Ein Zeitzeuge erinnert an Kreiskys Nahost-Kontakte

„Damals im Jänner 1974 ...“ Eine Geschichte im „Spectrum“ über die Ölkrise und das „Nassrasieren“.

ARCHIVBILD: BRUNO KREISKY, HEINZ FISCHER
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(c) APA/WALTER HENISCH

Der damalige Bundeskanzler Kreisky beschränkte sich nicht auf die angeführte Empfehlung des „Nassrasierens“, sondern hat seine persönliche Bekanntheit und seine Beliebtheit in den arabischen Ländern, die ich bezeugen kann, eingesetzt, um Österreich vor schwerwiegenden wirtschaftlichen Schäden zu bewahren. Als Zeitzeuge bringe ich Folgendes Beispiel:

Als Begleitoffizier und Sprachmittler habe ich 1982 den damaligen Landwirtschaftsminister Haiden nach Riad begleitet. Ich stellte telefonischen Kontakt mit dem Büro des saudiarabischen Verteidigungsministers her und erhielt unverzüglich einen Termin, von dem ich den österreichischen Botschafter in Riad verständigte.

Daraufhin fand ein Treffen im Büro des Verteidigungsministers Prinz Sultan statt, dem ich ein Schreiben vom damaligen Verteidigungsminister Rösch überreichte. Da mich Prinz Sultan bereits gut kannte, bat er mich, dieses Schreiben zu übersetzen. Darin wurde er ersucht, seinen Einfluss bezüglich der Erweiterung von dringend notwendigen Erdöllieferungen geltend zu machen. Ich teilte Prinz Sultan mit, dass dies ein besonderes Anliegen von Bundeskanzler Kreisky sei.

Daraufhin griff Prinz Sultan zum Telefon und wies die zuständigen Stellen an, die österreichischen Wünsche entsprechend zu berücksichtigen.

Diese seinerzeit von Kreisky betriebene Außenpolitik wird leider heute kaum mehr angewendet und ist in weiterer Folge den Beziehungen zu den arabischen Staaten nicht gerade förderlich.

Brigadier i. R.
Mag. Hardy Eisenstädter, 1130 Wien

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.03.2014)

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