Unzufriedenheit des Betriebsrates ist die Auslagerung eines Großteils des Flugbetriebes und die Stationierung von Flugzeugen in Deutschland. Denn dort muss das fliegende Personal vor Arbeitsbeginn nach Deutschland eingeflogen werden. Betroffene Mitarbeiter hätten dadurch im Monat bis zu 30 Arbeitsstunden mehr. Vor allem diese Anreisezeiten würden nicht entsprechend abgegolten und führten zu Lohneinbußen - ganz abgesehen davon, dass die Betroffenen viel weniger Zeit für die Familie und das Privatleben hätten.

Dazu komme, dass das fliegende Personal sehr unzufrieden damit sei, wie die Veränderungen bei Niki "überfallsartig hereingekommen" seien und dass das geplante Joint Venture mit TUIFly nicht zustandegekommen sei. Das mache es noch schwieriger, die aktuelle Bezahlung zu akzeptieren.

Von Air-Berlin-Großaktionär Etihad gelte weiter die "offizielle Version", dass Niki ausgegliedert wird und ein "Stand-Alone" vorbereitet, sich also auf eine Existenz als selbstständige Fluglinie mit der Konzentration auf Charterflüge aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vorbereitet. "Das kann bis Jahresende passieren", schätzt Tankovits. Fix ist das Branchenkennern aber auch noch nicht. Denn auch das Joint Venture von Niki mit TUIFly zu einer großen Ferienfluglinie schien fix, und wurde dann von Etihad gekippt. 

Nur fünf Flieger in Wien

Es gelte auch, Verträge für so ein neues Geschäftsmodell vorzubereiten. Am Ende soll Niki 21 Flugzeuge haben, von denen etwa zwei Drittel in Deutschland stationiert sind, vier bis fünf in Wien und bis zu vier in Zürich. Seit Juli gibt es bereits den Standort Düsseldorf, die Stationierung von Flugzeugen in Zürich sei auf Herbst verschoben worden.

In Düsseldorf habe es bereits 250 Neueinstellungen gegeben, so Tankovits, dabei geht es vor allem um Flugbegleiter. Das habe auch nicht zu Kündigungen in Österreich geführt, da die Fluktuation ohnehin sehr hoch sei. Da sowohl Eurowings als auch AUA Flugbegleiter suchen, sei es nicht schwer, in Wien einen neuen Job zu finden. Viele würden aber auch "umsatteln" und das Berufsfeld verlassen.

Piloten wurden keine nach Deutschland stationiert, allerdings ist geplant, dass etwa 40 Kopiloten ihren Standort in Düsseldorf haben werden. Bis auf eine "Handvoll" Freiwilliger werde es aber nicht zu Umsiedlungen aus Wien kommen. In Zürich wiederum ist keine Stationierung von fliegendem Personal geplant, dort sollen Mitarbeiter für den Dienst eingeflogen werden.

Insgesamt ist die Zukunft von Niki, wie auch die von Air Berlin, ungewiss. Branchenkenner spekulieren, dass Air Berlin von der Lufthansa übernommen wird. Freilich erst, nach den deutschen Wahlen. Und, wenn Etihad die Schulden der Air Berlin übernimmt. 

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