Lufthansa will Alitalia - ohne Privilegien

Arbeiten in Mailand, aber Wohnen in Rom: das soll es nicht mehr geben, wenn die deutsche AUA-Mutter die marode italienische Airline bekommt.

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imago/Rüdiger Wölk

Wenn die Lufthansa schon bei Air Berlin  nur kleine Teile und deren Tochter Niki gar nicht bekam, so bleibt sie bei der insolventen Alitalia am Ball. Dort gilt die deutsche AUA-Mutter auch als Favorit - sie stellt freilich Bedingungen. Der deutsche Konzern poche etwa auf die Streichung von Privilegien für Angestellte, berichtete das "Handelsblatt".

Dazu gehöre das Recht des Personals, in Rom zu wohnen, auch wenn es in Mailand stationiert sei. Den Shuttledienst nach Mailand übernehme Alitalia. Teilweise zähle die Anreise als Arbeitszeit. "Solange keiner in Italien Anstalten macht, solche Sachen abzuschaffen, ist ein Verkauf kaum möglich", heißt es laut "Handelsblatt"  im Umfeld der Lufthansa. Der Konzern selbst wollte keinen Kommentar abgeben.

Dem Blatt zufolge kann sich Lufthansa einen Preis von 300 Mio. Euro für den Alitalia-Flugbetrieb vorstellen. Im November hatte es geheißen, die Lufthansa wolle 250 Mio. Euro für bis zu 100 der insgesamt 120 Maschinen zahlen. "Nach dem Aus bei Niki sind Kapazitäten im Konzern frei, Alitalia ist für Lufthansa ein strategisch wichtiges Ziel", zitiert das "Handelsblatt" eine Führungskraft. Im Rennen um die seit vielen Jahren defizitäre italienische Fluglinie sind auch der Billigflieger Easyjet und der US-Finanzinvestor Cerberus.

Mitarbeiter gegen Sanierung

Alitalia ging im Frühjahr 2017 in die Insolvenz, nachdem sich die Mitarbeiter gegen einen von Gewerkschaften und Management ausgehandelten Rettungsplan gestellt hatten. Seither stützt die Regierung in Rom das Unternehmen mit einem Überbrückungskredit von 900 Mio. Euro. Der Verkauf soll noch vor den Parlamentswahlen am 4. März über die Bühne gehen. Die italienische Politik hofft noch immer, dass Alitalia in irgendeiner Form erhalten bleibt. Luftfahrtexperten rechnen aber eher damit, dass sie - so wie Air Berlin - zerschlagen wird. Für die Lufthansa macht der Einstieg Sinn, sie hatte  seinerzeit mit einer eigenen Lufthansa Italia keinen Erfolg. Platzhirsch in Italien ist bereits die Ryanair.

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