Auffällig viele Österreicher zahlen ihre Rechnung nicht – aus einem simplen Grund

Eine Studie zeigt, warum und wo sich Menschen hierzulande beim Einkaufen so sehr übernehmen. Dass sie Schulden nicht begleichen, liegt bei Weitem nicht immer am Geldmangel.

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Die Österreicher kaufen nicht nur gern ein. Zwei Drittel legen monatlich Geld zur Seite, und zwar durchschnittlich 282 Euro. – APA/GEORG HOCHMUTH

Wien. Black Friday, Cyber Monday, Nikolaus und Weihnachten – all diese Anlässe machen einem das Sparen nicht gerade leicht. Doch gibt es hierzulande viele, die das eigentlich tun müssten. Jeder sechste Österreicher hatte irgendwann in den vergangenen sechs Monaten Probleme, Rechnungen zu begleichen. Das geht aus dem „European Consumer Payment Report“ der Inkassofirma Intrum hervor, für den 24.000 Personen aus ganz Europa befragt wurden.

Im Schnitt ging es bei den nicht bezahlbaren Rechnungen um 1592 Euro pro Kopf. Eine relative Mehrheit der säumigen Zahler (38 Prozent) borgte sich das Geld schließlich von Familienmitgliedern und Verwandten aus, gefolgt von der eigenen Bank (35 Prozent). 27 Prozent überzogen ihre Kreditkarte, 20 Prozent wandten sich an Freunde (Mehrfachnennungen waren möglich).

Aufs Zahlen vergessen

Dennoch kam es dazu, dass 40 Prozent der Befragten in den vergangenen zwölf Monaten eine oder mehrere Rechnungen nicht oder nicht fristgerecht bezahlt haben. Damit ist die Zahlungsmoral der Österreicher nur geringfügig besser als die anderer Europäer, von denen 45 Prozent ihre Rechnungen zu spät bezahlt haben.

Hauptgrund war hierzulande freilich Vergessen. Jeder dritte säumige Zahler gab jedoch an, das Geld schlicht nicht gehabt zu haben, neun Prozent wollten die Rechnung nicht begleichen, weitere neun Prozent hatten technische Probleme.

Umgekehrt haben 40 Prozent anderen Personen geholfen und deren Rechnung(en) bezahlt. Dabei griff man in erster Linie Freunden unter die Arme (35 Prozent), erst an zweiter und dritter Stelle kamen Kinder (23), Ehepartner (21) und Geschwister oder andere Verwandte (17 Prozent). Die Eltern mussten nur von zwölf Prozent der Hilfsbereiten unterstützt werden. Am häufigsten beglich man dabei die Miete anderer, gefolgt von der Rückzahlung ausstehender Forderungen und der Gas-, Wasser- oder Stromrechnung. Doch auch Strafzettel, Arztrechnungen, Mobilfunkrechnungen, Versicherungsprämien und Rechnungen von Onlineshops oder dem Versandhandel mussten nicht selten von Dritten beglichen werden.

 

„Auf Pump kaufen ist okay“

Fast ein Viertel aller Eltern mit Kindern hat sich übrigens in den vergangenen sechs Monaten Geld ausgeborgt oder das Kreditkartenlimit ausgeschöpft, um etwas für die Kinder zu kaufen. Und das, obwohl 86 Prozent ihren Kindern ein gutes Vorbild sein wollen und die Ansicht vertreten, dass es wichtig ist, seine Rechnungen immer rechtzeitig zu bezahlen.

90Prozent versuchen, den Kindern den Umgang mit Geld beizubringen. 75 Prozent sind jedoch der Ansicht, die Schule sollte mehr Wissen über Haushaltsfinanzen vermitteln. 40Prozent wünschen sich, sie hätten selbst in der Schule mehr über Haushaltsfinanzen gelernt.

Immerhin 29Prozent haben ein schlechtes Gefühl, weil sie nicht in der Lage sind, mehr Dinge für ihre Kinder zu kaufen. Dafür finden es 30 Prozent in Ordnung, Konsumgüter (zum Beispiel einen Fernseher oder einen Computer) auf Raten, mit einem Darlehen oder mit geliehenem Geld zu bezahlen. Das ist eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr, als nur 27Prozent dieser Ansicht waren. Zehn Prozent würden auch den Urlaub auf Pump finanzieren, wenn es denn notwendig wäre.

Indes sehen sich 42 Prozent in einer besseren finanziellen Situation als ihre Eltern oder gehen zumindest davon aus, dass sie das einmal sein werden. Jeder Fünfte fürchtet indes, dass es die Kinder einmal finanziell schlechter haben werden als man selbst. 17 Prozent klagen, nicht in der Lage zu sein, alles Notwendige zu kaufen, was die Kinder für ein menschenwürdiges Dasein brauchten. Zwölf Prozent geben an, ihre Finanzsituation nicht unter Kontrolle zu haben.

Wie bei den meisten Umfragen schätzt man aber im Schnitt die eigene Situation besser ein als die des Landes: 41 Prozent sind der Ansicht, dass ihre persönliche Finanzsituation besser werde. Das ist zwar gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang um fünf Prozentpunkte, indes glauben nur 36 Prozent, dass sich die wirtschaftliche Lage im Land verbessere.

 

Ehen zerbrechen am Geld

Geldmangel kann selbst Ehen und Beziehungen zerstören, doch bisweilen ist auch das Gegenteil der Fall. Zwar gaben 13 Prozent an, ihre Finanzsituation sei ein Faktor beim Scheitern einer Beziehung gewesen (bei weiteren 17 Prozent war das teilweise der Fall), demgegenüber stehen elf Prozent, bei denen es die (schlechte) Finanzsituation war, die letztlich den Ausschlag gegeben hat, die Beziehung nicht zu beenden.

Eine Gefahr sehen die Österreicher in der wachsenden Bedeutung von Onlineshopping: Zwei Drittel vertreten die Ansicht, dass der einfache Zugang zu Krediten über das Smartphone Leute zur Aufnahme von Darlehen verleiten könnte, die sie sich nicht leisten können. 55 Prozent finden, dass es einem das Onlineshopping zu leicht mache, Kredite aufzunehmen.

Ein Drittel fühlt sich selbst durch soziale Medien unter Druck gesetzt, mehr zu konsumieren, als man sollte. 27 Prozent werden von der Einfachheit des Onlineshoppings dazu verleitet, generell mehr zu kaufen. Mehr als die Hälfte der Befragten liest die AGB nur selten. 16Prozent haben online bereits Dinge gekauft, die sich als teurer herausgestellt haben als gedacht.

Sparen für unerwartete Fälle

Immerhin sparen die Österreicher auch. Zwei Drittel legen monatlich Geld zur Seite, und zwar durchschnittlich 282 Euro. Die Folge: Für 60 Prozent wäre es kein Problem, eine unvorhersehbare Ausgabe in Höhe von einem halben Nettomonatslohn zu tätigen.

Solch unerwartete Ausgaben sind auch der häufigste Spargrund. 67 Prozent sparen für solche Fälle, weit abgeschlagen rangieren auf dem zweiten Platz Reisen (43 Prozent), der Ruhestand (28), die Kinder und Enkelkinder (26 Prozent). Der Konsum generell liegt mit 18 Prozent knapp vor dem Eigenheim und dem Fall, dass man den Arbeitsplatz verliert (je 17 Prozent).

Bei der Geldanlage setzt man zu 79Prozent auf das Sparkonto, gefolgt von Fonds (19 Prozent) und Bargeld (18 Prozent). Nur elf Prozent kaufen mit dem gesparten Geld auch Aktien, acht Prozent setzen auf Gold.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.12.2018)

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