Das Jahr der Elektroautos

Nicht nur die großen Hersteller wie Audi und Mercedes bringen heuer Elektroautos auf den Markt, auch kleine Start-ups mischen mit. VW setzt verstärkt auf China.

Nicht auf einer klassischen Automesse, sondern auf der aktuellen Consumer Electronic Show in Las Vegas stellte Byton sein Elektroauto vor.
Nicht auf einer klassischen Automesse, sondern auf der aktuellen Consumer Electronic Show in Las Vegas stellte Byton sein Elektroauto vor.
Nicht auf einer klassischen Automesse, sondern auf der aktuellen Consumer Electronic Show in Las Vegas stellte Byton sein Elektroauto vor. – John Locher / AP / picturedesk.com

Wien. Es ist ein richtig nettes Zwutschkerl: 3,35 Meter lang, um die 900 Kilogramm schwer, in der Sportversion in 3,4 Sekunden auf 100 km/h. Trotz seiner bescheidenen Reichweite von 121 bis 184 Kilometern müssen sich die großen Autobauer vor diesem kleinen Elektroauto fürchten. Aus zwei Gründen: Es kostet wohlfeile 15.900 Euro aufwärts, und es ist Beweis dafür, dass man keine jahrzehntelange Erfahrung im Autobau braucht, um ein Elektrofahrzeug auf den Markt zu bringen. Denn der e.Go ist ein Start-up der Universität Aachen in Deutschland.

Der kleine Pkw aus Deutschland soll ab Ende Mai erhältlich sein und ist eines von vielen neuen Elektroautos, die heuer auf den Markt kommen. Audi, Mercedes, VW – von fast alle Herstellern kommen Angebote, andere bringen neue Versionen ihrer bestehenden E-Autos (Renault die Zoe II, Nissan rüstet den Leaf auf). Der Boom hat einen einfachen Hintergrund: Ab kommendem Jahr gelten für die Autobauer strengere Abgasnormen. Die Flotte darf dann im Schnitt nicht mehr als 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen, bei Nichterreichen drohen Millionenstrafen. Diese Werte erreicht man nur mit einem hohen Anteil an Elektro- bzw. Hybridfahrzeugen. Ab 2030 werden die Abgasnormen noch einmal verschärft. Dann gelten rund 60 Gramm CO2 pro Kilometer – bei einem Benzinauto entspricht das einem Verbrauch von 2,6 Litern auf 100 Kilometer.

 

E-Mobility-Arena auf Vienna Autoshow

Im März steht der Audi E-tron bei den Händlern, im Juni wird Mercedes sein elektrisches SUV EQC anbieten, aktuell kaufen kann man bereits den Jaguar I-Pace. Was all diesen Autos mit einer Leistung um die 400 PS und einer Reichweite von etwa 400 Kilometern gemein ist: Sie qualifizieren sich nicht für die E-Auto-Prämie, die die Regierung eben verlängert hat („Die Presse“ berichtete in der Montagsausgabe). Denn diese um 1000 Euro auf 3000 Euro gekürzte Prämie gibt es nur für Autos mit einem Anschaffungspreis von bis zu 50.000 Euro.

E-Auto-Pionier Tesla schafft diese Vorgabe nicht einmal mit seiner neuen „Billigversion“, dem Model 3, das im ersten Quartal in Österreich erhältlich ist. Denn die angebotene Variante kostet 58.300 Euro, erst später im Jahr kann man auch die Minimalversion um 40.000 Euro kaufen.

Unter der Schwelle bleiben Hersteller wie Renault, Nissan, Kia oder auch Hyundai. Bei VW wird man noch einige Jahre auf einen echten Elektro-Volkswagen warten müssen, ein Modell für weniger als 20.000 Euro ist angeblich für 2022 geplant. Noch heuer wird das erste Modell der I.D.-Serie präsentiert, das Neo heißen soll, die Größe eines Golfs hat, eine Reichweite von mehr als 300 Kilometern und einen Preis um die 35.000 Euro.

Auf der Vienna Autoshow kann man ab Donnerstag bis Sonntag viele E-Modelle sehen, erstmals gibt es bei der Messe eine eigene E-Mobility-Arena.

 

VW: „Zukunft entscheidet sich in China“

Wobei Automessen für die Präsentation der neuen, innovativen Modelle teilweise uninteressant werden, wie die ums Überleben kämpfende Detroit Auto Show zeigt. Stattdessen setzen die Hersteller auf Elektronikmessen, wie etwa Byton, das sein Elektroauto gestern auf der Technikmesse CES in Las Vegas vorstellte. Das Unternehmen wurde von ehemaligen BMW-Managern gegründet und sorgte vor einem Jahr mit einer Studie für Furore. Der SUV–Prototyp M-Byte hat statt Anzeigen ein 1,2 Meter langes, gebogenes Display und setzt zur Steuerung auf den Amazon-Sprachassistenten Alexa.

Byton will Ende 2019 mit der Serienproduktion in China beginnen und das Auto zunächst auch nur dort anbieten. Erst 2020 wird es den Elektro-SUV um 45.000 Dollar auch in den USA und in Europa geben.

China ist Innovationsführer bei Elektroautos und wegen der hohen Stückzahlen für die Autobauer wichtig. VW-Konzernchef Herbert Diess meinte am Montag in Peking gar, dass sich „die Zukunft von Volkswagen auf dem chinesischen Markt entscheiden“ werde. Das Unternehmen wolle Fähigkeiten, die man derzeit noch nicht habe, vor allem in China aufbauen.

Tesla-Chef Elon Musk wiederum legte gestern den Grundstein für eine Autofabrik in Shanghai. Dort sollen schon Ende des Jahres die ersten E-Fahrzeuge vom Band laufen, Ziel sind 500.000 Autos pro Jahr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2019)

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