Deutscher Innogy-Deal könnte 5000 Jobs kosten

Die Befürchtungen vor einem Abbau von tausenden Arbeitsplätzen bei der Zerschlagung des Energiekonzerns Innogy haben neue Nahrung erhalten.

AFP (PATRIK STOLLARZ)

Der Energiekonzern E.ON teilte am Montagabend mit, nach der geplanten Übernahme der Netz- und Vertriebsgeschäfte von Innogy könnten bis zu 5000 der über 70.000 Arbeitsplätze wegfallen, die die fusionierten Bereiche derzeit hätten. Die Gewerkschaften Verdi und IGBCE hatten zuvor betont, sie gingen von einem Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen aus. E.ON warb damit, dass gleichzeitig im kommenden Jahrzehnt wohl tausende neue Arbeitsplätze geschaffen würden.

Die Aufsichtsräte von E.ON und RWE stimmten dem Deal zu. Bei RWE soll die geplante Übernahme des Ökostromgeschäfts von Innogy und von E.ON keine Jobs kosten. E.ON erwartet durch den Deal Synergieeffekte von jährlich 600 bis 800 Millionen Euro. Der Konzern legte am Montagabend auch Zahlen zum Geschäftsjahr vor. Nach einem Verlust von 16 Milliarden Euro 2016 fuhr der Versorger einen Gewinn von 4,2 Milliarden Euro ein. Für 2017 sollen die Anleger eine Dividende von 30 Cent je Aktie erhalten, für 2018 peilt E.ON 43 Cent an.

E.ON-Chef Johannes Teyssen und RWE-Boss Rolf Martin Schmitz wollen am Dienstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz ihre Pläne erläutern. Zuvor legt auch RWE seinen Jahresbericht vor. "Durch den strategischen Tausch von Geschäftsbereichen schaffen wir zwei hochgradig fokussierte Unternehmen, die eine bessere Zukunft für die europäische Energielandschaft gestalten werden", betonte Teyssen in einer Erklärung. "In der Transformation der Energiewelt sind erneuerbare Energien und konventionelle Kraftwerke zwei Seiten einer Medaille", sagte Schmitz. RWE werde zu einem starken Partner der Energiewende über Deutschland hinaus.

Am Montagvormittag hatte Innogy-Chef Uwe Tigges angekündigt, ungeachtet der Zerschlagungspläne von E.ON und RWE die Kern- und Wachstumsgeschäfte mit Milliardensummen auszubauen und zugleich die laufenden Kosten senken. Die Gründung von Innogy vor rund zwei Jahren sei wegen des "weltweiten Siegeszugs der Erneuerbaren" der richtige Schritt gewesen. Von den am Sonntag angekündigten Plänen zur Aufteilung des Konzerns war Tigges nach eigenen Worten am Samstagabend überrascht worden. Die Transaktion soll bis Ende 2019 abgeschlossen sein.

Tigges versuchte in einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden internen Brief, die Mitarbeiter zu beruhigen. "Uns ist völlig klar, dass Sie diese Nachrichten verunsichern", schrieb der 57-Jährige, der früher Konzernbetriebsratschef von RWE war. "Vorstand und Aufsichtsrat werden die vorgeschlagene Transaktion sorgfältig prüfen. Wir versichern Ihnen, dass die Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Unternehmens ebenso wie die unserer Aktionäre weiterhin an vorderster Stelle von uns verfolgt werden."

Zeitweise hatten sich Finanzkreisen zufolge auch einige ausländische Konzerne an Innogy interessiert gezeigt. Reuters hatte von Insidern erfahren, dass RWE auch mit dem italienischen Versorger Enel, der französischen Engie und Iberdrola aus Spanien gesprochen habe. Mit Iberdrola habe RWE vor Weihnachten sogar kurz vor einer Einigung gestanden. Zwei Banker, die in der Vergangenheit für Innogy gearbeitet haben, sagten, ein Gegenangebot sei unwahrscheinlich.

Die Börse jubelte über die Pläne der Konzerne. Innogy-Aktien legten um 12,1 Prozent zu, RWE um 9,2 und E.ON um 5,4 Prozent.

Verdi und die Gewerkschaft IG BCE begrüßten die Pläne. Sie sähen sie als Chance für alle Beteiligten, starke und investitionskräftige Unternehmen aufzubauen und Perspektiven für Wachstum und Arbeitsplätze zu erschließen. "Die Gewerkschaften gingen vom Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen und der Fortgeltung der Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen aus." Die Bundesregierung zeigte sich ebenfalls wohlwollend.

Die Kommunen - sie halten knapp 23 Prozent der RWE-Anteile - gab es nach anfänglichen Zweifeln Rückendeckung. Das Vorhaben sei strategisch und finanzwirtschaftlich grundsätzlich positiv zu werten, hieß es in einer Mitteilung. "Wir begrüßen außerdem, dass ein deutsches Unternehmen neuer Partner der RWE AG und damit indirekt auch für die Kommunen wird." Sie würden den Prozess positiv begleiten, aber dabei auch Wert darauf legen, dass die kommunalen Interessen gewahrt und gestärkt würden. 

(Reuters)

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