Baumit geht nach Zukauf auf die Umsatzmilliarde los

Beim Baustoffunternehmen Baumit, das aus der Übernahme der Kärntner Wietersdorfer-Gruppe durch die niederösterreichische Wopfinger-Gruppe hervorgegangen ist, stehen die Zeichen weiter auf Wachstum.

Willfried Gredler-Oxenbauer

Beim Baustoffunternehmen Baumit brachte in Deutschland die Übernahme der Produktionsgesellschaft Krusemark Edelputz und der Vertriebseinheit Schaefer Krusemark unter Dach und Fach. Über den Kaufpreis wurde den Unternehmensangaben von heute, Donnerstag, zufolge Stillschweigen vereinbart. Verkäufer sind der Kalkproduzent Schaefer Kalk und die Unternehmerfamilie Krusemark-Camin. Die Zustimmung der zuständigen Kartellbehörden steht noch aus. Die beiden deutschen Firmen erzielen einen Umsatz von mehr als 20 Millionen Euro pro Jahr und beschäftigen rund 60 Mitarbeiter. "Durch die Übernahme steigt unser Umsatz in Deutschland heuer voraussichtlich auf über 210 Millionen Euro", sagte Baumit-Chef Robert Schmid im Gespräch mit der APA.

Damit erreicht das Unternehmen in Deutschland umsatzmäßig beinahe dieselbe Dimension wie in seinem Heimatland Österreich, wo die Verkaufserlöse heuer von rund 210 auf 230 Millionen Euro zulegen sollen. Der deutsche Markt ist aber zehn Mal größter. "Da ist also noch Potenzial und wir arbeiten daran", betonte Schmid. Die jüngste Übernahme sei "ein weiteres Puzzlestück in dem Gesamtbild, das uns vor Augen schwebt".

Die gesamte Baumit-Gruppe will heuer die Umsatzmilliarde knacken, nachdem sie 2017 bereits Verkaufserlöse in Höhe von 950 Millionen Euro erzielt hat. Vor der europäischen Ostöffnung ab 1989 war das Unternehmen wesentlich kleiner - vor 30 Jahren lag der Jahresumsatz erst bei knapp über 50 Millionen Euro. Der Personalstand umfasste damals rund 340 Mitarbeiter, heute sind es 3.200, 600 davon in Österreich, 500 in Deutschland. Hinter Österreich und Deutschland sind Polen, Tschechien und Ungarn die umsatzstärksten Märkte der Baustofffirma.

Baumit ist in insgesamt 27 Ländern vertreten, zum Teil nur mit Vertriebsniederlassungen. Insgesamt betreibt die Gruppe laut Schmid über 50 Werke. "Je größer das Land flächenmäßig ist, desto schwieriger ist es, gute Erträge zu erwirtschaften, weil wir als Baustoffhersteller relativ günstige Produkte verkaufen und wir uns als Nahversorger verstehen, der nah am Kunden sein muss", so der Geschäftsführer der Baumit Beteiligungen GmbH.

 

Frankreich im Fokus

Betreffend Expansion will sich Baumit in den nächsten Jahren "auf westeuropäische Länder" konzentrieren. Erst kürzlich hat das Unternehmen das Fassadengeschäft des französisch-belgischen Baustoffherstellers Cantillana erworben. "Jetzt haben wir mal Frankreich im Fokus, dann geht's in Richtung Spanien", skizzierte Schmid die weiteren Schritte. Auf dem großen deutschen Markt müsse man, "einfach Chancen ergreifen, die sich ergeben". "Wir werden nicht zwanghaft Akquisitionen anstreben."

Das stärkste Wachstum habe Baumit in den Jahren 2000 bis 2008 hingelegt - "in der Boomzeit der osteuropäischen Wirtschaftsentwicklung". Danach kam die Finanzkrise. 2008 erzielte die Baustoff-Gruppe rund 650 bis 700 Millionen Euro Jahresumsatz. "Seit zwei, drei Jahren geht es wieder bergauf", berichtete der Unternehmenschef. Derzeit liefen im Grunde alle Länder gut. "Die Wirtschaftskrise ist überwunden, die Baukonjunktur ist europaweit ausgezeichnet." Es könne aber durchaus sein, dass es da wieder zu einem Dämpfer komme - allerdings nicht plötzlich. "Ich habe sehr wohl die Sorge, dass wir vor einer Überhitzung der Konjunktur stehen", räumte Schmid ein. Aber das sei das übliche Auf und Ab in der Branche. "Sonst wäre es ja langweilig."

(APA)

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