Stromimporte oder mehr Eigenerzeugung?

Durch die heimische Stromerzeugung kann der inländische Bedarf schon heute nicht gedeckt werden. Deshalb muss Österreich seit 2001 Strom aus dem Ausland importieren.

Bis 2020 muss mit einem steigenden Stromverbrauch in Österreich jährlich um rund zwei Prozent gerechnet werden. Durch die heimische Stromerzeugung kann der inländische Bedarf schon heute nicht gedeckt werden. Deshalb muss Österreich seit 2001 Strom aus dem Ausland importieren.

Im ersten Halbjahr 2009 sank der Stromverbrauch aufgrund der rückläufigen Industrieproduktion um 5,4 Prozent. Vergleicht man diese Zahl nun mit der erwarteten jährlichen Verbrauchssteigerung um rund zwei Prozent, könnte man meinen, dass sich dadurch die Import-Export-Schere schließen und auch der Ausbau von Kraftwerken obsolet werden könnte. „Diese Milchmädchen-Rechnung deckt sich allerdings nicht mit der Realität. Denn irgendwann wird die Wirtschaft wieder anspringen und Industriebetriebe die Produktion erhöhen“, so Barbara Schmidt, Generalsekretärin des Verbandes der Elektrizitätsunternehmen Österreichs (VEÖ). Dann müsse der Gesamtbedarf an elektrischer Energie auch gedeckt werden können. Und wenn es nach der E-Wirtschaft geht, sollte dieser aus heimischer Erzeugung kommen und nicht durch steigende Importe.

Langfristige Planung…

Deshalb plant die österreichische E-Wirtschaft bis 2020 Investitionen in der Höhe von 15 Milliarden Euro in den Ausbau und die Instandhaltung von Kraftwerken und Netzen. Im Fokus stehen dabei in erster Linie Investitionen in umwelt- und klimafreundliche Erzeugungsanlagen auf Basis Wasser, Wind und Biomasse. Aber auch thermische Kraftwerke werden zur Produktion von Basisstrom benötigt. Schmidt: „Natürlich müssen wir uns alle noch mehr bei der Energieeffizienz anstrengen. Nur: Durch Energieeinsparungen alleine können die erwarteten Verbrauchssteigerungen beim Strom nicht gedeckt werden“. Denn effiziente Technologien, wie sie etwa bei Passivhäusern Verwendung finden, sparen zwar beim Gesamtenergieverbrauch Österreichs (etwa Heizöl oder Gas). Gleichzeitig brauchen Passivhäuser aber zum Betrieb mehr Strom (z.B. für die automatische Beschattung, kontrollierte Wohnraumlüftung) als konventionelle Häuser.

…und Realismus sind angesagt

Einer aktuellen Gallup-Studie zufolge, befürwortet ein großer Teil der österreichischen Bevölkerung Kraftwerksprojekte, vor allem bei den erneuerbaren Energien: 90 Prozent der Befragten sprechen sich für Projekte im Bereich der Wasserkraft aus, bei den anderen Erneuerbaren ist die Zustimmung mit 97 Prozent sogar noch höher. Und über 70 Prozent haben keine Einwände gegen neue thermische Kraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung, die die entstehende Abwärme bei der Stromerzeugung effizient für Fernwärme nutzen. Und was die Kritiker – gerade jene aus dem Umweltbereich – zudem noch bedenken sollten: Je weniger Strom in Österreich produziert wird, desto mehr muss aus dem Ausland importiert werden. „Vermehrte Importe können aber kaum die Zielsetzung sein – denn beim Strom aus ausländischen Quellen können wir nicht sicherstellen, dass er so sauber produziert wurde wie österreichischer“, betont Schmidt.

Zur Info: Kein anderes europäisches Land hat einen ähnlich hohen Anteil an Erneuerbaren bei der Stromerzeugung wie Österreich – nämlich rund 67 Prozent. „Und auch mit unseren thermischen Kraftwerken könnte es kaum ein Land in puncto Effizienz und Umweltfreundlichkeit aufnehmen“, bekräftigt Schmidt.