Post vom Konzernchef: Die Deutsche Bahn ist "in einer "schwierigen Situation"

Steigende Schulden, sinkende Gewinne, späte Züge und ein Ausgabenstopp - die Deutsche Bahn ist offenbar in der Krise. Der Chef greift in einem internen Schreiben zu deutlichen Worten.

Bahngleis mit Zugreisenden an der Haltestelle Koeln Bonn Airport Koeln 31 08 2016 Foto xC xHardtx x
Bahngleis mit Zugreisenden an der Haltestelle Koeln Bonn Airport Koeln 31 08 2016 Foto xC xHardtx x
Bei der Deutschen Bahn ist nicht alles auf Schiene. Ihr Chef tritt die Flucht nach vorne an und warnt seine Führungskräfe. – imago/Future Image

Der Chef der Deutschen Bahn, Richard Lutz, soll zu einem ungewöhnlichen Mittel gegriffen haben, um alle Führungskräfte seines Unternehmens auf einen Schlag über dessen wirtschaftliche Situation aufzuklären: In einem Brief von Lutz und seinen Vorstandskollegen, der der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntagabend vorlag, warnen diese, dass der Konzern "in einer schwierigen Situation" ist. Sie habe sich in den vergangenen Monaten nicht verbessert, sondern verschlechtert.

"Da gibt es leider nichts zu beschönigen", wird aus dem Schreiben zitiert. Das operative Ergebnis liege auch per Juli "deutlich unter Vorjahr und weit weg von unserer Zielsetzung". Das bereits auf 2,1 Milliarden Euro reduzierte Ergebnisziel für 2018 sei in Gefahr. Die Bahn häuft Schulden an, Züge verspäten sich, billige Konkurrenten wie Flixbus drängen nach und inmitten alldessen werde der Spielraum für die großen Reformen immer kleiner.

Die dritte Gewinnwarnung innerhalb von wenigen Monaten könne jedoch keine Antwort sein. "Es würde unsere finanzielle Lage weiter destabilisieren und Vertrauen und 'Goodwill', die wir bei Eigentümer und Öffentlichkeit noch haben, zusätzlich beschädigen", schreibt Lutz. Zuvor hatten das "Handelsblatt" und "Der Spiegel" über den Brief berichtet. Ein Bahn-Sprecher sagte am Sonntagabend: "Wir äußern uns nicht zu internen Schreiben."

Ausgabenstopp soll Schulden in den Griff kriegen

Mehrere Konzernmanager hatten am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, dass der Staatskonzern mit einem Ausgabenstopp ein weiteres Abrutschen verhindern wolle. Demnach dürfen Bestellungen ab einer bestimmten Summe nur noch mit Sondergenehmigung in Auftrag gegeben werden.

Hintergrund sei, dass sich im Nahverkehr und vor allem bei der seit Jahren kriselnden Güterbahn die Lage zuspitze. Zugleich wolle der Konzern unbedingt den Anstieg der Schulden begrenzen, der dieses Jahr die Schwelle von 20 Milliarden Euro erreichen könnte. Interne Berechnungen hätten ergeben, dass die Schulden bis 2023 ohne massives Gegensteuern auf den Rekordwert von 25 Milliarden Euro klettern würden.

Eine Sprecherin der Deutschen Bahn hatte am Freitag gesagt, dass bereits zur Halbjahresbilanz auf die wirtschaftlichen Herausforderungen hingewiesen worden sei. "Es ist es ein normaler unternehmerischer Vorgang hier gegenzusteuern. Ausdrücklich klar ist aber auch, dass an Maßnahmen für Qualität und Kundenzufriedenheit nicht gespart wird."

(APA/Reuters/red.)

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