Siemens-Rivale GE will weg vom Gemischtwarenladen

Der schwächelnde US-Industriekonzern General Electric muss zum zweiten Mal nach der großen Wirtschaftskrise in den 1930er Jahren seine Ausschüttung an die Aktionäre kürzen.

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AFP (LOIC VENANCE)

Der Siemens-Erzrivale General Electric (GE) will kein Gemischtwarenladen mehr sein. Der neue Vorstandschef John Flannery will den traditionsreichen Industriekonzern auf die drei Sparten konzentrieren, von denen er sich das größte Wachstum verspricht. Luftfahrt, Energie und Gesundheit seien die Bereiche mit dem größten Potenzial, in denen GE über die nötige Technologie, die erforderliche Größe und eine ausreichende Kundenbasis verfüge, sagte Flannery am Montag bei der Vorstellung seiner Strategie. Breit aufgestellte Konzerne wie GE sind an der Börse in Ungnade gefallen. Dort kam aber auch Flannerys Plan nicht gut an, weil er unter anderem eine Kürzung der Quartalsdividende vorsieht: Die Aktie ging fast vier Prozent in die Knie.

GE werde sich in ein bis zwei Jahren von Unternehmensteilen im Wert von mehr als 20 Milliarden Dollar trennen, kündigte der neue Chef an. Von welchen, sagte er zunächst nicht. Doch Sparten wie Verkehr und Beleuchtung passen nicht in die Definition des neuen Kerngeschäfts. GE galt lange als Sinnbild des Konglomerats aus verschiedensten Geschäften - von Eisenbahnen über Chemie bis hin zu Medien und Finanzen. Flannerys Vorgänger Jack Welch und Jeff Immelt hatten ein Imperium errichtet. Immelt schwebte ein "digitales Industrieunternehmen" vor mit GE-Software, die Flugzeuge, Kraftwerke und Lokomotiven steuern sollte. "Zurück zu den Wurzeln", lautet nun Flannerys Motto.

Auch Siemens-Chef Joe Kaeser hält Größe allein nicht mehr für das Erfolgsmodell. "Wer groß ist, ist nie richtig schlecht - aber auch nicht richtig gut", sagte er in der vergangenen Woche auf der Bilanzpressekonferenz. Klassische Konglomerate hätten keine Zukunft. "Ich bin überzeugt, dass unsere Geschäfte noch deutlich fokussierter sein müssen." Kaeser hat aber eine andere Antwort als GE: Er will den Münchner Industriekonzern als einen "Flottenverbund" führen, in dem die einzelnen Sparten mehr Freiheit haben.

An der Börse überwog die Skepsis, ob die geschrumpfte GE noch genügend Geld abwerfen wird, um ihre Bewertung von mehr als 170 Milliarden Dollar zu rechtfertigen. Dabei hat die Aktie in diesem Jahr mit 35 Prozent so viel verloren wie kein anderer Wert im Dow-Jones-Index. Als negatives Signal nahmen die Investoren Flannerys Ankündigung, die Dividende von Dezember an auf zwölf Cent je Aktie zu halbieren. Es ist erst das dritte Mal in 125 Jahren Firmengeschichte, dass GE die Ausschüttung zusammenstreicht: Das erste Mal war in der Wirtschaftskrise 1929, das zweite Mal in der Finanzkrise von 2007 bis 2009. Allein mit dem Einschnitt ließen sich vier Milliarden Dollar im Jahr einsparen, rechnete Flannery vor.

"Gemessen an den Zahlen hinkt GE hinter den Planungen her, und wir halten die Gewinnerwartungen der Analysten weiterhin für zu hoch", sagte JPMorgan-Analyst Stephen Tusa. Flannery nahm die Gewinnprognose für das kommende Jahr auf 1,00 bis 1,07 Dollar je Aktie zurück; zuletzt hatte er bis zu zwei Dollar in Aussicht gestellt. Nach einem enttäuschenden dritten Quartal - vor allem die Kraftwerks-Sparte lahmt - hatte GE die Gewinnprognose für das laufende Jahr bereits im Oktober um 60 Cent je Aktie auf 1,05 bis 1,10 Dollar gekürzt.

(APA/dpa)

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