High-Tech-Teleskope aus dem Mühlviertel für den Blick ins Universum

Die Mühlviertler Firma ASA hat sich binnen eineinhalb Jahrzehnten zu einem Global Player im Bereich von Profi-Fernrohren entwickelt.

APA/R. WEST (R. WEST)

Eine Firma baut im Mühlviertel High-End-Teleskope für den Blick ins Weltall. Astrosysteme Austria (ASA) liefert seine Fernrohre mittlerweile in alle Erdteile. Gerade hat das Unternehmen einen 700.000-US-Dollar-Auftrag der US-Air-Force an Land gezogen - für ein Teleskop, das im Orbit vollautomatisch nach Weltraummüll sucht. Und bald könnte ASA auch in einem anderen Geschäftsfeld Furore machen.

Die Firma aus Kefermarkt bei Freistadt stellt derzeit sieben bis acht mittelgroße und 20 bis 30 kleinere Teleskope im Jahr her. Die Entwicklung und Herstellung aller Komponenten findet im eigenen Betrieb statt. "Wir sind in der Branche das weltweit einzige Unternehmen, das alles selber macht: Optik, Mechanik, Elektronik und Software", sagt Geschäftsführer und Eigentümer Egon Döberl im Gespräch mit der APA. "Denn weniger Schnittstellen heißt auch weniger Fehler."

Zu den Kunden zählen heute vor allem Forschungsinstitute wie die Europäische Weltraumagentur ESA und ihr US-Pendant NASA. "Aber es gibt auch betuchte Privatpersonen, die sich um 200.000 Euro ein Teleskop kaufen, kleinere Sternwarten oder astronomische Vereine." ASA-Fernrohre detektieren dabei nicht nur Weltraumschrott - Teile, die bis zu zehn Zentimeter klein sind, können sichtbar gemacht werden. Sie verfolgen und vermessen die Bahnen von Satelliten oder suchen nach Exoplaneten außerhalb des eigenen Sonnensystems. In der Sternwarte des Haus der Natur in Salzburg sind seit wenigen Wochen zwei Teleskope aus dem Mühlviertel zu sehen.

Die produzierten Fernrohre werden dabei von Jahr zu Jahr größer. In Kefermarkt können Spiegel mit bis zu zwei Metern Durchmesser geschliffen werden - auf den 50.000tel Millimeter genau. Damit besetzt die oberösterreichische Firma die zweite Reihe hinter den ganz großen Projekten. "Es gibt eine Handvoll sehr, sehr großer Teleskope, etwa das im Bau befindliche Extremely Large Telescope (ELT) in der chilenischen Atacama-Wüste. Aber dahinter kommen wir", erzählt Döberl.

 

Wie alles begann

Dabei begann alles ganz klein. Im Alter von zwölf Jahren blickte der heute 53-Jährige zum ersten Mal durch ein Teleskop. "Das hat mich einfach nicht mehr losgelassen". Mit 16 baute er sich seine erste Sternwarte aus Holz. Doch ein Berufsleben in der Baubranche ließ das Hobby dann ruhen - bis Döberl vor bald 20 Jahren seine Leidenschaft für die Sterne als Ausgleich zur Arbeit wieder entdeckte.

"Ich habe keine vernünftigen Geräte für Amateure gefunden und zunehmend gemerkt, dass im High-End-Bereich eine Marktlücke offen war." ASA bediente zunächst vor allem Astrofotografen, die Bilder von Himmelskörpern in und außerhalb unseres Sonnensystems machen. "Ich wollte, dass sich jeder ein Bild vom Universum machen kann." Döberl begann damit, Korrektoren für gestochen scharfe Bilder ohne Verzerrungen zu bauen. Dann entwickelte er einen getriebelosen Motor für die Nachführung von Fernrohren. "Man muss die Erdrotation exakt ausgleichen, was bei 100- oder 200-facher Vergrößerung nicht so einfach ist. Sonst gibt das Strichspuren auf den Aufnahmen."

Die Herausforderungen der Gründerjahre waren aber nicht alleine technischer Natur. "Im Mühlviertel Teleskope bauen? Die Banken haben mich gefragt, ob ich noch ganz normal bin." Das Geld kam darum zunächst vor allem aus den Gewinnen von Döberls zweiter Firma, die Dämmungen für Fußböden herstellt. "Natürlich wären Investoren hilfreich, aber sie begrenzen einen auch. Sobald es Zweifel an der Umsetzbarkeit von Ideen und Projekten gibt, lassen sie lieber die Finger davon. Doch viele geniale Erfindungen sind gemacht worden, weil man eben nicht wusste, ob es funktioniert."

Mittlerweile beschäftigt ASA über 30 Mitarbeiter - auch Döberls drei Söhne sind im Haus tätig. Der Umsatz betrug zuletzt etwas mehr als vier Millionen Euro - Tendenz stark steigend. "Die Nachfrage ist in den vergangenen ein bis eineinhalb Jahren explodiert", sagt Geschäftsführer und Eigentümer Egon Döberl. "Die Auftragsbücher sind voll - mit einem Volumen von mehreren Millionen Euro."

Und weil sich Döberl, der auch den Privatpilotenschein besitzt, noch nie von etwas Neuem abschrecken hat lassen, arbeitet ASA derzeit an einem System für absolut abhörsichere Kommunikation. "Bei der optischen Kommunikation hat es zuletzt große Durchbrüche gegeben. Wir haben nun für das Institut für Quantenoptik und Quanteninformation der Österreichischen Akademie der Wissenschaften eine Bodenstation gebaut, die mit Satelliten kommunizieren kann." Der Markt dafür sei enorm - man rechnet mit bis zu 1.000 Stationen, die es in Zukunft braucht.

(APA)

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