Niki: Vueling wartet bis Ende Februar

Mit dem Konkursantrag in Österreich gibt es zwei Insolvenzverfahren. Eine rasche Lösung muss her: Die spanische Vueling kann nämlich bis 28. Februar vom Niki-Kauf zurücktreten.

Die Niki-Flugzuge stehen auf dem Boden – wie lang, entscheiden nun die Insolvenzverwalter und die Gerichte.
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Die Niki-Flugzuge stehen auf dem Boden – wie lang, entscheiden nun die Insolvenzverwalter und die Gerichte.
Die Niki-Flugzuge stehen auf dem Boden – wie lang, entscheiden nun die Insolvenzverwalter und die Gerichte. – Michael Fritscher / picturedesk.com

Wien. Jetzt beginnt der Wettlauf mit der Zeit erneut: Zwei Wochen nachdem die Air-Berlin-Tochter Niki Mitte Dezember auch in die Pleite geschlittert war, hat der vorläufige deutsche Insolvenzverwalter Lucas Flöther die österreichische Fluglinie an die spanisch-britische IAG bzw. deren Tochter Vueling verkauft. Nachdem Flöther am Donnerstag wie angekündigt für Niki hierzulande beim Landesgericht Korneuburg ein Sekundärinsolvenzverfahren beantragt hat, laufen aber zwei Insolvenzverfahren parallel.

Was die Sache angesichts des Rechtsstreits, ob das Hauptverfahren in Berlin oder Wien stattfinden muss, nicht einfacher macht. „Es erhöht dennoch die Rechtssicherheit, dass keine Zeit mehr verloren geht“, sagt Creditreform-Chef Gerhard Weinhofer zur „Presse“. Auch beim Kreditschutzverband (KSV) spricht man von einer „schadensminimierenden Lösung“.

Zeit ist für Niki und vor allem die 1000 Mitarbeiter – sie werden als „reine Vorsichtsmaßnahme“ zum Frühwarnsystem beim AMS angemeldet – Gold wert: Wie aus dem der „Presse“ vorliegenden Antrag Flöthers hervorgeht, kann Vueling nämlich mit 28. Februar vom Kaufvertrag zurücktreten.

Deshalb plädiert Flöther dafür, dass Vueling auch vom österreichischen Masseverwalter als Bestbieter akzeptiert wird. Vueling habe – abgesehen vom Kaufpreis von 20 Mio. Euro – Niki zur Sicherung des Geschäftsbetriebs ein Massedarlehen über 16,5 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Drei Mio. Euro wurden, so Flöther, von der Fluglinie bereits in Anspruch genommen.

 

Rücktritt wäre Katastrophe

Vueling bzw. deren Tochter Anisec ist auch berechtigt, den Kreditvertrag zu kündigen, wenn „eine andere Person als der Darlehensnehmer zum Insolvenzverwalter bestellt wird“ oder wenn „der Insolvenzantrag der Niki zurückgenommen wird“. Ein Rücktritt vom Kauf durch Vueling wäre ohnedies die Katastrophe schlechthin, sind alle Beteiligten einig.

Ist dieses umfangreiche Programm in nicht einmal zwei Monaten überhaupt zu schaffen? „Ja“, sagt Weinhofer. Es sei davon auszugehen, dass Insolvenz- und Masseverwalter eng zusammenarbeiten und zügig vorgehen. Viel Masse zur Verwertung dürfte es nicht geben. Eher Schulden: Zuerst war die Rede von 56 Gläubigern mit 1,3 Mio. Euro Forderungen. Später gab der KSV bekannt, 186 Gläubiger repräsentierten Forderungen von 153 Mio. Euro. Dabei dürften Mitarbeiter nicht berücksichtigt sein, räumt Weinhofer ein. Die Vermögensverhältnisse würden erst im Verfahren festgestellt.

Flöther, der ursprünglich auf ein Verfahren nur in Deutschland gepocht hatte, weil Niki in weiten Geschäftsteilen an der Air Berlin hing und von der Flug- und Budgetplanung über die Preisgestaltung bis zur Rechtsabteilung alles in Berlin angesiedelt war, signalisiert schon im Antrag Kooperationsbereitschaft: Zum einen räumt er ein, dass die Niki Luftfahrt GmbH ihren Firmensitz auf dem Flughafen Wien habe und auch ins Firmenbuch des Handelsgerichts Wien eingetragen sei. Zum anderen hält Flöther fest, dass gegen den Insolvenzantrag des Fluggastportals Fairplane kein Einwand bestehe, da dieser ebenfalls zu einem Sekundärinsolvenzverfahren führen würde. Und nicht zuletzt ersucht Flöther, dass im österreichischen Verfahren, das als Konkursverfahren (ohne Mindestquote) geführt werden solle, ein Gläubigerausschuss bestellt werde.

 

Bundesgerichtshof am Zug

Dennoch hat Flöther erst Anfang dieser Woche gegen den Beschluss des Landgerichts Berlin, dass das Hauptverfahren in Österreich laufen soll, beim Bundesgerichtshof Beschwerde eingelegt. Das Landgericht hatte zuvor den Spruch des von Fairplane angerufenen Amtsgerichts Charlottenburg aufgehoben, das Berlin für zuständig erklärt hatte.

Flöther sieht den Ausgang des Rechtsstreits pragmatisch: Sollte das deutsche Höchstgericht dem Landgericht Recht geben und gegen Deutschland entscheiden, könnte das beantragte Sekundärverfahren jederzeit in ein Hauptverfahren in Österreich umgewandelt werden, schreibt er im Antrag.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.01.2018)

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