Alibaba: Warum „Lehrer Ma“ sein Werk so früh den Schülern übergibt

Der Gründer des Onlinehandels-Giganten zieht sich mit nur 54 Jahren zurück. Ist der Held von Chinas Privatwirtschaft dem Regime in Peking zu mächtig geworden?

FILE PHOTO: Jack Ma, founder and executive chairman of Alibaba Group, attends an award ceremony for rural teachers organised by the Jack Ma Foundation, in Sanya
FILE PHOTO: Jack Ma, founder and executive chairman of Alibaba Group, attends an award ceremony for rural teachers organised by the Jack Ma Foundation, in Sanya
FILE PHOTO: Jack Ma, founder and executive chairman of Alibaba Group, attends an award ceremony for rural teachers organised by the Jack Ma Foundation, in Sanya – (c) REUTERS (China Stringer Network)

Wien. Vom Tellerwäscher zum Milliardär, das geht auch in China. Das leuchtende Symbol dafür war bisher Jack Ma. Der charismatische Gründer von Alibaba hat es geschafft, die im Wohnzimmer gegründete Onlinehandelsplattform zum wertvollsten Unternehmen Asiens zu machen, mit einem Börsenwert von 420 Mrd. Dollar. Am Montag verkündete der Held der chinesischen Privatwirtschaft seinen Rückzug aus dem Geschäft – an seinem 54. Geburtstag. Das Ruder übernimmt in einem Jahr Daniel Zhang (46), der schon seit 2013 die operativen Geschäfte leitet.

Warum so früh? Offiziell will das Vorbild einer ganzen Generation von Jungunternehmern, über den Dutzende Bücher geschrieben wurden, in die Fußstapfen von Bill Gates treten und sich ganz der Wohltätigkeit widmen. Das Geld dazu hat er jedenfalls: Sein Vermögen wird auf über 40 Mrd. Dollar geschätzt, was ihn zum drittreichsten Chinesen macht. Die Ankündigung ist auch nicht unplausibel: Schon in den letzten Jahren tourte er die meiste Zeit als Aushängeschild des Konzerns rund um den Globus, traf Staatsmänner, motivierte Start-up-Gründer oder unterhielt Konferenzpodien mit volkstümlichen Weisheiten. Dabei sagte er immer wieder, dass er sich künftig auf philanthropische Arbeit konzentrieren wolle. Aber er ließ auch einmal fallen: „Unter den reichsten Männern in China gibt es wenige, mit denen es ein gutes Ende genommen hat.“

Was nun Spekulationen nährt, dass sich der Selfmademan aus Vorsichtsgründen von seinem Lebenswerk zurückzieht. Sein privatwirtschaftliches Imperium ist nicht nur im Onlinehandel dominant, als „chinesisches Amazon“ mit 576 Mio. aktiven Nutzern. Es umfasst neben Video-, Musik- und Cloudangeboten auch eine breite Palette an Finanzdienstleistungen, vor allen den landesweit beliebtesten Bezahldienst Alipay. Sehr viel Macht in privaten Händen ist der Führung in Peking immer suspekt.

Immer im Rampenlicht

Bekannt wurde der Fall des Fosun-Gründers Guo Guangchang, der 2015 vorübergehend verschwand – weil er „der Polizei bei Ermittlungen helfen musste“, wie es nach seinem Wiederauftauchen hieß.

Das Risiko steigt, wenn sich die „Crazy Rich Asians“ (der Titel eines aktuellen Erfolgsfilms) so stark ins mediale Rampenlicht drängen wie der extrovertierte Ma. Nach dem Amtsantritt von Donald Trump verärgerte er Peking mit einer diplomatischen Mission in eigener Sache: Er machte dem neuen US-Präsidenten, dessen Tochter Ivanka und Handelsminister Ross die Aufwartung – und stahl damit dem chinesischen Präsidenten Xi noch vor dessen erstem Staatsbesuch die Show.

Immer wieder prügelten Staatsmedien Alibaba wegen gefälschter Markenwaren auf der Plattform; auch Ma's teure Villa in Hongkong war Stein des offiziellen Anstoßes. Zurzeit legen die Behörden die regulatorischen Daumenschrauben bei Ant Financial an – der ausgelagerte, mit 150 Mrd. Dollar bewertete Fintech-Arm macht den Banken im Staatsbesitz immer lästigere Konkurrenz.

Die Alibaba-Aktie verlor am Montag über zwei Prozent. Was von Ma bleiben wird, ist das Vorbild – und der Trost: Er brauchte mehrere Anläufe für die Uni-Aufnahmeprüfung und scheiterte sogar mit einer Bewerbung als Verkäufer bei der Fast-Foodkette Kentucky Fried Chicken.

Erst als Englischlehrer konnte er Fuß fassen, weshalb ihn seine Mitarbeiter bei Alibaba „Lehrer Ma“ nennen. Nun lässt er die „Jüngeren und Talentierteren“ ran, denn: „Lehrer wollen immer, dass ihre Schüler sie übertreffen.“ Was auch immer sonst hinter seinem Rückzug steht: Das hat er schön gesagt. (gau)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2018)

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