Antibiotika in österreichischen Flüssen: Umweltministerium prüft streng

Durch intensive Tierhaltung würden Tierarzneimittel, Pestizide, Metalle und Nährstoffe im Überfluss in die Flüsse geschwemmt, kritisert Greenpeace in einem aktuellen Bericht. Man sei sich der Probleme bewusst, sagt das Umweltministerium.

Küken in einer deutschen Mastanlage.
Küken in einer deutschen Mastanlage.
Philipp Schulze

Ein am Donnerstag veröffenltichter Greenpeace-Wassertests, der in insgesamt zehn Staaten der EU Flüsse untersuchte, und dabei Antibiotika fand, hat für Aufregung gesorgt. Untersucht wurden 29 Gewässer, darunter auch österreichische Flüsse in der der Steiermark und in Oberösterreich. Die Proben der Gewässer in Ländern mit intensiver Tierhaltung ergaben in 70 Prozent der Fälle den Nachweis von Antibiotika und bei allen jenen von Pestiziden.

Die Behörden seien sich der Problemstellung bewusst, deshalb werden heimische Flüsse, Gewässer und Trinkwasser streng und regelmäßig untersucht, reagierte Daniel Kosak, Sprecher von Landwirtschafts- und Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), auf den Wassertest von Greenpeace. Die Landwirtschaftskammer warf Greenpeace "Panikmache" vor, der Bauernbund "falsche Stimmungsmache". Umweltlandesrat Rudi Anschober (Grüne) trat für mehr Monitoring ein.

Umweltministerium: Antibiotika stammen von Menschen

"Alle diesbezüglichen Untersuchungen vom Umweltbundesamt oder der AGES sind öffentlich zugänglich", betonte Kosak. Die Mengen von Antibiotika im Wasser befänden sich in Österreich im Bereich von Nanogramm und seien somit nicht gesundheitsgefährdend. Sie stammten zum größten Teil nicht aus der Landwirtschaft, sondern vom Menschen. Beim informellen Treffen der EU-Wasserdirektoren am (heutigen) Donnerstag in Wien geht es um den Wasserschutz in Europa. Wichtig wären einheitliche Grenzwerte für objektive Kontrollen. Das Umweltministerium habe "auf die Agenda gesetzt, dass solche gemeinsamen Grenzwerte erarbeitet werden sollen", sagte Kosak.

"Erschrocken und zutiefst besorgt" reagierte unterdessen SPÖ-Umweltsprecher Klaus Feichtinger auf den "Dirty Waters"-Report: "Die Regierung darf dieses Problem nicht mehr länger ignorieren und muss sicherstellen, dass keine illegalen und verbotenen Pestizide mehr verwendet werden und dass der Pestizideinsatz mit geeigneten Maßnahmen drastisch reduziert wird."

"Industrielle Tierhaltung" eine Gefahr

"Industrielle Tierhaltung ist eine Gefahr für unsere Umwelt und unsere Gesundheit", hatte Sebastian Theissing-Matei, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace Österreich verkündet. Durch Intensiv-
oder Massentierhaltung würden Tierarzneimittel, Pestizide, Metalle und Nährstoffe im Überfluss in die Flüsse geschwemmt. Einmal in die Umwelt gelangt, bilden sich so regelrechte "Cocktails" an Substanzen, die empfindliche Ökosysteme schädigen können, hieß es im Report "Dirty Waters". "Auch für uns Menschen ist das mittelfristig ein gesundheitliches Risiko. Antibiotika, die aus der Massentierhaltung in die Umwelt gelangen, erhöhen die Gefahr von Resistenzen", erläuterte Theissing-Matei die Folgen der "Umweltverschmutzung durch Massentierhaltung".

Drei Viertel der Antibiotika an Schweine

In Österreich wurden Proben aus dem Schwarzaubach und der Stiefing - beide in der Steiermark - sowie aus dem Sipbach in Oberösterreich genommen, laut der NGO Gegenden mit einer besonders hohen Dichte an Schweineställen. Pro Probe wurden bis zu fünf Tierarzneimittel, darunter mehrere Antibiotika, und bis zu 38 verschiedene Pestizide festgestellt. Dies ist der dritthöchste Pestizidwert, der in Europa gefunden wurde.
Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) und Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) dürfen die Risiken
der Massentierhaltung für Umwelt und Gesundheit nicht weiter ignorieren, fordert die Umweltschutzorganisation.

Knapp drei Viertel aller Antibiotika in der Tierhaltung gingen in Österreich an Schweine. Der hohe Einsatz führe dazu, dass sich Resistenzen gegenüber wichtigen Medikamenten entwickeln. Diese Super-Keime können auch uns Menschen gefährlich werden, warnte Greenpeace. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Antibiotika-Resistenzen als eine der drei dringendsten Probleme für die öffentliche Gesundheit ein.

"Resistenzentwicklungen haben gravierende Folgen für die medizinische Behandlung von Patientinnen und Patienten. Häufig sind Infektionen mit resistenten Bakterien schwer therapierbar, in bestimmten Fällen sind sie sogar unheilbar. Daher ist der Umgang mit diesen lebensnotwendigen Medikamenten selbstverständlich auch in der Tierhaltung streng zu reglementieren", warnte Hans-Peter Hutter, Sprecher der ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt.

Verschmutzung mit Pestiziden

Zur Belastung der untersuchten Gewässer durch Antibiotika kam die Verschmutzung mit einer Vielzahl verschiedener Pestizide hinzu, hieß es weiter: 27 im Schwarzaubach, 38 in der Stiefing und 20 im Sipbach. Der Pestizidwert der Stiefing war der dritthöchste, der in Europa gefunden wurde. "Die Landwirtschaft in den beprobten Regionen ist vor allem dem intensiven Anbau von Futtermitteln wie etwa Mais gewidmet, um die zehntausenden Schweine vor Ort zu versorgen. Wir können daher davon ausgehen, dass ein wesentlicher Anteil der Pestizide aus dem Anbau von Futtermitteln stammt", erklärte Theissing-Matei.

Laut der NGO brauche es ein ambitioniertes
Antibiotika-Reduktionsprogramm, bessere Haltungsbedingungen und
niedrigere Besatzdichten. Außerdem seien Änderungen bei den
europäischen Agrarförderungen erforderlich.

Landwirtschaftskammer: "Panikmache"

Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich vermutete, die "Panikmache" sei weitaus überzogen und offenbar "primär der Mobilisierung von Spendengeldern in der Vorweihnachtszeit geschuldet". Auch wenn die Rückstände in den angeführten Gewässern bedauerlich seien, müsse doch festgehalten werden, dass sich die Grenzwerte innerhalb des gesetzlichen Rahmens bewegen.

Agrarlandesrat Max Hiegelsberger (ÖVP) verwies ebenfalls auf die Werte: Sie würden zeigen, dass die Bauern sorgsam und sachkundig mit den Betriebsmitteln gemäß den Vorgaben der Gesetze sowie dem Österreichischen Umweltprogramm umgehen. Jedoch werde in dem Bericht von Greenpeace nicht darauf eingegangen, dass über Abwässer und Kläranlagen auch Humanarzneimittel in das Grund- und Trinkwasser gelangen, stellte Hiegelsberger fest.

Greenpeace reagierte auf die geäußerte Kritik an dem Wassertest, dass die Probennahmen in Gebieten mit intensiver Tierhaltung und in entsprechender Entfernung von großen Städten erfolgt seien. "Die Proben wurden auf Tierarzneimittel und auf in der Landwirtschaft genutzte Pestizide untersucht."

Anschober verwies darauf, dass Oberösterreich als einziges Bundesland mit der Pestizidstrategie ein Risikomanagement bei grundwassergefährdenden Pestiziden habe und die Behörde derzeit genau im betroffenen Bereich ein umfassendes Kontrollprogramm mache. Aber aus seiner Sicht sollte das aktuelle Sondermonitoring-Programm mit monatlichen Probenahmen erweitert werden.

 

(APA/red.)

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