Arbeiterkammer warnt vor Abzocke durch Inkassobüros

Die Arbeiterkammer Oberösterreich kritisiert überzogene Mahnspesen und Inkassobüro-Kosten. Eine Frau hätte etwa für Mietschulden von rund 4000 Euro das Vierfache bezahlen sollen.

Stempel Inkassobuero
Schließen
Stempel Inkassobuero
www.BilderBox.com

Laut Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich sind bei ihr Beschwerden über Inkassobüros an der Tagesordnung. Beispielsweise zahlte eine Arbeiterin, die 3875,92 Euro wegen ausständiger Miete schuldete, insgesamt 6650 Euro und sollte noch über 10.000 Euro begleichen. Die Konsumentenschützer raten Schuldnern sich aktiv zur Wehr zu setzen.

Die Frau verpflichtete sich 2006 zu monatlichen Ratenzahlungen für ihre Mietschulden in Höhe von 3.875,92 Euro. In elf Jahren bezahlte sie insgesamt 6650,00 Euro. Trotzdem forderte das Inkassobüro im Oktober 2017 weitere 10.290,69 Euro. Die Frau wandte sich an die AK und nach einem Schreiben, dass diese Vorgehensweise nicht berechtigt sei, zog das Inkassobüro die Forderung zurück.

Mehr als das dreifache der Forderung

Ein weiteres Beispiel aus der Praxis: Eine Frau kündigte ihren Internetanschluss, da die Monatsgebühr von 40 Euro nicht mehr abgebucht werden konnte, sandte der Betreiber 5 Mahnungen über je 11 Euro an die alte Adresse. Anschließend wurde ein Inkassobüro beauftragt, welches 90 Euro forderten. Am Ende summierten sich Mahnspesen und die Kosten des Inkassobüros auf 145 Euro - mehr als das dreifache der ursprünglichen Forderung.

Inkassokosten müssen zweckmäßig, notwendig und angemessen sein, betonte die Interessenvertretung. Sie rät, sich direkt an den Gläubiger zu wenden und eine Ratenzahlung zu vereinbaren, wenn man eine offene Forderung nicht begleichen kann. So muss kein Inkassobüro tätig werden. Denn wenn der Schuldner dem Gläubiger mitteilt, dass er nicht zahlen kann, ist die Verrechnung von Inkassokosten nicht zulässig.

Höchstsätze für Inkassogebühren

Bei höheren Forderungen dürfen die Inkassokosten die betriebene Forderung nicht übersteigen. Es sei ratsam, alle Unterlagen zur Forderung und Belege für Zahlungen aufzubewahren und sich die vollständige Bezahlung einer Forderung schriftlich bestätigen zu lassen. Bei langjährigen Ratenvereinbarungen sei zu beachten, dass die Zinsen nach drei Jahren verjähren, so die Konsumentenschützer.

Außerdem schreibe die Inkassogebührenverordnung Höchstsätze vor, die aber nicht in jedem Fall ausgeschöpft werden müssen. Es liege an jedem Schuldner selbst, zu prüfen ob die verlangten Kosten zulässig seien. Bei Zweifeln könne man sich an die Experten der AK wenden. Im Fall einer Überschuldung empfehlen die Konsumentenschützer, eine kostenlose Schuldnerberatung in Anspruch zu nehmen.

(APA/Red.)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Arbeiterkammer warnt vor Abzocke durch Inkassobüros

      Schließen

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.