Vor 25 Jahren: Der ''Mephisto'' der Wiener Politik wird verurteilt

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Er landete mit gefälschtem Pass und neuer Nase, dennoch wurde Österreichs prominentester Justizflüchtling gleich am Flughafen erkannt: Am 2. Oktober 1989 klickten in Wien-Schwechat die Handschellen für Udo Proksch,  Hauptfigur eines der größten Politskandale der Zweiten Republik. Bis zu seiner Verurteilung in der Causa Lucona dauerte es dann noch eineinhalb Jahre: Am 11. März 1991 wurde Proksch wegen Mordes, Mordversuchs, vorsätzlicher Gefährdung durch Sprengmittel und versuchten schweren Betrugs schuldig gesprochen.

Von Maria Kronbichler

(c) APA (JAEGER ROBERT)
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Die Vorgeschichte

Proksch wird 1934 als Sohn eines prominenten Nationalsozialisten in Rostock geboren. In Wien designt er erfolgreich Brillen und Schmuck, bevor er 1972 die Traditionskonditorei Demel erwirbt. In den oberen Stockwerken richtet er den "Club 45" ein, in dem sich bald alles trifft, was in Österreich Rang und Namen hat. Mitglieder der Regierung Kreisky plaudern hier mit Industriellen, Künstlern und Militärs, Seilschaften werden geknüpft und Geschäfte geschlossen.

"Bei mir", sagt Proksch, "können sie fressen, tanzen und saufen - aber tanzen werden sie nach meiner Pfeife". Angeblich sammelt Proksch auch brisante Bilder von Politikern bei Stelldicheins im Separee des Clubs.

(c) APA (HERBERT PFARRHOFER)
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Proksch gefällt sich als Enfant Terrible der Wiener Gesellschaft, trägt oft eine Pistole im Hosenbund und gründet den "Verein der Senkrechtbegrabenen". Und er giert nach Macht. Proksch sei ein "Mephisto" gewesen, sagt Staatsanwalt Erich Müller in Robert Dornhelms Proksch-Doku "Out of Control". Er habe "Politiker wie Marionetten spielen lassen".

(c) APA (ROBERT JAEGER)
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1976 chartert Proksch gemeinsam mit seinem Kompagnon Hans Peter Daimler den Frachter Lucona. Die Ladung - offiziell eine Uranaufbereitungsanlage - lässt er bei der Bundesländer-Versicherung um umgerechnet 15 Millionen Euro versichern.

Im Jänner 1977 sinkt das Schiff auf dem Weg nach Hongkong. Sechs der zwölf Menschen an Bord sterben. Proksch macht den Schaden bei der Versicherung geltend. Doch der von der Gesellschaft beauftragte Rechtsanwalt wittert einen Schwindel.

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Tatsächlich wird sich herausstellen, dass die Lucona mit Schrott beladen war und durch einen Zeitzünder gesprengt wurde. Doch noch fehlen Beweise, und die Justiz zeigt nicht allzu viel Eifer bei der Suche danach. Proksch' Vernetzung in höchste Kreise zahlt sich nun aus, eifrige Staatsanwälte werden zurückgepfiffen. 1985 wird der Unternehmer zwar verhaftet, kurz darauf aber wieder freigelassen. Als im Dezember 1987 der Journalist Hans Pretterebner sein Buch "Der Fall Lucona" veröffentlicht, nimmt der öffentliche Druck zu. Im März 1988 lässt der parteilose Justizminister Egmont Foregger Anklage erheben.

Bild: Regisseur Dornhelm und Journalist Pretterebner

(c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)
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Proksch flieht ins Ausland. Auf den Philippinen unterzieht er sich einer Gesichts-OP, bevor er 1989 zurückkehrt.

Zu diesem Zeitpunkt hat der Fall Lucona bereits einigen seiner Freunde die Karriere gekostet. Ab November 1988 tagte ein U-Ausschuss zur Causa Lucona, der zum Rücktritt von Innenminister Karl Blecha und Nationalratspräsident Leopold Gratz (beide SPÖ) führte. Sie hatten (wie viele andere) für Proksch interveniert und die Aufklärung des Falls behindert.

Bild: Blecha und Gratz

(c) APA (ROBERT JAEGER)
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Der Prozess gegen Proksch wird zu einem der aufwendigsten in der österreichischen Justizgeschichte. 55 Zeugen und sieben Sachverständige sagen an den 57 Verhandlungstagen vor dem Wiener Landesgericht aus. Richter Hans-Christian Leiningen-Westerburg reist sogar auf die Malediven, von wo aus er ein US-Unternehmen auf die Suche nach der Lucona schickt. Das Wrack wird tatsächlich gefunden, in 4197 Meter Tiefe und mit einem Zeitzünder, wie ihn das Bundesheer verwendet.

Am 11. März 1991 verurteilt der Schwursenat Proksch wegen Mordes, Mordversuchs, vorsätzlicher Gefährdung durch Sprengmittel und versuchten schweren Betrugs zu 20 Jahren Haft. In zweiter Instanz wird die Strafe auf lebenslänglich erhöht.

(c) APA (JAEGER ROBERT)
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In der Justizanstalt Graz Karlau gilt Proksch als Musterhäftling, bis er am 27. Juni 2001, im Alter von 67 Jahren, nach einer Herzoperation stirbt. Zu seiner Beerdigung macht ihm noch einmal die Wiener Gesellschaft die Aufwartung: 300 Trauergäste, von Teddy Podgorsky bis Niki Lauda, verabschieden ihren "Mephisto".


(c) Presse Fabry