Lufthansa macht EU-Wettbewerbshütern für Niki-Übernahme Zugeständnisse

Die EU-Kommission verlängert die Frist für eine Entscheidung über die von der AUA-Mutter geplante Übernahme von Air-Berlin/Niki bis 21. Dezember.

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APA/ROBERT JAEGER

Die AUA-Mutter Lufthansa hat nach Angaben der EU-Wettbewerbshüter kurz vor Fristende Zugeständnisse für die angestrebte Übernahme der Air-Berlin und deren Österreich-Tochter Niki gemacht. Die Frist für eine Entscheidung verlängere sich damit nun bis zum 21. Dezember, teilte die Brüsseler Behörde Freitagfrüh mit. Details zu den Lufthansa-Vorschlägen nannte sie nicht.

Aktionäre der Lufthansa sehen der Air-Berlin/Niki-Übernahme bereits mit Freude entgegen. Die Kranich-Aktie setzte am Donnerstag ihren Höhenflug fort. Nach einem Kursplus von 135 seit Jahresbeginn bis gesten Abend - das ist heuer die absolute Topperformance im deutschen Leitindex Dax - gab es gleich zu Handelsbeginn einen Aufschlag von gut  drei Prozent auf 29,76 Euro. Das ist neuerlich ein Rekordhoch und treibt den Börsewert der Lufthansa auf mehr als 14 Milliarden Euro.

Die deutsche Fluglinie will mit den Teilgesellschaften LG Walter und Niki für 210 Millionen Euro einen beträchtlichen Teil des Flugbetriebs von Air Berlin mit 81 Jets und den dazugehörigen Verkehrsrechten übernehmen. Die EU-Wettbewerbshüter sind bei Firmenzusammenschlüssen zuständig, wenn der Umsatz aller Beteiligten zusammen mindestens fünf Milliarden Euro beträgt. Sie müssen unter anderem prüfen, ob durch die Übernahme in diesem Fall eine Monopolstellung der Lufthansa und möglicherweise schlechtere Bedingungen für Flugreisende entstehen könnten.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hatte deutlich gemacht, dass die Behörde den Deal nach der Air-Berlin-Pleite genau unter die Lupe nimmt. "Auf einigen Strecken gibt es jetzt einen sehr hohen Marktanteil oder sogar ein Monopol", hatte sie jüngst in einem Interview gesagt. Einem Branchenexperten zufolge würde allein die Abgabe von "Slots" das Kartellproblem aber noch nicht lösen. Denn entscheidend für den Wettbewerb sei, dass Konkurrenten diese Startrechte auch nutzten, mitunter auf bestimmten Strecken. Dafür gebe es aber keine Gewissheit. Unklar blieb, ob die Kommission die Lufthansa womöglich in die Pflicht nehmen könnte, nach der Abgabe von "Slots" für mehr Wettbewerb durch Konkurrenten zu sorgen.

Thomas Cook hat Interesse bekundet

Die Lufthansa hatte bis Mitternacht Zeit, den Bedenken entgegenzukommen. Zuletzt hatte sich abgezeichnet, dass die Kommission insbesondere die Übernahme des nicht insolventen Ferienfliegers Niki kritisch sieht. Die Lufthansa könnte dafür etwa auf einzelnen Strecken Flugrechte an Konkurrenten abgeben.

Die EU-Wettbewerbshüter können den Deal nun bis zum 21. Dezember - gegebenenfalls unter Auflagen - durchwinken oder aber eine vertiefte Prüfung einleiten. Dafür wären nochmals 90 Arbeitstage vorgesehen.

Nach Thomas Cook hat nach Informationen der "Bild am Sonntag" auch der britisch-spanische IAG-Konzern (British Airways, Iberia) sein erneutes Interesse an der einst vom Rennfahrer Niki Lauda gegründeten Gesellschaft Niki bekundet. Die beiden Unternehmen waren im deutschen Insolvenzverfahren um Air Berlin mit ihren Angeboten nicht durchgedrungen. Niki Lauda ist ebenfalls an Bord: "Mein Angebot zusammen mit Thomas Cook gilt nach wie vor", sagte Lauda zuletzt dem "Handelsblatt".

(APA)

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