Zocken mit Kika/Leiner und Steinhoff

Die Kika/Leiner-Mutter Steinhoff war fast 20 Milliarden Euro Milliarden wert. Heute gibt es die Aktie um ein paar Cent. Nur noch Zocker machen mit dem Papier ein Geschäft.

APA/HELMUT FOHRINGER

Am 26. Juni 2013 war die Welt noch in Ordnung. „Als in diesem Land groß gewordenes Familienunternehmen war es für uns entscheidend, dass mit dem neuen Eigentümer der Erhalt der Marke, Kontinuität und Sicherheit für die Arbeitsplätze gegeben sind. Daher haben wir uns für Steinhoff entschieden - auch deshalb, weil Steinhoff heute nicht nur ein extrem erfolgreiches, börsennotiertes Unternehmen ist, sondern auch - wie wir - aus einem Familienunternehmen entstanden ist und dieselbe Qualitätsphilosophie hat." Das sagte damals Herbert Koch, langjähriger Ex-Chef und amtierenden Aufsichtsratschef der Kika/Leiner-Gruppe, die er eben erfolgreich nach Südafrika verkauft hatte.

Die Gruppe zählte zu diesem Zeitpunkt mit rund 7500 Mitarbeitern an 73 Standorten in sieben Ländern und einem Jahresumsatz von rund 1,2 Milliarden Euro zu den führenden Möbelhandelsunternehmen Europas. Dass zuletzt elf Millionen Euro Verlust geschrieben wurden, wurde anlässlich des Verkaufes nicht extra erwähnt wie auch nicht der Kaufpreis, die deutlich mehr als eine halbe Milliarde Euro ausgemacht hat.

 

Erst Frankreich, dann Österreich

Drei Mal so teuer war drei Jahre zuvor die Übernahme der französischen, 3,3 Milliarden Euro Umsatz großen Conforama-Gruppe, mit der die Südafrikaner ihren Feldzug in Europa eröffnet hatten. Der vom Deutschen Bruno Steinhoff gegründete Möbelonzern konnte sich die Expansion mit einer weiteren Übernahme in Österreich locker leisten, hatte er doch ein Rekordjahr mit 8,6 Milliarden Euro Umsatz und 641 Millionen Euro Gewinn hinter sich und mit 4,4 Milliarden Euro Börsewert auch hochzufriedene Aktionäre. Es sollte noch viele Rekorde folgen und der Börsewert auf fast 20 Milliarden Euro steigen. Schließlich gab es hochtrabende Pläne und Erwartungen. Analysten sagten bereits 21 Milliarden Euro Umatz und 1,7 Milliarden Euro Gewinn für Geschäftsjahr 2018 voraus.

6,14 Euro standen am 18. September 2016 auf dem Kurszettel in Frankfurt, wo Steinhoff sich (nebst Johannesburg) ebenfalls hatte listen lassen. Während in Österreich die Geschäfte von Kika und Leiner schleppend gingen, verging auch den Anlegern mehr und mehr die Freude an der Steinhoff-Aktie. Zunächst waren es nur Gerüchte über Bilanztricksereien, dann die eingestandenden Tatsachen: Im Dezember 2017 sackte das Papier binnen wenige Tage auf 30 Cent ab. 90 Prozent des Börsewerts waren verloren. Seither greifen nur noch Zocker zu. Sie brauchen weniger eiserne Nerven als vielmehr ein glückliches Händchen für Tagesgewinne von 10, 20 Prozent.

Aktienanalysten haben längst das Handtuch geschmissen. Wer wagt schon eine Einschätzung, wenn niemand weiß, was Sache ist? In Deutschland laufen seit längerem Ermittlungen wegen möglicher Bilanzfälschungen. Der Konzern muss sich zudem mit zahlreichen Klagen auseinandersetzen.

Donnerstag Vormittag war die Aktie 8,1 Cent wert. Da berichtete der "Standard" von der möglichen Insolvenz bei Kika/Leiner. Flugs waren ein paar Prozent verloren und 7,8 Cent völlig ausreichend. Später mehrten sich Meldungen, Immobilieninvester Rene Benko würde die Kika/Leiner-Gruppe retten wollen, was die Aktie auf 8,35 Cent hochtrieb. Binnen zwei Stunden waren sieben Prozent gewonnen. Ein angebliches Ultimatum Benkos für sein Angebot ist seit Stunden verstrichen. Was der Tag noch bringen wird? Wir werden sehen.

 

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