Facebook, Snap & Co. straucheln

Nach Jahren des Wachstums tauchen Probleme für die sozialen Netze auf. Twitter, Facebook und Snapchat verlieren Nutzer. Die Aktien gehen runter. Ist der Hype vorbei?

Die Foto- und Video-App Snapchat hat mit schwindenden Nutzerzahlen zu kämpfen.
Die Foto- und Video-App Snapchat hat mit schwindenden Nutzerzahlen zu kämpfen.
Die Foto- und Video-App Snapchat hat mit schwindenden Nutzerzahlen zu kämpfen. – REUTERS

Wien/San Fancisco. Die Handy-App Snapchat hatte zu Beginn ein definierendes Feature: Fotos und Videos sind nach kurzer Zeit wieder verschwunden. Wie ein sich selbst zerstörender Auftrag an einen Geheimagenten. Vor allem bei Teenagern war das beliebt.

Jetzt hat Snap, die Mutterfirma von Snapchat, ein Problem: Die User verschwinden. Im zweiten Quartal hat Snapchat drei Millionen aktive Nutzer verloren. Es war das erste derartige Minus, seit die Firma 2017 an die Börse gegangen ist. Dass gleichzeitig steigender Umsatz und schrumpfender Verlust vermeldet wurden, konnte die Anleger nur kurz beruhigen.

Sie sind nach einer Reihe von schlechten Nachrichten ohnehin schon nervös, was die Superstar-Aktien aus dem Tech–Sektor betrifft. Vor allem soziale Netzwerke, die bis vor Kurzem als unfehlbar galten, kommen immer stärker unter Druck. Und bei Snap kommt die übermächtige Konkurrenz von Facebook noch dazu. Genauer gesagt: von Instagram, einer Facebook-Tochter. Mit einer Milliarde Usern, die es zumindest einmal pro Monat anschalten, ist Instagram ohnehin schon zehnmal so groß wie Snapchat. Offener Krieg herrscht zwischen den Apps, seit Instagram mit „Stories“ eines der Kern-Features von Snapchat kopiert hat. Diese „Stories“ bestehen in der Regel aus kurzen Videos und werden von Sportlern, Musikern und Models genauso gern genutzt wie etwa von Politikern und Firmen, die Instagram als Werbeplattform nutzen.

 

„Quasi staatliche Rolle“ für Facebook?

Zudem hat sich Snapchat selbst ins Bein geschossen, als man Anfang des Jahres ein komplettes Redesign der App durchführte. Das war darauf ausgelegt, besser als Plattform für Firmen und Berühmtheiten zu funktionieren – hat aber das Gegenteil bewirkt. Die Amerikanerin Kylie Jenner, die durch Snapchat groß geworden ist, beschwerte sich im Februar vor ihren 25 Millionen Twitter-Followern über die neue Snap-App, was einen Absturz der Aktie mit sich brachte. Erst nach monatelangen Protesten der User wurden einige der Änderungen zurückgenommen.

Für Snapchat eine vergebene Chance. Denn während man mit der eigenen Community zu kämpfen hatte, geriet Facebook immer weiter in den Datenskandal. Auch die Rolle als politische Figuren und Propagandakampagnen setzen Facebook und Twitter zu, während Snapchat von dem Thema nicht tangiert wird. Aktuell befinden sich beide großen Netzwerke in einem Konflikt über die Behandlung des bekannten Verschwörungstheoretikers und Trump-Fans Alex Jones. Der hat seine Berühmtheit dem Internet und den sozialen Netzen zu verdanken – so wie Kylie Jenner, die vor allem fürs Berühmtsein berühmt ist.

Facebook ließ nun aber vier „Pages“ sperren, die mit Jones in Verbindung stehen. Auch die Videoplattform YouTube, die zu Google gehört, ließ die Videos von Jones löschen. Apple und Spotify haben seine Podcasts aus dem Programm genommen. Auslöser: Jones hatte behauptet, das Massaker an 26 Kindern in der Highschool von Sandy Hook im Dezember 2012 hätte nie stattgefunden und sei gestellt gewesen, um eine Basis für die Anti-Schusswaffen-Politik Barack Obamas zu liefern.

Jones wird derzeit von Eltern der damals getöteten Kinder verklagt. Anders als die Konkurrenz hat Twitter die Accounts von Alex Jones noch nicht gesperrt. Die sozialen Netzwerke geraten hier zwischen die politischen Fronten. Tendenziell gehen sie vor allem gegen politisch rechten Content vor. Das bringt ihnen die Kritik der Rechten und Konservativen ein – während die stets Linken fordern, noch mehr zu tun.

Der britische „Economist“ schreibt dazu, dass die Netzwerke hier in eine quasi staatliche Rolle gedrängt werden könnten. Für Wachstum und Börsenkurse sind diese Kontroversen jedenfalls nicht positiv.

Facebook und Twitter spielen auch bei der laufenden Diskussion um eine mögliche Einflussnahme Russlands auf die jüngsten US-Präsidentschaftswahlen immer wieder eine Rolle. So wie Snapchat hat auch Twitter zuletzt User verloren. In Europa sind sogar Facebooks Zahlen rückläufig. Analysten fragen jetzt, ob der Hype um soziale Netzwerke langsam ein Ende hat, weil die westlichen Märkte gesättigt sind.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2018)

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