Immobilien-Investor Patrizia stemmt nächsten großen Deal

Der deutsche Immobilien-Investor Patrizia schnappt sich von der Rivalin IVG das Geschäft mit geschlossenen Fonds und macht damit den erhofften großen Schritt nach vorn.

Das Augsburger Unternehmen Patrizia schraubt mit dem Kauf der IVG-Tochter Triuva den verwalteten Immobilienbestand um fast die Hälfte auf gut 30 Milliarden Euro nach oben, wie Patrizia am Montag mitteilte. Patrizia-Chef und Mehrheitsaktionär Wolfgang Egger gibt dafür gut 200 Millionen Euro aus, wie zwei mit den Verhandlungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Für ihn ist es der große Zukauf, der er den Aktionären versprochen hatte: "Die Übernahme fügt sich perfekt in unsere Wachstumsstrategie ein."

In den 40 Triuva-Fonds - die insgesamt rund 9,8 Milliarden Euro schwer sind - steckt Geld von 80 institutionellen Investoren. Es ist unter anderem in das von der Commerzbank genutzte Hochhaus "Gallileo" in Frankfurt, das "K195" am Kurfürstendamm in Berlin und das "Kranhaus" in Köln geflossen.

Patrizia-Chef Egger will sich mit dieser und weiteren geplanten Übernahmen für die erwartete Konzentration im Immobilien-Asset-Management wappnen. Die Fonds versprechen stabile Einnahmen und neue Kontakte zu Großanlegern, die auch bei Patrizia investieren sollen. Patrizia hatte dafür 740 Millionen Euro auf der hohen Kante. Zum Kaufpreis für Triuva wollten sich Patrizia und die IVG nicht äußern. Der neue Eigentümer teilte nur mit, der Zukauf werde aus der Liquidität bezahlt. IVG erklärte, der Kaufpreis entspreche dem fairen Wert.

Mit Triuva sind nun zwei von drei Sparten der IVG verkauft. Das Bonner Immobilienunternehmen war 2013 von Investoren um den Hedgefonds Anchorage aus der Insolvenz herausgekauft worden. Der eigene Bestand an Büroimmobilien ging vor einem Jahr unter dem Namen "OfficeFirst" für 1,3 Milliarden Euro an Blackstone. Übrig sind nun noch die Öl- und Gas-Kavernen an der Nordsee. Einen Verkaufsprozess dafür gibt es aber noch nicht.

Auf das Fondsgeschäft, das immer mal wieder im Schaufenster stand, hatte Patrizia schon länger ein Auge geworfen. Daneben hatten zuletzt auch DIC Asset und der Investor Hamburg Trust um Triuva gebuhlt. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) war dagegen vorzeitig ausgestiegen.

Die Übernahme beflügelte die Patrizia-Aktie, die zu Wochenbeginn um acht Prozent auf 19,50 Euro stieg. Zugleich schraubte Patrizia die Gewinnprognose für 2017 nach oben: Mehr als 75 Millionen Euro operativer Gewinn sollen zum Jahresende zu Buche stehen, bisher hatte das Unternehmen 60 bis 75 Millionen Euro angepeilt. Nach neun Monaten sind es bereits 46,6 Millionen, sechs Prozent mehr als ein Jahr zuvor. "Unsere Investment-Expertise hat in diesem Jahr zu deutlich höheren leistungsabhängigen Gebühren geführt", erklärte Finanzvorstand Karim Bohm.

Zuletzt hatte Patrizia mit dem Kauf der dänischen Sparinvest Property Investors Immobilien-Dachfonds ins Angebot genommen. Damit dürfte Patrizia Immobilien - noch ohne Triuva - zum Jahresende 21,6 Milliarden Euro verwalten.

(Reuters)

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