Telekom: Klein Google in Rot-Weiß-Rot

Konzernchef Alejandro Plater baut die Telekom vom Telefonanbieter zum IT-Unternehmen um. Der Umsatz mit Cloud-Diensten soll sich jährlich verdoppeln und Einbußen im klassischen Mobilfunk wettmachen.

Telekom Austria Group CEO Plater addresses a news conference in Vienna
Telekom Austria Group CEO Plater addresses a news conference in Vienna
REUTERS

Als Alejandro Plater im August 2015 die Führung der Telekom Austria übernahm, was der Konzern ein klassischer Telekom-Anbieter. Das Handygeschäft brummte und das gute alte Festnetz erfing sich infolge der steigende Nachfrage nach Breitband-Diensten. Aber Plater, Vertreter des mexikanischen Mehrheitseigentümers America Movil des Milliardärs Carlos Slim, trat an, um die Telekom umzubauen: "Digitalisierung ist unser künftiges strategisches Kernthema", predigte er sooft wie möglich.

Und er tut es noch immer. "Wir entwicklen uns zu einem IT-Konzern", sagte Plater am Mittwochabend. Das heiße, man biete nicht nur neue Dienste und Geschäftsmodelle an, die Telekom digitalisiere sich auch selbst. So haben etwa im Vorjahr die Mitarbeiter 30.000 Online-Trainings absolviert. Eines der Kernthemen ist das Cloud-Geschäft. "Was Microsoft, Amazon, Google und andere können, wollen wir auch - und wir wollen ihnen Konkurrenz machen", lautet die nicht gerade bescheidene Vorgabe Platers. Dazu hat der Konzern im Vorjahr eine eigene Tochterfirma A1 digital gegründet. Inzwischen wurde auch der Schweizer Cloud-Anbieter Exoscale zugekauft. Dieses Geschäft will er nicht nur bestehenden und neuen Geschäftskunden in jenen Ländern anbieten, in denen die Telekom schon tätig ist - also außer Österreich auch Bulgarien, Weißrussland, Kroatien, Slowenien, Serbien und Mazedonien. Nach München wurde nun auch in Frankfurt eine Niederlassung gegründet - für deutsche Kunden.

In den kommenden fünf Jahren soll sich der Umsatz mit Cloud-Diensten verdoppeln - pro Jahr. Damit sollen sukzessive Einbußen im traditionellen Mobilfunk wettgemacht werden.

Neben den Cloud-Diensten steht das Internet der Dinge im Mittelpunkt. Weshalb die Telekom den neuen Mobilfunkstandrad 5G vorantreibt und demnächst den Dienst mit Testkunden startet.

Beste Infrastruktur

Wo soll die Telekom, die im Vorjahr wegen hoher Abschreibungen von 123,2 Mio. Euro wegen der Umstellung aller Marken auf  "A1" ein deutlich geringeres Nettoergebnis von 345,5 Mio. Euro (nach 413,2) erreicht hat, in fünf Jahren stehen? Platers Antwort ist klar: In allen Ländern, wo der Konzern tätig ist, soll die digitale Transformation vollzogen sein. Darüber hinaus soll die Telekom ein Medienunternehmen werden, das heißt noch mehr als bisher Filme anbieten. Und nicht zuletzt bleibt die Vorgabe, das beste Netz zu haben. Das braucht die Telekom, um den enorm schnell wachsenden Datenverkehr zu bewältigen und alle neuen Dienste anzubieten.

Vorerst verdient die Telekom aber auch im traditionellen Geschäft gutes Geld: In Summe ist der Umsatz im Vorjahr um drei Prozent auf 4,4 Mrd. Euro gestiegen. Als positiv wertete Finanzvorstand Siegfried Mayerhofer, dass das Festnetz aufgrund der Nachfrage nach Breitband und TV-Angeboten wieder wachse.  Im Mobilfunk schlug sich der Wegfall der Roaming-Gebühren mit rund 20 Mio. Euro negativ zu Buche. Auch im Ausland lief es überwiegen gut.  Als Sorgenkind bezeichnete Mayerhofer nur Slowenien, weil dort der Cashflow stark rückläufig sei.

Die Telekom wird daher wieder eine Dividende von 20 Cent pro Aktie zahlen - im Summe rund 133 Mio. Euro. "Das können wir uns leisten", sagte Plater und verwies darauf, dass die Telekom im Vergleich mit der Konkurrenz deutlich besser abgeschnitten habe. Auch der Aktienkurs sei im Vorjahr - nach jahrelanger Durststrecke - deutlich gestiegen. Heuer stehen bei einem erwarteten Umsatzwachstum von ein bis zwei Prozent Investitionen von 750 Mio. Euro an.

"Margarethe war unsere Wahl"

Dass er nun in der Politik mit Wirtschaftsministerin Margarethe Schramböck (der ehemaligen Chefin des A1-Österreich-Geschäfts), Infrastrukturminister Norbert Hofer und Finanzminister Hartwig Löger drei Ansprechpartner habe, stört Plater nicht. "Sie haben alle ein klar definiertes Kompetenzfeld, das ist gut", sagte Plater. Und: "Schramböck war unsere Wahl." Was er nicht offiziell sagt: Zwischen ihm und Schramböck herrschte nicht immer eitel Wonne, sie verließ schon im Oktober 2017, lange  vor ihrer Bestellung zur Ministerin, das Unternehmen. Und ihr Posten ist noch nicht nachbesetzt.

     

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