ÖBB: Teuer erkauftes Essen auf Rädern

Der neue ÖBB-Caterer, Don, erwartet 2018 14 Mio. Euro Umsatz. Die Subvention bewegt sich im selben Bereich. Betreiber Josef Donhauser ist kein Unbekannter bei der Staatsbahn.

In den ÖBB-Bistros serviert nicht mehr Henry, sondern Don das Essen.
In den ÖBB-Bistros serviert nicht mehr Henry, sondern Don das Essen.
In den ÖBB-Bistros serviert nicht mehr Henry, sondern Don das Essen. – (c) Foltin Jindrich/Wirtschaftsblatt/picturedesk.com

Wien. Egal, wer als neuer ÖBB-Caterer mit 1. April 2018 angetreten wäre, eines steht fest: Ihm wird penibel genau auf die Finger geschaut. Noch einen Skandal in den Speisewagen der Staatsbahn, unangekündigte Besuche von Arbeitsinspektoren und wütende Gewerkschafter will keiner.

2012 war Attila Doğudan noch frohen Mutes mit Henry am Zug an die Arbeit gegangen. An der Seite des damaligen ÖBB-Chefs, Christian Kern, verkündete der Unternehmer „extrem attraktive“ Preise im Bordbistro. Die Bahn, so versprach Kern, werde sich mit dem Partner in vier Jahren 42 Mio. Euro an Zuschüssen sparen. Gut vier Jahre später polterte Doğudan, das Thema ÖBB habe sich „endgültig erledigt“. Was war geschehen? Der Vorwurf systematischer Arbeitszeitverletzungen und unterbezahlter ungarischer Arbeitskräfte stand im Raum. Das Nachspiel: Die Sozialpartner handelten einen besseren Kollektivvertrag für das Servicepersonal in Österreichs Zügen aus. Doğudan unterlag in der neuen, diesen November entschiedenen Ausschreibung Josef Donhausers Cateringunternehmen Don.

 

Mehr Gehalt, weniger Spielraum

Über das mit dem Kollektivvertrag durchgesetzte Gehaltsplus von rund 25 Prozent für gelernte Arbeitskräfte freut sich der Neue naturgemäß nur bedingt. „Das ist gut so, auch wenn es die wirtschaftliche Situation nicht entspannt.“ Für 2017 rechnet er mit einem Umsatz von 14 Mio. Euro.

Traditionell schießt die Bahn hier aber ordentlich zu. Daraus macht ÖBB-Chef Andreas Matthä kein Hehl. Zurzeit koste das Catering die ÖBB einen „niedrigen zweistelligen Millionenbetrag“. Diese Summe sei stabil und solle es auch bleiben. Ist das Essen auf der Schiene ein wirtschaftliches Nullsummenspiel? Nein, sagt Matthä. „Die Verpflegung im Zug ist Teil des Reiseerlebnisses.“ Dieses müsse man auch auf Strecken aufrechterhalten, die nicht so ausgebucht sind wie Salzburg–Wien. Donhauser springt ihm bei: Finanzspritzen der Bahnen seien in ganz Europa Usus. Guter Service sei nun einmal das beste Marketing für jedes Zugunternehmen, das mit Qualität punkten will.

Blickt man etwas zurück, sieht man: Hier spricht kein Branchenneuling. Donhauser serviciert mit seiner 1992 gegründeten Cateringfirma nicht nur private Reisezüge im Iran, sondern war von 2001 bis 2012 bereits mit dem Unternehmen E-express für das Catering in den ÖBB-Fernzügen zuständig. Kurz vor der Neuausschreibung berichtete der „Kurier“ über abgelaufene Lebensmittel und Arbeitszeitverstöße. Die Bahn entschied sich für Henry am Zug.

Der Rechtsstreit ist mittlerweile bis zum OGH ausjudiziert. Donhauser gewann das Verfahren wegen Ruf- und Kreditschädigung. „Wir haben nie schlechte Erfahrungen mit E-express gemacht“, sagt heute Roman Hebenstreit, Chef der Gewerkschaft Vida. Dennoch war das Catering einige Monate das meistgeprüfte Unternehmen des Landes und verlor mit dem Auftrag nach eigenen Angaben 80 Prozent seines Umsatzes.

 

Die Lehre aus der Vergangenheit

Heute habe man die Lehren daraus gezogen. Neben den 14 Mio. Euro, die Don 2018 auf der Schiene umsetzen will, macht die Gruppe mit zuletzt 600 Mitarbeitern 36 Mio. Euro in anderen Bereichen wie Großevents, Sportstadien oder Mitarbeiterrestaurants – das iranische Joint Venture nicht eingerechnet. Aktuell will Donhauser dem AUA-Langzeitpartner Do&Co außerdem das ausgeschriebene Bordcatering abnehmen.

Ungarische Kräfte will man im Zug auch künftig beschäftigen, aber zu österreichischen Löhnen. Sämtliche 300 Henry-am-Zug-Beschäftigte werden übernommen. 300 weitere Kellner sucht Donhauser seit dem Zuschlag. Von Henry am Zug übernimmt der neue alte Caterer aber nicht nur das Personal. Die Betonung auf Frische zu erschwinglichen Preisen erinnert stark an Doğudans Antrittsworte.

Ein anderer Grund, wieso Donhauser den Zuschlag bekam, ist auch nicht ganz neu. Ab April werden Passagiere sukzessive in den Fernzügen wie im Flugzeug Essen bestellen können. Sei es, dass man die Speise vorab mit dem Sitz auswählt oder im Zug per App zum Platz bestellt. Die Idee hatte Do&Co 2013 im Testbetrieb. Damals fingen die Reibereien mit der Gewerkschaft an.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.01.2018)

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