Der ruhmlose Tod einer gefürchteten Wildwest-Legende

Am 19. August 1895 geht John Wesley Hardin in einem Saloon zu Boden. Er stirbt nicht in einem glorreichen Duell, sondern durch einen Schuss in den Hinterkopf.

(c) Liebeskind

Im Alter von 15 Jahren tötet John Wesley Hardin (geb. 1853) erstmals einen Mann. Fortan ist er auf der Flucht. Bei einem Duell ein Jahr später tötet er erneut einen Widersacher. Künftig wird er sich mit Hilfe seines Revolvers immer wieder aus brenzligen Situationen retten. Zeitlebens gilt Hardin als leicht aufbrausend und streitsüchtig. Das dürfte auch Hardin selbst so gesehen haben. In seiner Autobiografie schrieb er: "Leser, Sie sehen, was Trunksucht und Leidenschaft anrichten können. Wenn Sie im Leben Erfolg haben wollen, dann seien Sie mäßig und zügeln Sie Ihre Leidenschaften; wenn nicht, so sind Ruin und Tod das unausweichliche Resultat."

Bis heute gilt Hardin als einer der brutalsten und tödlichsten Revolverhelden der Geschichte des amerikanischen Wilden Westens. Zahlreiche Mythen ranken sich um ihn, sogar der legendäre Wild Bill Hickock soll ihm aus dem Weg gegangen sein. Insgesamt soll Hardin mehr als 40 Männer getötet haben - neuesten Erkenntnissen zufolge dürfte das aber stark übertrieben sein, nur elf Tötungen gelten als belegt.

Jus-Studium im Gefängnis

Nachdem er 1877 - vermutlich in Notwehr - einen Sheriff erschießt, wird er zu 25 Jahren Zwangsarbeit wegen Totschlags verurteilt. Im Gefängnis liest Hardin theologische Bücher und studiert Rechtswissenschaft. Nach 17 Jahren wird er im Februar 1894 aus dem Gefängnis entlassen. Im Jänner 1895 heiratet der mittlerweile 41-Jährige ein 15-jähriges Mädchen, die Ehe geht aber rasch in Brüche.

Sein Tod ist dann wenig ruhmreich. Am 19. August wird Hardin im texanischen Ort El Paso im Acma-Saloon von John Selman, mit dem er kurz zuvor in Streit geraten war, beim Kartenspielen von hinten erschossen. Seine letzten Worte lauten angeblich "Four sixes to beat" (also "Vier Sechse gilt es zu schlagen").

Hardins Tod als "traurige Warnung"

Einen Tag später, am 20. August 1895, schreibt der El Paso Daily Herald: "Bald wurde bekannt, dass John Selman, Polizist vom 1. Revier, die tödlichen Schüsse abgegeben hatte, die das Leben des bekannten Wes Hardin beendeten (...) Diese zänkische Ader seinerseits (Hardins, Anm.) führte letzte Nacht zu seinem Tode und soll allen als traurige Warnung dienen, die Rechte anderer zu respektieren, und als Zeichen, dass die Zeiten vorüber sind, in denen ein Mann von schlechtem Leumund sich einfach über das Gesetz und die Rechte anderer Bürger hinwegsetzen kann."

Auch im Fall Hardin zeigt sich wieder einmal die tödliche Spirale des Tötens während der Zeit des Wilden Westens: Hardin-Mörder John Selman wird ein Jahr später von Marshal George Scarborough erschossen, der 1900 ebenfalls durch eine Kugel stirbt.

Wer mehr über Hardin wissen will: Am 24. August erscheint im Liebeskind-Verlag das Hardin-Porträt "Pistolero" von US-Autor James Carol Blake, einem der wichtigsten Chronisten des Wilden Westens.

>>> Mehr über den Mythos von Wildwest-Duellen

(phu)

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