Emilio Marcos Palma - der erste "Antarktikaner"

Am 7. Jänner 1978 wurde Emilio Palma als erstes Kind in der Antarktis geboren - weil Argentinien Gebietsansprüche stellen wollte.

Antarctica is pictured in this undated image courtesy of NASA
Antarctica is pictured in this undated image courtesy of NASA
Antarktis – (c) Reuters (NASA)

Es war eine Geburt, um Ansprüche erheben zu können: Am 7. Jänner 1978 erblickt auf dem antarktischen Kontinent ein Junge das Licht der Welt - und bekommt zum Geburtstag einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde. Denn Emilio Marcos Palma ist der einzige Mensch, von dem bekannt ist, dass er als erster auf einem Kontinent geboren wurde. Zudem wurde der heute 36-Jährige weiter südlich geboren als jede andere Person.

Zufall war die Geburt inmitten von Schnee und Eis, Kälte und Wind nicht. Vielmehr brachte eine bewusste Entscheidung Silvia Morella de Palma an die Spitze der antarktischen Halbinsel, konkret in die Esperanza-Station. Argentinien wollte mit der Geburt Emilios seine Ansprüche auf einen Anteil des eisigen Kontinents untermauern. Denn trotz des seit 1961 geltenden Antarktisvertrages beanspruchen gut ein halbes Dutzend Staaten Regionen des Südkontinents für sich.

Emilios Vater, Jorge Emilio Palma, war der Leiter der argentinischen Garnison. Als seine Frau im siebenten Monat schwanger war, wurde sie auf Wunsch der Regierung zu ihrem Gatten geflogen, um in der eisigen Wüste ihren Sprössling zur Welt zu bringen. Da beide argentinische Staatsbürger sind, wurde das 3,4 Kilogramm schwere Baby umgehend zum Argentinier. Doch die Basis liegt in einem Gebiet, das auch die Briten für sich beanspruchen, weshalb der "Antarktikaner" bei Bedarf auch einen britischen Pass verlangen könnte.

Elf Geburten in der Antarktis

Völlig unumstritten ist Emilios Status als Erstgeborener in der Antarktis aber nicht. So beanspruchte Solveig Gunbjörg Jacobsen, die am 8. Oktober 1913 in Grytviken, der Hauptstadt des britischen Überseegebietes Südgeorgien, zur Welt kam, diesen Titel zeitlebens für sich. Sie gilt als erste Person, die südlich der Antarktischen Konvergenz (bildet die Nordgrenze des Südpolarmeers) geboren wurde - allerdings deutlich weniger weit südlich, als Emilio.

Insgesamt wurden bis heute offiziell elf Kinder in der Antarktis geboren, acht davon in der Esperanza-Station.

Antarktisvertrag & Esperanza-Station

Der Antarktisvertrag wurde am 1. Dezember 1959 unterzeichnet und trat am 23. Juni 1961 in Kraft. Er hatte ursprünglich eine Laufzeit von 30 Jahren; 1991 wurde er um weitere 50 Jahre verlängert. Er legt fest, dass die unbewohnte Antarktis zwischen 60 und 90 Grad südlicher Breite ausschließlich friedlicher Nutzung vorbehalten bleibt.

Die argentinische Esperanza-Station („Hoffnungs-Station“) liegt an der Hope Bay der Antarktischen Halbinsel. Sie ist seit 1952 in Betrieb. Im Winter beherbergt die Station, die aus 43 Gebäuden besteht, 55 Einwohner – zehn Familien und zwei Lehrer. Jährlich besuchen etwa 1100 Touristen den Geburtsort von Emilio Palma.

(hell)

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