Bilanzskandal um Kika/Leiner-Mutter: Steinhoff will frisches Kapital

Dem Möbelkonzern fehlen akut 200 Mio. Euro. Jetzt soll der Verkauf eines millionenschweren Aktienpakets frisches Geld bringen. Verhandlungen mit den Gläubigern brachten einen Etappensieg.

THEMENBILD: MOeBELKETTE KIKA/LEINER
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Dunkle Wolken hängen über der Möbelkette Kika und Schwesternunternehmen Leiner, seit Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen der Mutter Steinhoff bekannt wurden. – APA/HELMUT FOHRINGER

Der von einem Bilanzskandal gebeutelte internationale Möbelkonzern Steinhoff braucht dringend frisches Geld. Am Montag veröffentlichte die Kika/Leiner-Mutter Pläne, 29,5 Millionen Aktien an der Investmentholding PSG an institutionelle Investoren zu verkaufen. Die Verkäufe sollen aber nur über die Bühne gehen, sofern auch der Preis stimmt, betonte der Konzern in einer Aussendung. Sonst werde er von seiner Verkaufsabsicht wieder Abstand nehmen.

Die Papiere sind gemessen am Schlusskurs von Freitag laut Reuters umgerechnet rund 510 Millionen Euro wert. Steinhoff soll laut dem Nachrichtendienst insgesamt 16 Prozent an PSG - beziehungsweise rund 37 Millionen Aktien - halten.

Der deutsch-südafrikanische Konzern steht unter Druck, nachdem er Unregelmäßigkeiten in der Bilanz bestätigt hatte, von denen vor allem die europäischen Töchter betroffen sind. In Deutschland laufen seit Längerem Ermittlungen wegen möglicher Bilanzfälschungen. Die Wirtschaftsprüfer von Price Waterhouse Cooper hatten daraufhin Anfang Dezember ein unabhängiges Verfahren aufgenommen. Bis zum Jahr 2015 zurückliegende Bilanzen müssen überprüft und wohl neu erstellt werden.

Notverkäufe und Brückenkredite

Seit dem Jahreswechsel laufen in London nun bereits fieberhafte Verhandlungen zwischen dem weltweit zweitgrößten Möbelkonzern und seinen Geldgebern über eine mögliche Brückenfinanzierung. Parallel dazu versilberten die Töchter auf eigene Faust Vermögenswerte, Kika/Leiner etwa verkaufte in einer Hauruck-Aktion für kolportiere 50 bis 70 Mio. Euro das Vorzeigehaus auf der Wiener Mariahilfer Straße.

Akut sollen im Gesamtkonzern 200 Mio. Euro fehlen, die Finanzverbindlichkeiten betragen nach eigenen Angaben 10,7 Mrd. Euro. Kreditlösungen wurde mehrmals vertagt. Vergangenen Freitag dann eine kleine Entspannung: Eine Finanzspritze von 60 Mio. Euro sei abgesegnet, verkündete der Konzern, eine Lösung für die restlichen 140 Mio. Euro steht noch aus. Das nächste entscheidende Treffen soll für diese Woche Freitag anberaumt sein.

(loan)

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