"Schnell und einfach etwas tun": Wachstuch statt Plastikfolie

Bienenwachstücher können Frischhaltefolien aus Plastik ersetzen. Ein deutscher Student kommt mit seinem Start-Up kaum mit der Produktion nach.

Wertstoffhof Kunststoffrecycling Copyright JOKER ErichxH�fele JOKER110330568004
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Nur die Hälfte der Kunststoffverpackungen werden recycelt. – (c) imago/JOKER (imago stock&people)

Viele reden über die Unmengen von Plastikmüll, vor allem, wenn Plastik nur kurz verwendet wird, aber nur wenige handeln. Dazu gehört Lucas Grunhold, der nicht mit Reden zufrieden geben wollte. Einsparpotenzial offenbarte sich dem 28-Jährigen schon beim Anblick der Frischhaltefolie im eigenen Kühlschrank. Im Bekanntenkreis hatte der Student Bienenwachstücher als Alternative zum Verwahren kennengelernt. „Das hat mich überzeugt, weil es natürlicher und mehrfach verwendbar ist“, sagt der Hanseate zum „Hamburger Abendblatt“. Im Sommer startete er in der WG-Küche die erste Produktion für Eigenbedarf und Bekanntenkreis. Inzwischen hat Grunhold die Firma Gaia gegründet und stellt mit einem kleinen Team bis zu 500 Tuchsets in der Woche her.

Der stetig wachsende Berg an Plastikmüll in Deutschland ist gerade ein großes Thema. 24,9 Kilo Kunststoffverpackungen sammeln sich laut Umweltbundesamt bei jedem Deutschen im Jahr – nur beim privaten Verbrauch. Nur ein Teil wird recycelt. In der Folge belastet Mikroplastik zunehmend unsere Umwelt, vergiftet die Ozeane und rückt uns über Kosmetik und Essen immer näher. Grunhold weiß natürlich, dass sich die Welt nicht mit handgefertigten Wachstüchern retten lässt, aber er sagt: „Frischhaltefolie ist ein Thema, bei dem jeder schnell und einfach etwas tun kann.

Bienenwachs schützt vor Bakterien

Auf Stoffbahnen aus Biobaumwolle wird mit einem Pinsel in mit Jojoba-Öl und Baumharz geschmolzenes Bienenwachs aufgetragen. „Dadurch schließen sich die Poren“, erklärt der Jungunternehmer. Seine Gaia Wraps, benannt nach dem altgriechischen Begriff für die Erde, sind – außer aus Harz – ausschließlich aus biozertifizierten Materialien. Das Wachs schützt vor Bakterien, das Öl gegen Pilze und UV-Strahlung.

Inzwischen ist Lucas Grunhold mit seinen Gaia-Tüchern binnen weniger Monate schon in 50 Läden bundesweit vertreten. „Wir haben viele Anfragen“, sagt der Jung-Unternehmer – trotz Preisen ab 16,95 Euro, inklusive 50-Cent-Spende an das Projekt Stop Micro Waste. So hat sein Team vor allem das Problem, mit der Produktion nachzukommen. „Wir bauen jetzt an einer Maschine, um schneller zu werden und dadurch auch billiger“, sagt Grunhold. Sein Sortiment möchte er ausbauen. In der Entwicklung sind Beutel und Überziehhauben für Schüsseln aus Wachstuch – um noch mehr Plastik sparen zu helfen.

>>> Artikel im "Hamburger Abendblatt"

(red.)

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