Vorwürfe gegen Holzindustrie Schweighofer in Rumänien und der Ukraine

Das Unternehmen Schweighofer ist wieder in den Schlagzeilen. Der WWF widmet den Holzeinkäufen in der Ukraine und Rumänien eine Pressekonferenz.

Das Holzunternehmen von Gerald Schweighofer steht am Pranger
Das Holzunternehmen von Gerald Schweighofer steht am Pranger
Das Holzunternehmen von Gerald Schweighofer steht am Pranger – Elke Mayr / WB

Das Unternehmen Holzindustrie Schweighofer ist wieder in den Schlagzeilen. Wieder gibt es Medienberichte, wonach die österreichische Firma Holzindustrie Schweighofer mit schweren Vorwürfen der Umweltorganisationen EIA (Environmental Investigation Agency) und Earthsight konfrontiert ist - in Rumänien und der Ukraine. Schweighofer wehrt sich gegen die Vorwürfe. Am Donnerstag gibt der WWF eine Pressekonferenz zum Thema in Wien.

Am Dienstag berichtete die rumänische Nachrichtenagentur Agerpres unter Berufung auf EIA, dass Schweighofer weiterhin Holz aus rumänischen Nationalparks kaufe. Auch in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" werden Vorwürfe gegen Schweighofer in Rumänien und der Ukraine thematisiert.

Auch der WWF thematisiert die Vorwürfe gegen Schweighofer- aber auch weitere heimische Holzunternehmen wie Egger und Kronospan - in der Ukraine in einer Einladung zu einer Pressekonferenz am Donnerstag dieser Woche. Demnach soll in der Ukraine ein Spitzenbeamter illegale Zahlungen von ausländischen Holzkonzernen gefordert haben, um diese Unternehmen mit billigem Holz aus ukrainischen Wäldern zu bedienen. In Rumänien werde indes durch Käufe von Zwischenhändlern sehenden Auges die Gefahr in Kauf genommen, dass Holz aus Nationalparks und aus den letzten europäischen Urwäldern entnommen werde und als illegales Holz im Handel lande, schreibt WWF.

Der WWF Österreich verweist in seiner Einladung auf die Europäische Holzhandelsverordnung EUTR (European Timber Regulation). "Unser Unternehmen handelt entsprechend der Europäischen Holzhandelsverordnung", sagte ein Sprecher von Schweighofer auf APA-Anfrage am Dienstag. Über Gesetze hinausgehend gebe es strenge Unternehmensrichtlinien für die gesamte Wertschöpfungskette.

 

16 Lieferanten aus der Ukraine?

Aus Anlass des Earthsight-Berichts stellt Holzindustrie Schweighofer die Rahmenbedingungen, Prinzipien und Verantwortungskreise ihres Engagements in der Ukraine so dar: In den Jahren 2012 bis 2016 sei der Schwerpunkt der Tätigkeiten des Unternehmens auf dem Import von Nadelsägerundholz für dessen rumänische Verarbeitungsbetriebe gelegen. Insgesamt seien unter Einhaltung aller Gesetze seit 2012 rund 3,5 Millionen Kubikmeter Nadelsägerundholz nach Rumänien importiert worden. Mit Inkrafttreten eines ukrainischen Exportmoratoriums für Tannen- und Fichtensägerundholz habe Holzindustrie Schweighofer diesen Import mit November 2015 eingestellt. Ein ukrainische Exportmoratorium für Kiefersägerundholz wurde mit Ende Dezember 2016 wirksam, auch hier habe Schweighofer den Import dieser Produkte eingestellt. "Aktuell bezieht Holzindustrie Schweighofer aus der Ukraine ausschließlich Nadelschnittholz von 16 Lieferanten."

Für den WWF Österreich hingegen besteht eine tiefe Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit der EUTR. Es habe sich in den vergangenen Jahren nichts verändert, die EUTR greift nicht. Also müssten die zuständigen nationalen Behörden (in Österreich das Bundesamt für Wald) nun "endlich dafür sorgen, dass diese europäische Verordnung in den EU-Mitgliedsländern so implementiert wird, dass sie auch greift - und jegliches illegales Holz auf den europäischen Märkten künftig verbannt wird."

Auch im heutigen Agerpres-Bericht unter Berufung auf die EIA wird nicht nur Schweighofer, sondern auch Egger und Kronospan genannt. Demnach habe Schweighofer in Rumänien 250 Holzdepots. Die tatsächliche Herkunft des Holzes sei aber nicht rückverfolgbar.

 

Kein Holz aus Nationalparks

Schweighofer habe sich freiwillig verpflichtet, kein Holz aus Nationalparks zu verarbeiten, sagte dazu der Schweighofer-Sprecher am Dienstag. Dies, obwohl eine Holzernte in Teilen der Nationalparks gesetzlich erlaubt sei. Ein Holznachverfolgungssystem mache die rumänische Lieferkette sehr wohl transparent. Bei den Holzdepots gebe es strenge Sicherheitssysteme. Zudem gebe es Pilotprojekte, um die Sicherheit weiter zu verstärken. Schweighofer verarbeite rund 6 Prozent der jährlichen Holzernte in Rumänien und importiere rund 60 Prozent des Holzes, das im Balkanstaat verarbeitet werde.

Insgesamt habe Schweighofer rund eine Million Euro in seine "Sicherheitsarchitektur" investiert und verbessere diese im Dialog mit der Öffentlichkeit und Umweltschutzorganisationen fortlaufend weiter, betonte der Sprecher.

(APA)

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