Jesus oder Karl IX.? Wo der Aprilscherz seinen Ursprung hat

Die Erklärungsversuche für den Ursprung des Aprilscherzes sind vielfältig. Eine kurze Übersicht.

 (DiePresse.com)

Es ist bezeichnend, dass der Ursprung des Aprilscherzes nicht so einfach festzumachen ist. Denn sowohl in Europa, Amerika und Indien legen sich Menschen traditionell am 1. April seit Jahrhunderten ins Zeug, um Mitmenschen erfundene oder verfälschte fantastische Geschichten unter die Nase zu reiben. Erstmals historisch überliefert ist die Redewendung "Jemanden in den April schicken" im Jahr 1618 in Bayern. 1854 scheint der Begriff "Aprilnarr" - also jemand, der in den April geschickt wird - zum ersten Mal in einem Wörterbuch auf.

Hier ein paar gängige Thesen:

Ein Erklärungsversuch ist, das typisch wechselhafte Wetter des Aprils dafür verantwortlich zu machen. Das greift aber wohl zu kurz. Denn den Aprilscherz gibt es eben auch in Amerika und Asien, wo zu dieser Jahreszeit durchaus konstante Klimaverhältnisse vorherrschen.

Die "Bibel-These" führt den Aprilscherz auf das Herumschicken von Jesus "von Pontius nach Pilatus" zurück. Dieses soll am 1. April stattgefunden haben.

Die glaubwürdigste Variante ist folgende: 1564 sorgte der Wechsel vom Julianischen zum Gregorianischen Kalender für viel Verwirrung. Der Beginn des neuen Jahres wurde damals eine Woche lang vom 25. März bis 2. April gefeiert. Der französische König Karl IX. verlegte den Jahresanfang auf den 1. Jänner. Menschen, die den Jahresbeginn dennoch weiter wie bisher feierten, wurden in den Folgejahren mit Spott bedacht. Spaßvögel verschickten etwa zum Apriltag Einladungen zu Neujahrsfeiern, die es natürlich nicht mehr gab.

Des Rätsels Lösung!

Und dann gibt es da noch die schöne These, die Joseph Boskin, Geschichtsprofessor der Universität Boston, 1983 in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP exklusiv der Weltöffentlichkeit präsentierte: Der Aprilscherz sei auf den römischen Kaiser Konstantin zurückzuführen. Ein Hofnarr habe dem Kaiser vorgehalten, dass Narren besser regieren könnten. Daraufhin habe Konstantin sein Reich für einen Tag einem Hofnarren namens Kugel übergeben. Dieser habe den Tag genutzt und nur Absurdes erlaubt.

Viele Medien übernahmen die Geschichte dankbar und druckten sie ab. Der Haken bei der Sache: Boskin hatte den Reporter selbst in den April geschickt. Seine Geschichte war schlicht erfunden. Boskins Universität musste sich entschuldigen und viele Zeitungen ihre Berichte korrigieren.

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