Milliarden-Deal: Siemens liefert ÖBB neue Züge

Die 700 Railjets im Wert von 1,5 Mrd. Euro, die in Wien und Graz gebaut werden, sichern die Österreich-Tochter auch nach der Fusion der Bahnsparten von Siemens und Alstom ab.

PRAESENTATION 'RAILJET'
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APA

Es ist einer der größten Aufträge im europäischen Bahngeschäft: Die ÖBB kaufen 700 Reisezugwagen im Wert von 1,5 Mrd. Euro. And the Winner is – Siemens. Genau genommen die Österreich-Tochter des deutschen Industrieriesen, denn hierzulande, in Wien und Graz, ist das Bahn-Kompetenzzentrum angesiedelt.

Siemens hat sich bei der Großorder unter anderem gegen Bombardier durchgesetzt. Auch, weil der Konzern Spezialist für Schlafwagen ist. Nach der zehntägigen Einspruchsfrist wurde nun der Rahmenvertrag fixiert, teilten die ÖBB am Freitag mit.

In einem ersten Schritt rufen die ÖBB acht „Railjets“ für den Tages-Betrieb und 13 „Nightjet“-Garnituren im Wert von rund 375 Mio. Euro ab. Die Produktion der 163 Wagen vom Typ „Viaggio“ soll im April 2019 im Werk in Wien beginnen.

Mit diesem Großauftrag sichert Siemens Österreich mit insgesamt rund 10.300 Mitarbeitern seine schon bisher hervorragende Position innerhalb des Konzerns ab. Aber nicht nur das: Das Bahn-Kompetenzzentrum mit jeweils rund 1200 Beschäftigten in Wien und Graz dürfte auch nach der gerade laufenden Fusion der Bahnsparten von Siemens und Alstom unbestritten sein. Während in Graz vor allem die Fahrwerke (Drehgestelle) produziert werden, kommen die Wagen inklusive aller Technik aus Wien-Simmering.

Hohe Wertschöpfung

„Der Löwenanteil der Wertschöpfung bleibt in Österreich, denn wir bauen nicht nur die Züge in Wien und Graz, sondern nutzen die Kompetenz von rund 1000 Zulieferern, meist Klein- und Mittelbetriebe“, betont der Chef von Siemens Österreich, Wolfgang Hesoun. Insofern seien die Züge eine „Erfolgsgeschichte in Rot-Weiß-Rot“.

Im ewigen Konkurrenzkampf mit Bombardier steht es jetzt – zumindest, was Österreich betrifft – mehr oder weniger 1:1: Während die Kanadier für die ÖBB 300 Regionalzüge („Talent 3“) im Wert von 1,8 Mrd. Euro und für die Wiener Linien die neue Wiener Straßenbahn Flexity bauen, hat Siemens Österreich auch noch den Auftrag für die neue fahrerlose U5 in Wien in der Tasche.

Know How „made in Austria“ steckt freilich auch schon im ICE-Nachfolgemodell, dem „Velaro Novo“. Die Drehgestelle des neuen Hochgeschwindigkeitszuges, der bis zu 360 Stundenkilometer machen soll, kommen ebenfalls aus Graz. Noch ist der Velaro nur ein digitales Simulationsmodell. Ab 2023 soll der dank Leichtbauweise mit einem Drittel weniger Energie auskommende Zug im Einsatz sein.

Die ÖBB, die seit 2008 Railjets von Siemens beziehen, modernisieren ihre Flotte. „Mit den neuen Nightjets untermauern wir vor allem unsere führende Rolle in Europa im Nachtreiseverkehr“, sagt ÖBB-Boss Andreas Matthä. Die Deutsche Bahn ist aus wirtschaftlichen Gründen aus dem Nachtgeschäft ausgestiegen. In diese Lücke stoßen nun die ÖBB.

Nur mehr drei Kernsparten

Der Siemens-Konzern steht vor einer großen Umstrukturierung: Künftig soll es drei Kernsparten geben: Energie und Gas, Infrastruktur (Gebäudetechnik und Netze) und Digital Industries. Medizintechnik, Windkraft und Zugtechnik wurden verselbstständigt. Das Bahngeschäft wird mit Alstom fusioniert, um der weltweiten Nummer eins, der chinesischen CRRC, Paroli bieten zu können.

Die Siemens-Aktie hat sich am Freitag so gut wie nicht bewegt. Der Kurs ist mit rund 100 Euro wieder auf dem Niveau vom Jahresanfang – nach einem Anstieg auf über 120 Euro.

(APA)

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