„Österreichisch zu bleiben, ist eine Herausforderung“

Die B&C-Holding kauft sich beim Softwarespezialisten TTTech ein und sucht eine weitere große Industriebeteiligung im Land.

Seit gestern arbeitet auch der deutsche Autobauer BMW beim autonomen Fahren mit der Wiener Softwareschmiede TTTech zusammen.
Seit gestern arbeitet auch der deutsche Autobauer BMW beim autonomen Fahren mit der Wiener Softwareschmiede TTTech zusammen.
Seit gestern arbeitet auch der deutsche Autobauer BMW beim autonomen Fahren mit der Wiener Softwareschmiede TTTech zusammen. – Matthias Balk / dpa / picturedesk.com

Wien. Während ÖVP und FPÖ noch darüber brüten, wie man aus der Staatsholding Öbib eine sinnvolle Beteiligungsgesellschaft machen könnte, legt die B&C-Holding – mit Wurzeln in der roten Reichshälfte – schon einmal vor. Im vergangenen Jahr warfen die B&C-Beteiligungen rund um die Schwergewichte Lenzing, Amag und Semperit deutlich mehr Umsatz und Gewinn ab. Der Verkauf etlicher Lenzing-Anteile spülte zudem „Hunderte Millionen Euro“ in die Kasse, die „in Österreich reinvestiert werden“, sagte Stiftungsvorstand Wolfgang Hofer. Auch das ist etwas, was der Staatsholding der Republik bis dato verwehrt blieb.

Einen ersten Fang präsentierte die B&C am Donnerstag: Die Holding (konkreter die Tochter BCII) übernimmt um einen zweistelligen Millionenbetrag neun Prozent der Softwareschmiede TTTech. Der Wiener Anbieter von Softwarelösungen rund um das Thema autonomes Fahren gilt als eines der vielversprechendsten Unternehmen des Landes und arbeitet eng mit deutschen Autobauern wie Audi, BMW und dem südkoreanischen Samsung-Konzern zusammen. „Es ist schwer, diese Schlüsseltechnologie in Österreich zu halten“, sagte Hofer. Für das Unternehmen wiederum sei es nach dem Einstieg der asiatischen Partner „eine Herausforderung gewesen, österreichisch zu bleiben“.

 

TTTech Auto soll an die Börse

Im vergangenen September wurde bekannt, dass sich Samsung um 75 Millionen Euro an TTTech beteiligt. Das Unternehmen sei damit vor einer Entscheidung gestanden, erzählte Gründer Georg Kopetz: Entweder volle Konzentration auf den Autosektor – und damit über kurz oder lang wohl auch ein Abschied von Mitteleuropa. Oder die Suche nach einem Weg, langfristig in Österreich zu bleiben und sich breiter aufstellen zu dürfen. Die B&C-Holding, die die Förderung des österreichischen Unternehmertums als Stiftungszweck hat, sei dafür der ideale Partner.

Um Klarheit zu schaffen, gibt sich TTTech mit Juni auch eine neue Firmenstruktur. Als Mutter fungiert nun die TTTech Group, an der B&C beteiligt ist. Die Autosparte ist in die Tochter TTTech Auto ausgegliedert. 47,6 Prozent gehören der TTTech Group, den Rest halten Audi, Infineon, Samsung und GE Ventures. Ziel für das Unternehmen sei der Börsegang – am liebsten in Wien. Die Geschäfte rund um die Automatisierung von Flugzeugen, Bau- und Landmaschinen sowie der Industrie sind in der neuen Tochter TTControl zusammengefasst.

Anders als bei ihren Industriebeteiligungen, wo B&C meist 50 Prozent und eine Aktie anstrebt, soll bei TTTech vorerst bei zehn Prozent Schluss sein.

 

Interesse an Jenbacher ist hoch

Genug Geld für weitere Zukäufe hätte die Holding aber – und den entsprechenden Appetit auch. „Es ist kein Geheimnis, dass wir eine vierte Industriebeteiligung suchen“, sagte Wolfgang Hofer.

Allerdings gestalte sich diese Suche derzeit schwieriger als erwartet. Gegen strategische Investoren habe die B&C einen schweren Stand, da „Geld nichts mehr wert ist“ und die Holding ihren Beteiligungen kaum Synergien anzubieten habe. Zudem sei man wählerisch und prüfe Hunderte Unternehmen, bevor ein Zukauf ernsthaft überlegt werde. „Einen Fehlschuss kann sich die B&C nicht leisten“, sagte Hofer. „Hinter uns steht kein Steuerzahler. Wir müssen mit unseren Mitteln vorsichtig umgehen.“

Ein Wunschkandidat ist bekanntermaßen die GE-Gasmotorensparte rund um die Tiroler Firma Jenbacher. B&C hatte sich zuletzt gemeinsam mit einem US-Fonds um Jenbacher bemüht. Nach Bloomberg-Informationen sei das Duo aber aus dem Rennen ausgestiegen. Davon wollte Wolfgang Hofer nichts wissen. „Wer an einem Unternehmen wie Jenbacher kein Interesse hat, ist entweder blind oder impotent.“ (auer)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2018)

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