PrivatAir: Noch ein Bieter für Niki

Für die insolvente Air-Berlin-Tochter gibt es inzwischen fünf Interessenten. Verbindliche Angebote müssen bis Donnerstag gelegt werden. Die neue Regierung lindert hinsichtlich des Lizenzverfalls den Zeitdruck.

DEU Deutschland Berlin 25 08 2017 Flughafen Berlin Tegel TXL Registration D ABHL Air Berlin
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Lösung bis Jahresende nötig – imago/Rüdiger Wölk

Im Bieterrennen um die insolvente Tochter der Air-Berlin, Niki,  müssen Interessenten bis Donnerstagmittag dem vorläufigen Insolvenzverwalter Lucas Flöther ein verbindliches Angebot abgeben. Ein verbindliches und durchfinanziertes Angebot liege zwar noch nicht vor. Es gebe jedoch zahlreiche ernsthafte Interessenten: "Das lässt mich hoffen, dass man auch in dieser kurzen Zeit noch einen Verkauf hinbekommt." Eine Lösung müsse bis Jahresende stehen.

Während Flöther keine konkreten Namen nennen will, hat sich ein neuer Interessent geoutet: Die Schweizer PrivatAir. "Ja wir wollen Niki ganz übernehmen und möglichst alle Arbeitsplätze erhalten", sagte PrivatAir- Chef Thomas Limberger am Dienstag exklusiv zur "Presse". Er wisse um den enormen Zeitdruck und die damit verbundene Schwierigkeit, sich ein Bild von der Airline zu machen und eine entprechende Finanzierung aufzustellen. "Aber wir wollen es versuchen."

Wie viel Geld Limberger in die Hand nehmen möchte, lässt er offen. Ihm ist auf jeden Fall klar, dass es vor allem um die Start- und Landerechte (Slots) geht. Ob und wieviele Flugzeuge übernommen werden können, sei indes noch nicht ganz klar.

Die PrivatAir ist eine Schweizer Linien- und Charterfluggesellschaft mit acht Flugzeugen. Sie bietet anderen Airlines (auch der Lufthansa, Eurowings und TUIfly) bzw. Unternehmen ihre Maschinen an. PrivatAir gehört seit 2016 Limbergers Investmentgesellschaft SilverArrow Capital.

Mit der PrivatAir gelten bisher Niki Lauda, Thomas Cook mit Condor, Ryanair und ein Konsortium um den Berliner Logistiker Zeitfracht als Interessenten. Ob auch British Airways (IAG) dabei ist, ist offen.

Österreichische Behörden sehr entgegenkommend

Für Zeitdruck sorgen laut Flöther sowohl finanzielle wie auch grundsätzliche Fragen: Zum Einen müsse die Betriebserlaubnis für Niki trotz eingestellten Flugbetriebs möglichst lange erhalten bleiben. Daran hängen die "Slots" für Start und Landungen, die laut Flöther einen besonderen Vermögenswert der Airline ausmachen. Die österreichischen Behörden seien in dieser Frage sehr entgegenkommend. Sie hätten mitgeteilt, wegen gesetzlicher Verpflichtungen den Entzug für die Fluggenehmigungen einleiten zu müssen, so Flöther. Binnen einer Frist von sieben Tagen müsse Niki dazu Stellung nehmen. Von der Luftraumbehörde Austro Control hieß es dazu am Dienstag, das Verkehrsministerium prüfe die Insolvenz. Da seien keine Fristen vorgesehen. Solange das Prüfverfahren laufe, verfielen auch keine Slots.

"Man kann nicht sagen: Genau nach sieben Tagen fällt der Hammer und dann ist es vorbei", sagte auch Flöther. Er gehe davon aus, dass möglicherweise bis Anfang Jänner Zeit bleibe. "Aber dann muss der Investor feststehen, weil uns sonst unabhängig von den Genehmigungen das Geld ausgeht", sagte Flöther. Obwohl Niki den Flugbetrieb vor einigen Tagen einstellte, muss noch der operative Betrieb erhalten und bezahlt werden: "Sie können ein Flugzeug nicht einfach wie ein Auto hinstellen, Schlüssel abziehen und das war es."

Der Sanierer und Jurist mit Hauptsitz im sachsen-anhaltischen Halle war im August bereits zum Sachwalter bei der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin bestellt worden und überwacht dort im Interesse der Gläubiger das Verfahren. Niki war eine Tochter der Air Berlin, galt als besonders attraktiver Unternehmensteil, und sollte zusammen mit weiteren Teilen vom deutschen Branchenprimus Lufthansa übernommen werden.

Wegen Bedenken der EU-Kommission zur Wettbewerbslage im Luftverkehr wurde das Vorhaben abgesagt. Niki hatte Insolvenz angemeldet und Mitte voriger Woche den Flugbetrieb eingestellt. Tausende Passagiere saßen auf einen Schlag fest. Flöther wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt und soll jetzt in einem Schnellverkauf einen Käufer für Niki finden.

(APA/dpa)

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