Gustav Ucicky: Ein Könner – von Goebbels Gnaden

Der österreichische Filmregisseur war ein Ausnahmetalent in seinem Fach. Er blieb es auch in der NS-Zeit und nach 1945.

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Heimkehr“ (1941) mit Paula Wessely – Filmarchiv Austria

Nazi oder nicht? Mit dieser Frage, die den österreichischen Filmregisseur Gustav Ucicky betrifft, beschäftigte sich kürzlich ein Symposium im Metro Kinokulturhaus. Er war schon vor der NS-Zeit mit Stummfilmen höchst erfolgreich, wurde dann von Joseph Goebbels gefördert und geschätzt – und setzte nach 1945 seine Karriere nahezu ungemindert fort.

Lange Zeit wurde daher diese Eingangsfrage klar mit Ja beantwortet, man verweist dabei immer auf den nationalistischen Film „Heimkehr“ (1941) mit Paula Wessely. Aber Ucicky fertigte auch unpolitische Unterhaltungsfilme.

Nicht nur „Heimkehr“ wurde nach 1945 verboten oder mit einem Vorbehalt versehen. Und der Streifen ist kein Einzelfall, sondern nur ein Beispiel für das gespannte Verhältnis von Filmkunst und politischer Macht unter der NS-Herrschaft. Opportunismus, Mitläufertum, aktives künstlerisches Engagement für die Ideen des Nationalsozialismus oder auch distanzierter Eigensinn lagen bei vielen Künstlern wie zwei Masken beieinander und wurden nach Belieben eingesetzt.

 

Ucickys unbekanntes Gesamtwerk

Die Veranstaltung im umgebauten Metro-Kino bemühte sich erstmals, den Filmschaffenden Ucicky fernab von Polemik in seinem gesamten Schaffen zu dokumentieren. Neben dem immer wieder zitierten Film „Heimkehr“, den Goebbels höchstpersönlich angeordnet hatte und der zum Teil in Wien hergestellt wurde, zeigte man auch „Aufruhr in Damaskus“ (1939) mit Brigitte Horney. Der Film spielt im Jahr 1918 in einem syrischen Wüstenfort. Die Kavallerie kommt den tapferen deutschen Streitern zu spät zu Hilfe. Trotz der Überhöhung deutscher Tugenden ist es ein spannender Abenteuerfilm.

Anders gestrickt ist „Morgenrot“ (1933) mit Rudolf Forster und Adele Sandrock. Hier geht es um Jagdfieber, um Duelle über und unter Wasser, um die beängstigende Enge in einem U-Boot. Vorbild für viele künftige Filme dieses Genres. Im Ausland machte der Streifen Furore. Ucicky tarierte die Schlagseite recht geschickt mit kriegskritischen Dialogen aus. Aber just als er auf den Markt kam, gelangten die Nazis an die Macht. Und sie vereinnahmten ihn prompt.

Dieses Projekt des Filmarchivs Austria mit dem Uni-Institut für Zeitgeschichte und jenem für Judaistik stellt ein gelungenes Beispiel dar für die Offenheit und Objektivität, mit der heutige Zeitgeschichteforschung an die Dinge herangeht.

Es zeigte einen Künstler, der wie viele seiner Zeitgenossen im Spannungsfeld zwischen hehrer Kunst und nationalistischem Gedankengut stand – und damit wohl im damaligen „Mainstream“. 1927, nach dem modernen Film „Café Electric“, hätte er nach Hollywood gehen können, doch er blieb in Berlin. Und so geriet er ab 1933 in den Strudel der Propaganda, die Goebbels wie kein Zweiter beherrschte. 1938 produzierte er einen kurzen „Wochenschau“-Beitrag über die befohlene Volksabstimmung im Gefolge des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich.

Nach 1945 hatte er Arbeitsverbot, das aber schon 1947 aufgehoben wurde, da man auf sein formales Können nicht verzichten wollte. Er starb 1961 in Hamburg.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2014)

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